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| 17:00 Uhr

Hoyerswerda
Es ist fünf vor zwölf beim Natz

Der 30. August – ein wichtiges Datum für das Natz und sein Vorstandsmitglied Peter Hildebrandt. Dann soll sich entscheiden, wie es im Verein weitergeht. Hildebrandt ist seit 48 Jahren mit dem Natz und seinem Vorgänger, der Station junger Naturforscher und Techniker, verbunden.
Der 30. August – ein wichtiges Datum für das Natz und sein Vorstandsmitglied Peter Hildebrandt. Dann soll sich entscheiden, wie es im Verein weitergeht. Hildebrandt ist seit 48 Jahren mit dem Natz und seinem Vorgänger, der Station junger Naturforscher und Techniker, verbunden. FOTO: LR / Sascha Klein
Hoyerswerda. Der Hoyerswerdaer Traditionsverein braucht dringend einen neuen Vorstand. Von Sascha Klein

Das Natz gehört zu Hoyerswerda wie der Plattenbau, der Zoo und die Johanneskirche. Seit Jahrzehnten werkeln die Mitarbeiter dieses Naturwissenschaftlich-Technischen Kinder- und Jugendzentrums mit inzwischen drei Generationen Hoyerswerdscher Kinder. Hunderte Erwachsene können sich heute noch daran erinnern, wie sie in der Elektrotechnik tätig waren, in der Holzwerkstatt, in der Mineralogie, wie sie gebastelt oder sich um Tiere gekümmert haben. Hunderte Male haben Natz-Mitarbeiter Schulklassen in Hoyerswerda besucht und mit ihnen gewerkelt.

Die Jahre sind ins Land gegangen – die Kinder von damals sind heute längst groß. Einer, der das Natz und den Vorgänger, die Station junger Naturforscher und Techniker, seit 48 Jahren kennt, arbeitet immer noch im Vorstand: der langjährige Chef Peter Hildebrandt. Er kennt das Natz so gut wie kaum ein anderer. Er kennt auch die Sorgen, die der im Jahr 1991 gegründete Verein aktuell hat. Der 30. August 2018: Es wird ein schwieriger Tag für den Verein, der Träger der vielfältigen Angebote im Bürgerzentrum Braugasse 1 in der Hoyerswerdaer Altstadt ist. An diesem Donnerstag kommen die Mitglieder um 17 Uhr zusammen und müssen darüber reden, wie es mit dem Verein weitergehen soll.

„Wir arbeiten auf jeden Fall noch bis zum Jahresende weiter“, sagt Hildebrandt am Mittwoch in den Natz-Räumen. Er ist eines von drei Vorstandsmitgliedern, die der Verein zurzeit hat und braucht. Das Problem: Zwei Vorstandsmitglieder, er und die Vorsitzende Ulrike Müller, sind im Rentenalter. Das dritte Vorstandsmitglied wohnt inzwischen in Cottbus und ist nur noch selten in Hoyerswerda. Das bedeutet: Das Natz braucht ein neues Dreigestirn an der Spitze. Bislang hat sich niemand gefunden, der bereit ist, im Vorstand des Natz mitzutun, sagt Hildebrandt. Wenn das so bleibt, dann wird der Verein gezwungen sein, sich zum Jahresende aufzulösen.

Nach dem jüngsten RUNDSCHAU-Beitrag über die Sorgen des Natz hat es über die sozialen Netzwerke einige Personen gegeben, die Interesse an einer Mitarbeit in der Natz-Spitze haben. Das hört auch Peter Hildebrandt gerne. Er sagt: „Wir werden während der Mitgliederversammlung diskutieren, wie es im Verein weitergehen kann. Wenn es Interessierte gibt, dann können wir das einbringen.“ An diesem Donnerstag ist eine Auflösung des Vereins noch kein Thema. Hildebrandt sagt: Der Verein habe noch einen kleinen Spielraum, um einen neuen Vorstand zu finden. Allerdings muss bis zum Jahresende ein neuer Vorstand bestellt sein. Sonst stirbt der Verein definitiv.

Von der Arbeitsfähigkeit des Vorstandes hängt vieles ab: Der Verein verfügt unter anderem über zwei geförderte, hauptamtliche Stellen – der Landkreis Bautzen fördert einen Sozialarbeiter, die Stadt Hoyerswerda einen Sozialpädagogen. Ein Mitarbeiter scheidet Ende September aus, einer ist zurzeit längerfristig krank. Der Natz-Vorstand muss also mindestens eine Stelle neu besetzen. Das kann er jedoch nur, wenn es langfristig einen neuen Vorstand gibt, der Förderungen beantragt und neue Mitarbeiter einstellt. Solange nicht klar ist, wie es ab Januar 2019 weitergeht, herrscht Stillstand.

Mit der Hoyerswerdaer Stadtverwaltung ist der Natz-Vorstand seit längerem im Gespräch. „Unsererseits gibt es volle Unterstützung“, hat Bürgermeister Thomas Delling am Dienstag während des Stadtrats betont. Stadt- und Kreisrat Ralph Büchner (Linke) hatte dort auf die Nöte des Vereins hingewiesen. Die Verwaltung hat ihre Hilfe angeboten. Allerdings: „Ich kann nicht den Vereinsvorsitz übernehmen“, sagt Thomas Delling. Er sei bereits in einigen anderen Vereinen aktiv. Jedoch könne die Verwaltung etwa einem neuen Vorstand helfen, der sich in Fragen des Vereinsrechts erst noch finden muss. Das Rathaus hat ein Interesse daran, dass das Natz weiterhin besteht.

An der Natz-Rettung arbeitet jetzt auch Stadtrat Ralph Büchner mit. Er hat mit Vorstand Peter Hildebrandt einen Termin vereinbart, an dem alle Interessierten die Möglichkeit haben, sich über die Arbeit des Vorstandes und die Aufgaben zu informieren. Wie Büchner betont, ist das Freitag, der 14. September, um 17 Uhr. Treffpunkt ist in den Räumen des Natz im Bürgerzentrum Braugasse 1. Wer sich über eine Mitarbeit beim Natz informieren will: Die Telefonnummer lautet: 03571 20 933 50. Auch per Mail ist Kontakt möglich: info@natz-hoy.de