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| 20:04 Uhr

Miteinander
Es geht um ein respektvolles Miteinander

Rene Kruner (M.) leitet Anas (l.) und Alasana an.
Rene Kruner (M.) leitet Anas (l.) und Alasana an. FOTO: Katrin Demczenko
Hoyerswerda. Hoyerswerdaer „akzepTANZ“-Projekt führt Jugendliche mehrerer Nationen zusammen. Von Katrin Demczenko


24 junge Menschen aus Deutschland, Libyen, Guinea-Bissau und anderen Staaten gehören zum interkulturellen Tanztheaterprojekt „akzepTANZ“ der Fortbildungsakademie der Wirtschaft (FAW) gGmbH Akademie Bautzen, Außenstelle Hoyerswerda.

Das seit Oktober 2016 laufende Projekt soll den Jugendlichen helfen, ein respektvolles Miteinander aufzubauen, beschreibt die pädagogische Mitarbeiterin der FAW, Claudia Martin-Thomschke, ihre Arbeitsaufgabe. Sie leitet die Proben im Jugendklubhaus (JKH) Ossi seit August vorigen Jahres. Weil damals viele beteiligte Flüchtlinge den Aufenthaltstitel bekamen und die Stadt verließen, mussten neue Interessenten gefunden werden, erzählt die FAW-Mitarbeiterin.

Jetzt erarbeiten zwölf- bis 22-jährige Teilnehmer „ihr“ Theaterstück mit Dialogen, Requisiten, Bühnenbildern und Tanzszenen. Zum Projektabschluss im August 2019 wird die Aufführung sein. „Teile sind schon im Herbst dieses Jahres bei der Aktion ,Licht an’ im Industriegelände zu sehen“, sagt Claudia Martin-Thomschke.

Zu dem vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend geförderten Projekt, das für die Teilnehmer kostenlos ist, gehören ein Sommerworkshop mit einem Besuch bei „DörtesDanceProjekt“ und eine Führung durch die Bühnenwerkstätten der Semperoper. „Die Jugendlichen sollen sehen, was andere machen“, erklärt die FAW-Mitarbeiterin.

Lucy und Luna aus Hoyerswerda schreiben das Drehbuch für die Geschichte, die die Teilnehmer zusammen entworfen haben und die ihre Lebenssituation widerspiegelt. „Die Jugendlichen stehen, unabhängig von ihrer Herkunft, vor denselben Problemen und das verbindet“, sagt Claudia Martin-Thomschke.

Im Theaterstück „Step by Step durch Hoyerswerda“ geht es um ein lesbisches Liebespaar, von dem jede Partnerin einer anderen Clique angehört, erzählte die 15-jährige Lucy. Die Beziehung der beiden wird weder in den Jugendgruppen noch von den Eltern der Mädchen akzeptiert. Alkohol- und Drogenkonsum spielen eine Rolle und mobbingähnliche Auseinandersetzungen unter Mitschülern auch.

Der 20-jährige Anas aus Libyen gehört, wie die ein Jahr ältere Luna, zu den Bühnenbildmalern, die mit Fachanleiter René Kruner arbeiten. Unkompliziert und selbstverständlich sprayen die Teilnehmer miteinander Gebäude des Lausitzer Platzes auf ein Leinentuch. Doch bis es soweit war, mussten alle Bühnenbildmotive als Blei- und Buntstiftskizzen entworfen werden, erklärte Luna. Sie hat beim „akzepTanz“-Projekt ihr Selbstbewusstsein gestärkt, Arbeit bei einem Tierschutzverein gefunden und ihre erste eigene Wohnung bezogen.

Die Tänzer haben die Musik für ihre Szenen selbst ausgewählt, weil sie damit ihre Sicht auf das Leben beschreiben, sagte der 18-jährige Alasana aus Guinea-Bissau. Er kam als unbegleiteter Minderjähriger nach Deutschland und ist froh, das Projekt als Konstante in seinem Leben zu haben. Er trat mit der Gruppe bei der ERIH-Tanzperformance am Tag der Arbeit in der Energiefabrik Knappenrode erstmals erfolgreich auf. Jetzt üben alle die von der Fachanleiterin für Tanz, Franziska Grabowski, entworfenen Choreografien für das Theaterstück, damit beim ersten Auftritt im Herbst bei „Licht an“ alles klappt.