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| 14:46 Uhr

Sorben
Es gäbe noch viele Kandidaten

Während des bislang letzten Tages der abgebaggerten sorbischen Dörfer in Nochten enthüllte Domowina-Vorsitzender David Statnik mit zwei Frauen in der Nochtener Tracht den Gedenkstein.
Während des bislang letzten Tages der abgebaggerten sorbischen Dörfer in Nochten enthüllte Domowina-Vorsitzender David Statnik mit zwei Frauen in der Nochtener Tracht den Gedenkstein. FOTO: Richter-Zippack
Bautzen/Nochten. Der Tag der abgebaggerten sorbischen Dörfer findet seit dem Jahr 2015 nicht mehr statt. Die Domowina sucht Bewerber, die Nachfrage hält sich aber in engen Grenzen. Von Torsten Richter-Zippack

Wieder keine Kandidaten! Bislang sieht es so aus, dass auch in diesem Jahr kein Tag der abgebaggerten sorbischen Dörfer stattfindet. Stattdessen werde es wohl „nur“ ein Gedenken an die verschwundenen Orte während der Domowina-Bundesvorstandssitzung geben. Das wäre am 29. Juni im Schleifer Kirchspiel, wie es Werner Sroka von der Domowina ankündigt.

 Der sorbische Dachverband organisiert seit Ende der 1990er-Jahre den „Dörfer-Tag“. Bislang 17 Mal wurde in der Nieder- und der Oberlausitz jeweils einmal im Jahr eines abgebaggerten Dorfes oder eines durch den Bergbau verschwundenen Ortsteils gedacht. Nicht selten erfolgte dabei die Einweihung einer neuen Ortserinnerungsstätte. Über die Gründe, warum es seit dem Jahr 2015 keine Interessenten mehr gibt, sagt Sroka nur, dass keine Anfragen vorlägen.

Der bislang letzte Ausrichter des Tages der abgebaggerten sorbischen Dörfer war im Juni 2014 Nochten. Erinnert wurde an das Ende der 1980er-Jahre devastierte Bauernende nördlich und westlich des Dorfes für den Tagebau Nochten.

 130 Menschen mussten damals umsiedeln. Im Zuge des Dörfer-Tages erfuhr der bereits vorhandene Gedenkort an der Kirche eine Aufwertung. Der bisherige Gedenkstein wurde aufgearbeitet, ebenso die Tafel. Hinzu kam eine Linde, der sorbische Nationalbaum.

„Für uns war der Tag der abgebaggerten sorbischen Dörfer ein Gewinn“, sagt Ortsvorsteher Mario Weier. Alte Kontakte seien zwischen Menschen aufgelebt, die sich über viele Jahre nicht gesehen hatten. Für die Veranstaltung sei die Domowina auf die Nochtener zugekommen. Innerhalb eines halben Jahres wurde der Dörfer-Tag durch eine eigens gegründete Arbeitsgruppe organisiert. „Also ich kann diese Veranstaltung nur weiterempfehlen“, resümiert Weier.

Bedarf gäbe es eigentlich genug. Denn insgesamt mussten in der Lausitz seit dem Jahr 1924 knapp 140 Orte den Tagebauen weichen, die meisten davon im sorbischen Siedlungsgebiet. Darüber hinaus wurden manche Erinnerungsstätten vom Lauf der Zeit überholt. Beispielsweise das Ensemble für das Dörfchen Neida bei Lohsa. Im Rahmen des Tages der abgebaggerten sorbischen Dörfer im Frühsommer 2002 eingeweiht, liegt die Stätte bereits seit mehreren Jahren im bergbaulichen Sperrgebiet. Kein Wunder, befindet sich doch der Lohsaer Silbersee gleich nebenan. Dort laufen umfangreiche Sanierungsarbeiten.

 Nach Angaben der Bergbausanierer von der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV) hat das Unternehmen grundsätzlich kein Recht, derartige Stätten umzuverlegen oder zu pflegen. „Nach einer erfolgten Sanierung und mit Aufhebung des jeweiligen Sperrbereiches sind diese Stellen jedoch mittel- bis langfristig wieder frei zugänglich“, sagt LMBV-Sprecher Uwe Steinhuber. Sollten zuvor Pflegemaßnahmen von den Verantwortlichen gewünscht werden, seien diese bei den Bergbausanierern anzuzeigen.

Umziehen muss dagegen die Ortserinnerungsstätte der Groß Lieskower nordöstlich von Cottbus. Dort wurde vonseiten der LMBV nach der Einweihung eine Rütteltrasse geplant, sodass dieser Schritt notwendig wurde. „Der neue Standort wird sich zwischen dem Feuerwehr-Hain und dem künftigen Cottbuser Ostsee befinden. Die Arbeiten werden durch die Domowina beauftragt, sind aber noch nicht begonnen worden“, gibt Kathi Gerstner, Sprecherin der Lausitzer Energie AG (LEAG), den aktuellen Sachstand wieder. Der Vertragsabschluss stehe aber kurz bevor.

 Planungen für weitere Ortserinnerungsstätten seien der LEAG indes nicht bekannt. Würde es wieder einen Tag der abgebaggerten sorbischen Dörfer geben, sei das Unternehmen „natürlich zu Gesprächen bereit“.