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Erzieher ist in Bernsdorf ein Traumberuf auch für Männer

Unter den derzeit 21 Erziehern in der Awo-Kita "Pfiffikus" in Bernsdorf sind vier Männer. Sebastian Krüger (l.), Max Tanzer (M. vorn), Marcel Mietsch (M. hinten) und Maik Maltan (r.) sind glücklich in einem Beruf, der noch bis vor ein paar Jahren eine reine Frauen-Domäne war.
Unter den derzeit 21 Erziehern in der Awo-Kita "Pfiffikus" in Bernsdorf sind vier Männer. Sebastian Krüger (l.), Max Tanzer (M. vorn), Marcel Mietsch (M. hinten) und Maik Maltan (r.) sind glücklich in einem Beruf, der noch bis vor ein paar Jahren eine reine Frauen-Domäne war. FOTO: cw
Bernsdorf. Mit Anlauf kommen die Steppkes über die Wiese gerannt. Sie lachen und kreischen vor Vergnügen, als sich Maik Maltan eines der Kinder mit geübtem Griff herausgreift und es hoch über dem Boden schweben lässt. Catrin Würz

Der 37-Jährige ist seit einem halben Jahr Erzieher in der Bernsdorfer Kindertagesstätte "Pfiffikus" - und er ist dort längst nicht allein in dieser Rolle. Denn die Einrichtung in Trägerschaft der Arbeiterwohlfahrt beschäftigt derzeit sogar vier männliche Kollegen in der Betreuung von Krippen-, Kindergarten- und Hortkindern. "Männer im Erzieherberuf gehören seit ein paar Jahren ja schon zur Normalität. Aber dass wir in unserer Einrichtung sogar vier haben, ist doch schon etwas Besonderes", sagt Kita-Leiterin Jana Welsch. "Ein glücklicher Umstand, den wir gern nach Kräften für uns ausnutzen", ergänzt sie zufrieden. Denn die Kita-Chefin ist überzeugt: Die männlichen Kollegen bereichern den Kita-Alltag, bringen ganz andere Ideen, Kompetenzen und eine sehr nützliche Portion Gelassenheit und Ruhe in die Arbeit ein. Fußballspielen, auf Bäume klettern und sogar ein kleines Rempel-Turnier sind Sache der Männer. Und die Kinder lieben es.

Die Bernsdorfer Awo-Kita liegt bei diesem Thema voll im sachsenweiten Trend. Der Freistaat vermeldete kürzlich eine interessante Statistik: In den vergangenen zehn Jahren ist der Anteil männlicher Erzieher von 1,5 Prozent auf heute 6,8 Prozent angestiegen. Besonders deutlich wird dieser Trend auch in den Ausbildungszahlen: Waren 2006 sachsenweit lediglich 157 junge Männer in der Vollzeit-Ausbildung zum Erzieherberuf, sind es heute 1051 und damit knapp 17 Prozent aller Fachschüler in dem Bereich.

Marcel Mietsch kann sich noch gut erinnern, wie er vor neun Jahren von mancher Mama und manchem Papa zunächst noch etwas skeptisch beäugt wurde, als er 2008 als erster männlicher Erzieher in der Bernsdorfer Kita "Pfiffikus" begann. Seitdem hat der heute 40-Jährige etliche Steppkes vom Kindergarten-Alter bis zum Hortkind der 4. Klasse begleitet. "Da gehen wir auch immer ein Stückchen Weg mit den Familien mit. Und man spürt deutlich, dass einige Kinder eine männliche Bezugsperson im Kita-Umfeld besonders brauchen", erzählt er.

Wie auch seine Kollegen Maik Maltan und Sebastian Krüger ist Marcel Mietsch als Quereinsteiger in den Beruf gekommen. Alle drei hatten irgendwann mal einen ganz anderen Beruf gelernt - auf dem Bau oder in einem Malerfachbetrieb. Später kamen sie auf verschiedenen Wegen - zum Beispiel als Zivildienstleistender - mit der Betreuung von Kindern mit Handicap in Berührung. "Damals habe ich das schon gespürt: Kindern etwas beizubringen, Erfahrungen weiterzugeben - das ist mein Ding", erzählt Sebastian Krüger. Vor acht Jahren habe er sich als 23-Jähriger ein Herz gefasst und einen neuen Beruf gelernt. "Da war ich dann soweit, diese neue Verantwortung auch ausfüllen zu können", sagt der heute 31-jährige Bernsdorfer. "Denn man muss den Kindern ja auch ein Vorbild sein können", ist sein Anspruch.

Ganz ohne Umwege ist Max Tanzer (23) Erzieher geworden. Er hat als Sohn einer Tagesmutter schon frühzeitig in den Beruf "hineinschnuppern" können - und schnell war klar, das würde auch sein Traumberuf sein. Nach dem Schulabschluss lernte der Tornoer Sozialassistent und gleich anschließend folgte die Erzieherausbildung. Derzeit ist er im Krippenbereich eingesetzt. Was er am Schönsten an seiner Arbeit findet? Die Antwort unterscheidet sich wohl kaum von der seiner Erzieher-Kolleginnen. "Wenn die Kinder früh glücklich strahlend zu uns in die Kita kommen und sich freuen, wieder hier sein zu dürfen. Das ist der großartigste Moment."