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Erste Gedankenspiele für eine neue Staatsstraße 92

Bernsdorf/Wiednitz. Ein Straßenbauprojekt, das noch gar keines ist, hat am Donnerstag für einen proppenvollen Saal bei der Stadtratssitzung in Bernsdorf gesorgt. Viele Wiednitzer waren in den Ratssaal gekommen, um aus erster Hand zu erfahren, wie realistisch eigentlich die Verlegung der Staatsstraße 92 als weitere Ortsumfahrung in Bernsdorfs Norden und für Wiednitz ist. Catrin Würz

Seit im Sommer vor zwei Jahren die neugebaute Staatsstraße 94 als Ortsumfahrung für Straßgräbchen und Bernsdorf in Betrieb ging, hat Bürgermeister Harry Habel immer wieder erklärt: Die Straße ist zwar ein Segen für einen Teil der Einwohner, doch für einen anderen Teil - insbesondere für die Wiednitzer - bringt der an der B 97 endende Autobahnzubringer nichts. Nach wie vor quält sich eine enorm große Menge an Schwerlastverkehr auf der jetzigen S 92 über Wiednitz in Richtung Brandenburg und zur Autobahnauffahrt Ruhland. In Ruhland wird inzwischen an einer Bahnbrücke die Durchfahrtshöhe für Lkw angepasst. "Wenn die Brücke fertig und damit das Nadelöhr verschwunden ist, dann werden sich noch mehr und noch größere Laster durch unsere Orte wälzen", prognostizierte zum Beispiel Rico Sickert, stellvertretender Bürgermeister der Wiednitzer Nachbargemeinde Grünewald. Auch hinter der Landesgrenze wird dort für eine akzeptable Lösung für Orte wie Grünewald und Guteborn gekämpft.

Im sächsischen Bereich wird nun gefordert, die 2015 fertiggestellte S 94 weiter nach Nordwesten in Richtung Lauta bzw. Ruhland um die Ortschaften Bernsdorf und Wiednitz herum zu führen. Tatsächlich hat sich nach einigen Initiativ-Vorstößen von Betroffenen das Landesamt für Straßenbau und Verkehr Sachsen (Lasuv) mit dem Thema beschäftigt. Referatsleiter Lars Baumann stellte am Donnerstag eine Machbarkeitsstudie "Verlegung der S 92 bei Bernsdorf" vor. Die Überlegungen darin fußen auf einer erneuten Verkehrszählung, die im Januar 2017 in Bernsdorf durchgeführt wurde. "Die Ergebnisse bescheinigen ein erhebliches Verkehrsaufkommen mit beträchtlichem Schwerlastanteil", erklärte Baumann. Rund 4400 Fahrzeuge pro Tag sind auf der S 92, der Ortsverbindung zwischen Bernsdorf und Wiednitz, gezählt worden.

Bürgermeister Harry Habel erinnerte an die schweren, teils tödlichen Verkehrsunfälle mit Lkw, die sich an der Kreuzung in Richtung Wiednitz in den vergangenen Jahren gehäuft haben. Erschwert werde die Situation noch dadurch, dass es keinen Radweg an der Ortsverbindung gibt.

Lasuv-Mitarbeiter Lars Baumann skizzierte drei mögliche Varianten, wie eine neue S 92 geführt werden könnte. Eine 6,7 Kilometer lange Neubau-Trasse wurde nördlich von Bernsdorf durch den Forst und westlich von Wiednitz und Heide bis nach Grünewald gedacht. Allerdings müssten dafür ein früheres Kippengelände und ein Landschaftsschutzgebiet mit Quellbereichen gequert werden, was bereits ein Ausschlussgrund ist. Eine zweite Variante sieht vor, das Kippengelände zu vermeiden, indem die Trasse zwischen Wiednitz und Heide hindurchgeführt und noch auf sächsichem Terrain an die alte S 92 angeschlossen wird. Für diese, sechs Kilometer lange Variante, hat das Landesamt Kosten in Höhe von 17 Millionen Euro errechnet. Eine dritte Variante geht davon aus, nur das Bernsdorfer Siedlungsgebiet zu umfahren und noch vor Wiednitz wieder auf die alte S 92 einzuschwenken.

Alle drei Varianten sind bislang allerdings nichts weiter als ein Gedankenspiel. "Es gibt keinerlei Planungsaufträge und das Projekt spielt im Landesverkehrsplan 2025 noch absolut keine Rolle", erklärte Lars Baumann. Selbst wenn der Straßenneubau irgendwann gewollt und beschlossen ist, würde eine Umsetzung keinesfalls vor zehn bis 15 Jahren erfolgen.

Mehrere Einwohner mahnten an, die neue Straßenanbindung nicht nur mit Blick auf die Autobahn in Ruhland zu betrachten. "Sollte nicht letztlich die Anbindung an die B 96 und B 169 in Richtung Senftenberg und Klettwitz im Blick sein?", fragte zum Beispiel Horst Schulze (Die Linke).

Mit einer schnellen Lösung können Wiednitz und Bernsdorf nun also nicht rechnen. Lasuv-Mitarbeiter Lars Baumann versprach zumindest, alle weitergehenden Überlegungen wieder in Bernsdorf vorzustellen.