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| 19:43 Uhr

Von wegen dreispurig
Debatte in Hoyerswerda: „Flickschusterei“ statt B 97-Ausbau

Wirtschafts-Staatssekretär Stefan Brangs (2.v.r.) hat zur Diskussionsrunde über die Verbesserung der Infrastruktur in das Neue Rathaus eingeladen. Vor Ort war auch Hoyerswerdas Oberbürgermeister Stefan Skora (r.).
Wirtschafts-Staatssekretär Stefan Brangs (2.v.r.) hat zur Diskussionsrunde über die Verbesserung der Infrastruktur in das Neue Rathaus eingeladen. Vor Ort war auch Hoyerswerdas Oberbürgermeister Stefan Skora (r.). FOTO: LR / Anja Hummel
Hoyerswerda. Ernüchterung über Hoyerswerdas Anbindung an die Landeshauptstadt: Die B 97 soll zweispurig bleiben. Von Anja Hummel

Wer von Hoyerswerda nach Dresden fährt und umgekehrt – egal ob mit eigenem Wagen oder öffentlichem Verkehrsmittel – braucht Geduld, Zeit, starke Nerven. Da sind sich alle einig, die an jenem Abend im Neuen Rathaus sitzen, um gemeinsam mit dem sächsischen Wirtschafts-Staatssekretär Stefan Brangs über die infrastrukturelle Zukunft Hoyerswerdas zu sprechen. Von „Hickhack“ auf der Straße ist die Rede sowie von „Hungerstrecken“ auf den Schienen. Auch das Wort „Flickschusterei“ wird in die Runde geworfen.

Etwa 40 Leute, einschließlich Hoyerswerdas Oberbürgermeister Stefan Skora, beteiligen sich an der Debatte um Hoyerswerdas Anbindung. Dazu eingeladen hat Stefan Brangs, der selber im Landkreis Bautzen zu Hause ist. „Die Erreichbarkeit der Region ist von ganz elementarer Bedeutung“, so der SPD-Politiker. Erreichbar ist die Region über die Bundesstraßen 96 und 97, über Eisenbahn- und Busverkehr. In manchem Falle eher schlecht als recht. Dass eine wettbewerbsfähige Wirtschaft etwas mit Verkehrsinfrastruktur zu tun hat, mag in dieser Runde allen bewusst zu sein.

Vor Ort ist auch Andreas Biesold, der als Leiter des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) in der Niederlassungsstelle Bautzen allerhand aktuelle und bevorstehende Baumaßnahmen präsentiert. Fahrbahnerneuerung in Schwepnitz, Fahrbahnerneuerung in Großgrabe, Fahrbahnerneuerung in Laußnitz. Immerhin 70 Millionen Euro umfassen all die Maßnahmen entlang der Bundesstraßen 96 und 97. „Eine Summe, die sich sehen lassen kann“, findet Brangs. Ein Großteil davon aber fließt einzig in den Autobahnanschluss Ottendorf-Okrilla. Nach langem Referat folgt die spannende, wohl aber sehr ernüchternde Erkenntnis von Lasuv-Leiter Biesold: „Es wird keine Kapazitätserweiterung der B 97 geben. Das ist aus rechtlichen Gründen nicht möglich.“

Heißt: Kein dreispuriger, geschweige denn vierspuriger Ausbau der Bundesstraße gen Dresden in Sicht. Schuld daran: die Prognosezahlen. Etwa 8000 Fahrzeuge passieren die Strecke täglich. Für einen mehrstreifigen Ausbau müssen es mindestens 15 000 sein. „Die Gesetzeslage ist so“, betont Biesold, wenn auch mit Bedauern. Raunen im Rathaus. Oberbürgermeister Stefan Skora spricht von einem „Knackpunkt“. Die Zahlen mögen richtig sein, „aber wir gehen davon aus, dass sich die Region entwickelt“. Also könne die Planung nicht nach diesen Zahlen erfolgen. Als „Flickschusterei“ bezeichnet Ralf Haenel (Die Linke) die Maßnahmen rund um Hoyerswerda. Ausweichstellen müssten auf der B 97 geschaffen werden, „so wie auf der Strecke nach Cottbus“. Dort sei man mittlerweile schneller als in Dresden. Überhaupt schielen viele der Debattierer neidisch über die Landesgrenze. „Ich glaube nicht, dass die Zahlen in Brandenburg anders sind“, äußert sich Stadtrat Jens Retschke (CDU). Trotzdem aber würde es im Nachbarbundesland mit dem Straßenausbau funktionieren. Stefan Brangs sichert zu, nach den Planungsgrundlagen in Brandenburg zu schauen. Was aus den Besucherreihen außerdem zu hören ist: Auch der Anschluss an die öffentlichen Verkehrsmittel sei ernüchternd. Bis nach Leipzig verhungere man auf der Strecke, von der Schienenanbindung nach Dresden ganz zu schweigen. Eine lukrative Prognose sieht anders aus.

Was Stefan Brangs dazu sagt: „Wir müssen über Alternativen für den Ausbau der B 97 nachdenken.“ Die Anbindung an die Landeshauptstadt sei ein wichtiger Ansatz, Bus und Bahn dürfen nicht außer Acht gelassen werden. Das Problem:  unterschiedliche Zweckverbände, unterschiedliche Tarife. „Wir müssen uns endlich von diesen Pseudogrenzen auf der Landkarte verabschieden, dann läuft der Nahverkehr besser“, fordert Brangs. Er spricht von Dachtarif, Digitalisierung, Bezahlbarkeit. Die sächsischen Zweckverbände müssten ein gemeinsames Interesse verfolgen, eine Einigung stehe noch aus. Wofür der Staatssekretär außerdem plädiert: „Wir brauchen Fürsprecher, Bundesministerien, Interessensverbände für unsere Region.“ Auch Stefan Skora sagt: „Wir werden den politisch gewollten Strukturwandel nicht alleine schaffen.“ Brangs will „die Stimmung mitnehmen“. Was er wann zurückbringt, wird sich zeigen.