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| 14:19 Uhr

Ertntedank
Viel Apfelmus, zähe Karpfen und mal wieder Blätterhonig

Die dreijährige Sophia dreht mit Hilfe von Martin Winzer fleißig an der „Flotten Lotte“, um die gekochten Apfelstücke in Apfelmus zu verwandeln.
Die dreijährige Sophia dreht mit Hilfe von Martin Winzer fleißig an der „Flotten Lotte“, um die gekochten Apfelstücke in Apfelmus zu verwandeln. FOTO: Anja Guhlan
Schwarzkollm. Der Herbstmarkt in Schwarzkollm als Erntedankfest erinnert daran, dass gerade in dem zurückliegenden Hitzejahr nichts selbstverständlich ist. Von Anja Guhlan

Für Landwirte und Christen steht der erste Oktobersonntag traditionell im Zeichen des Erntedanks. An der Krabatmühle in Schwarzkollm ist an diesem Tag ein Herbstmarkt mit regionalen Produkten angesagt. Doch ein großes Erntedankfest ist in diesem  Hitzejahr wohl nicht zu erwarten, oder etwa doch?

„In diesem Jahr der Trockenheit begehen wir Erntedank mit gemischten Gefühlen“, sagt Eolola Rehberger vom Bienenhof Regina aus Cunnewitz. „Die Natur hat unter der Dürre sehr gelitten. Auch Bienen arbeiten bei über 37 Grad Celsius nicht mehr wirklich“, weiß sie. Dementsprechend sind einige Honigsorten wie der Akazien- und Lindenblütenhonig nicht sehr ertragreich. „Dafür haben wir seit etlichen Jahren mal wieder Blatthonig im Angebot. Da die Blätter bei der Hitze schwitzen, konnten Bienen ihren Nektar von dort beziehen. Das kommt eher selten vor“, schildert Gregor Scholze vom Bienenhof.

Auch bei Marion Frenzel von Marions Marmeladenladen aus Radibor herrscht Zwiespältigkeit, was den Erntedank betrifft: „Aronia konnte ich in diesem Jahr übermäßig viel ernten, dafür sind unter anderem die Erdbeeren schlechter ausgefallen“, resümiert Frenzel. So fallen in dieser Saison eben die Erdbeermarmeladen in den Gläsern weniger aus.

Auch Bernd Petau aus Stolpen, der Sanddorn-Produkte vertreibt, ahnt für das kommende Jahr nichts Gutes. „Ich befürchte, dass die Preise für Sanddornprodukte nächstes Jahr in die Höhe schnellen, da die Ernte in diesem Jahr viel schlechter ausgefallen ist.“

Bei Markus Stecher von der Teichwirtschaft Weißig fällt das Fazit der Ernte am dramatischsten aus. „Unsere Teiche liegen trocken. Wenn nicht bald ergiebiger Regen kommt, wird das ein Aus im nächsten Jahr bedeuten“, schildert der Betriebsleiter. Schon jetzt hat die Teichwirtschaft mit erheblichen Verlusten zu kämpfen. „Der Karpfen hält sich momentan noch am besten, der ist zäh“, erklärt er.  Doch ohne großes Jammern bietet er auf dem Markt seine Ware an. Unter dem Strich sind die meisten Händler und Produzenten dankbar und zufrieden. Schließlich dürfe man regionale Produkte nicht für selbstverständlich ansehen, sagen viele.

Einige wie der Spohlaer Heimatverein nutzen den Markttag auch zur Verbraucheraufklärung. So können Kinder unter anderem am  Stand des Heimatvereins ihren eigenen Apfelmus produzieren. „Vor allem Jüngere sollen altes Handwerk kennenlernen, dazu gehört auch das Herstellen von Apfelmus“, sagt der Vorsitzende Martin Winzer.

Denn viele Jüngere kennen den Apfelmus meist nur fertig aus dem Glas aus dem Supermarkt. So probiert sich die dreijährige Sophia im Herstellen von Apfelmus aus. „Ich esse sehr gerne Äpfel und Apfelmus“, sagt das Mädchen.

Martin Winzer erklärt ihr, dass die gepflückten Äpfel vom Baum  erst geschält und klein geschnitten werden. Dann werden die Stücke im Wasser gekocht und schließlich in der „Flotten Lotte“ fein zu Mus püriert.

Sophia möchte selber an der „Flotten Lotte“ drehen. „Das ist aber schwer“, kommentiert sie, als sie beginnt zu drehen und bekommt sofort Unterstützung. Am Ende ist sie überglücklich, ihr eigens Glas Apfelmus in den Händen zu halten. „Kinder können nicht früh genug die alten Handwerksschritte lernen“, ist Martin Winzer überzeugt.