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Erinnerung an wechselhafte Geschichte

Hans Klecker in Neuwiese mit vielen jungen sorbischen Trachtenträgerinnen.
Hans Klecker in Neuwiese mit vielen jungen sorbischen Trachtenträgerinnen. FOTO: Reinhard Hoffmann/rhf1
Bautzen/Görlitz. Der "Tag der Oberlausitz" in den Landkreisen Görlitz und Bautzen und im polnischen Teil der Oberlausitz wurde erstmals im Jahr 2014 begangen. Das Kuratorium Einige Oberlausitz und das Bürgerforum Oberlausitz hatten den Tag als Aktions- und Gedenktag initiiert. Reinhard Hoffmann / rhf1

Das Organisationsteam um Mitinitiator Hans Klecker hat viele Vereine, Gewerbetreibende und Kommunen inspiriert, den Gedanken an die Oberlausitz zu pflegen und zu vertiefen, manchenorts auch erst aufleben zu lassen.

Die unterschiedliche historische, politische und kulturelle Entwicklung hat die Menschen sehr unterschiedlich geprägt. Die Region Hoyerswerda gehörte über viele Jahrhunderte zur Oberlausitz. Mal waren die Hoyerswerdaer Nebenland der Böhmischen Krone, meistens auch Sachsen, aber sie waren auch Preußen und Schlesier. Grenzregion waren sie meist und die Niederlausitz immer nahe.

Prägend war ihre Zeit im Energiebezirk Cottbus. Der Bergbau hat traditionelle Strukturen unwiederbringlich verändert und Tausende neue Bewohner ins Land gebracht.

Die nachhaltigste Spaltung der Oberlausitz war jedoch durch den Wiener Friedensvertrag im Mai 1815 erfolgt. Weite Teile Sachsens und der Oberlausitz gingen per "Friedenstraktat" an Preußen.

Der Oberlausitztag wird am 21. August begangen, dem Tag, als sich 1346 die Städte Görlitz, Bautzen, Kamenz, Löbau und Lauban zum Sechsstädtebund zusammenschlossen. Diese hatten 1353 Kaiser Karl IV. Geld geliehen, um Hoyerswerda für die böhmische Krone zu erhalten. Aber weil die Hoyerswerdschen schon immer ihr Ding machen wollten und dem vom Papst gebannten König die Treue hielten, zerstörten die Landsknechte dieser Städte im Jahr 1468 die Festung. Heute wird die Region zwar wieder von Bautzen regiert, aber der Norden der Oberlausitz fühlt sich eher dem Lausitzer Seenland zugehörig und wird dafür von Dresden und Potsdam gefördert.

Die Mehrzahl der Veranstaltungen zum Festtag und den Wochenenden davor und danach liegt im Gebiet der sechs Städte, aber auch um Weißwasser. Die Veranstaltungen sind so vielfältig wie das Vereinsleben und reichen von Fuß-, Beach- und Volleyball, über Pferde-, Skat- und Schachwettkämpfe, Sonderfahrten der Parkeisenbahn Bad Muskau, Radtouren durch die Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft bis zu Puppentheater, Wanderungen auf alten Pascherwegen und Volks- und Dorffesten.

Auch im nördlichsten Teil der Oberlausitz haben Menschen zusammengefunden, um die Oberlausitz zu feiern. Pfarrer Jörg Michel erinnert sich an einen vor zwei Jahren durchgeführten Oberlausitztag im King-Haus Hoyerswerda. Er sagt, dass durch die Fusion der ehemaligen evangelischen Kirche der schlesischen Oberlausitz, die westlich der Neiße und um Hoyerswerda bestand, mit der benachbarten evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg 2004 wieder Orientierungen nach Norden geschaffen wurden. Erstmals zum Event tritt auf der Jakubzburg am 25. August das Sorbische Nationalensemble mit einem Klangkonzert auf.

In Königswartha führt der Heimatverein RAK eine heimatkundliche Wanderung in Wartha mit zehn Stationen durch. Das Kloster St. Marienstern widmet dem Oberlausitztag einen Kräutersonntag mit ökumenischer Andacht.

Zu den aktivsten Gestaltern des Tages gehört der Heimatverein Königsbrück und Umgebung 2017 gibt es den Vortrag "Als die Glocken ins Feld zogen". Dabei wird an die Beschlagnahme von Kirchenglocken erinnert, aus denen Kanonen gegossen wurden. Es gibt derzeit 113 geplante Veranstaltungen, die sich in den unterschiedlichsten Formen dem Tag der Oberlausitz widmen. 2016 waren hatten 106 Veranstaltungen fast 19 000 Besucher. Weitere Informationen

www.hans-klecker.de/

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