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| 21:11 Uhr

Hoyerswerda
Erinnerung an den Anfang einer neuen Stadt

Klaus Richter steht vor dem Wohnhaus an der Otto-Damerau-Straße, das als das erste der Hoyerswerdaer Neustadt gilt. Hier soll künftig eine Gedenktafel auf die Grundsteinlegung von 1957 hinweisen. Foto rechts: Der Komplex I ist dazumal als Idealbild für modernes Wohnen errichtet worden: mit Einkaufshof und Kunstwerken. Im Hintergrund ist der geschichtsträchtige erste Wohnblock zu sehen, wo vor 61 Jahren der Grundstein gelegt wurde.
Klaus Richter steht vor dem Wohnhaus an der Otto-Damerau-Straße, das als das erste der Hoyerswerdaer Neustadt gilt. Hier soll künftig eine Gedenktafel auf die Grundsteinlegung von 1957 hinweisen. Foto rechts: Der Komplex I ist dazumal als Idealbild für modernes Wohnen errichtet worden: mit Einkaufshof und Kunstwerken. Im Hintergrund ist der geschichtsträchtige erste Wohnblock zu sehen, wo vor 61 Jahren der Grundstein gelegt wurde. FOTO: LR / Catrin Würz
Hoyerswerda. Nachdem das Jubiläum voriges Jahr ausfiel, hat Klaus Richter nun die Initiative ergriffen. Von Catrin Würz

Die Zahl ist sperrig und weiß Gott kein runder Jahrestag: Ziemlich genau 61 Jahre ist es nämlich her, dass im Ackersand vor den Toren des damaligen KleinStädtchens Hoyerswerda der Grundstein für eine ganz neue, komplett am Reißbrett entworfene Stadt gesetzt wurde. „Für eine Stadt, wie es sie bis dahin noch nicht gab. Mit Zentralheizung für alle Wohnungen und mit je einer Schule, einem Kindergarten, einer Kaufhalle und einer Gaststätte in jedem Wohnkomplex“, betont Klaus Richter. Der heute 83-jährige Architekt gehörte nach seinem Studium an der TU Dresden ab 1960 zum Aufbaustab für die neue sozialistische Wohnstadt Hoyerswerda, die für die Kohlekumpel und Techniker im Gaskombinat eine neue, moderne Heimat werden sollte. Und das wurde sie dann ja auch.

Im Juni 1957 nahm das also seinen symbolischen Anfang. Am Wohnhaus in der heutigen Otto-Damerau-Straße 2-10 im WK I wurde dazumal der symbolische Grundstein für diese Neustadt der Bergarbeiterl gelegt. „Damals wurde das Haus noch als Block 103 des ersten Wohnkomplexes bezeichnet“, kennt Klaus Richter die Details. Im vergangenen Jahr hätte Hoyerswerda also „60 Jahre Neustadt“ feiern können. Das Gründungsjubiläum fiel allerdings aus und fand kaum eine Erwähnung. Das hat Klaus Richter mächtig geärgert: Habe doch die Neustadt und ihre Entstehungsgeschichte für viele Menschen in der Stadt und für die Baugeschichte sowieso „eine historische Dimension“, sagt der Senior. Deshalb hat Klaus Richter nun zum 61. Jahrestag eine Erinnerung auf eigene Faust ins Rollen gebracht - und sich Unterstützung beim heutigen Hausherren des Wohnblockes geholt: bei der Wohnungsgesellschaft Hoyerswerda und ihrem Geschäftsführer Steffen Markgraf.

Am 15.Juni soll dort, wo vor genau 61 Jahren die Blechkassette mit den Insignien der Zeitgeschichte des Jahres 1957 in den Beton-Grundstein eingelassen wurde, eine Gedenktafel an diesen historischen Moment erinnern. Sie wird am kommenden Freitagmorgen am Eingang des Hauses Nummer 10 angeschraubt. Vier kleine Löcher mit Dübeln sind schon gebohrt.

Diese Erinnerungstafel ist übrigens nicht die erste, die Klaus Richter an geschichtsträchtigen Wohnhäusern im WK I initiiert hat. Erst vor ein paar Wochen kam in der Konrad-Zuse-Straße 9 eine andere Gedenktafel an die Wand. An eine besonders historische Wand! Denn der Block an der heutigen Zuse-Straße gilt als erster Plattenbau aus industrieller Fertigung in der gesamten Hoyerswerdaer Neustadt. Die erste Betonplatte wurde am 2. Mai 1957 im Erdgeschoss des Wohnhauses aufgestellt. Das Betonwerk, in dem die Platten für den schnellen, industriellen Wohnungsbau produziert wurden, war da erst wenige Wochen zuvor fertig geworden. Die damaligen Bauherren hatten mit der Plattenbauweise Neuland betreten und wollten die Sache offenbar erst mal beobachten. Kaum anders ist es wohl zu erklären, dass nicht dieser Block für die symbolische Neustadt-Grundsteinlegung ausgewählt wurde, sondern das in Blockbauweise begonnene Wohnhaus an der heutigen Dameraustraße.

„Ich will ja nur, dass die baugeschichtliche Bedeutung der Neustadt nicht ganz in Vergessenheit gerät“, sagt Klaus Richter. Deshalb hat er jetzt den „unspektakulären“ 61. Jahrestag genutzt, um seine Gedenktafel-Idee zu realisieren. Ob dies eigentlich nicht andere in der Stadt hätten tun müssen, „sei mal dahin gestellt“. Der 83-Jährige glaubt jedenfalls: Zur 750-Jahr-Feier in Hoyerswerda darf die Neustadt nicht nur eine Randnotiz sein.