Ein Erfolgsprojekt ist nach vier Jahren in Hoyerswerda zu Ende gegangen. Von 2015 bis 2019 kamen im Rahmen der "Grenzgänge - Hoyerswerdaer Gespräche" über 20 Autoren, Übersetzer und Filmemacher aus verschiedenen europäischen Ländern zum Dialog in die Stadt. Der Berliner Hörfunkjournalist Mirko Schwanitz interviewte sie alle.

Wie der Kunstvereinsvorsitzende Martin Schmidt berichtet, hatte die ungewöhnlich lange Projektdauer mit einer Anfrage der Stiftung zu tun, ob auch Veranstaltungen mit Schülern möglich wären. Er informierte das Foucault-, das Lessing-Gymnasium und die Christliche Schule Johanneum, die diese ungewöhnliche Möglichkeit der Wissensvermittlung für ihre Schüler offenbar gern nutzten.

Zum Abschluss gestalteten die Slowakin Eva Gruberova und ihr Mann Helmut Zeller vor Neuntklässlern im Johanneum und abends im Schloss die vorerst letzte Veranstaltung. Die Journalisten stellten ihr Buch "Taxi zum Shabbat" vor, das das jüdische Leben in sieben osteuropäischen Ländern beleuchtet.

"Vor dem zweiten Weltkrieg war Polen das Herz der Diaspora in Osteuropa", erzählte Eva Gruberova den Gymnasiasten. Der Holocaust löschte jüdisches Leben in dem Land und in Deutschland fast ganz aus. Heute interessieren sich wieder junge Polen für diesen Teil ihrer Geschichte. Die Regierungspartei PiS lasse sie gewähren, ignoriere aber, dass es Antisemitismus im Land gebe, erklärte Eva Gruberova.

Die Schüler des Johanneums beeindruckten die Gäste mit gutem Schulwissen zum Judentum. Auch Konzentrationslager haben sie schon besucht. Teils kennen sie antisemitisches und rechtsextremes Verhalten aus ihrem Umfeld außerhalb der Schule. Deswegen wurde auch darüber diskutiert, warum jemand Juden, Muslime oder andere Menschengruppen überhaupt ausgrenzt. Vorurteile und Gruppendruck wurden im Gespräch mit Eva Gruberova und Helmut Zeller als Ursachen erkannt. So gelte es, vorm Handeln zuerst die eigene Haltung zum Thema zu überprüfen, lautete die Botschaft.

Die Robert-Bosch-Stiftung unterstützte die fast 50 Lesungen finanziell. Die Organisation übernahm der Kunstverein. Um auch weiterhin Lesungen für Schüler zu organisieren, wird nun ein neuer Finanzier gebraucht.