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| 16:51 Uhr

Männergesundheit in Hoyerswerda
Wenn das Testosteron sinkt

Am Lausitz Klinikum kümmert man sich um die Männergesundheit. Denn auch Herren kommen in die Wechseljahre. Gegen Erektionsstörungen hilft Beckenbodengymnastik. Doch nicht immer ist der Grund organischer Natur. Von Rita Seyfert

Bei manchen sinkt die Lust früher, bei anderen später. Männerarzt Dr. Kim Christian Heronimus (41) vom Lausitz Klinikum kennt das Dilemma seiner Patienten. „Acht von zehn klagen über Erektionsstörungen“, sagt er. Ab 20 aufwärts ist jede Altersstufe betroffen. Dabei empfindet jeder Mann sein Problem anders.

„Ich habe schon 70-Jährige behandelt, die sehr darunter litten, dass es nur noch zweimal pro Woche klappt“, erzählt Dr. Heronimus.

Als Dermatologe mit einer Ausbildung in Männerheilkunde, auch Andrologie genannt, behandelt er neben Haarausfall oder unterdrücktem Kinderwunsch vor allem Potenzprobleme - laut Expertenmeinung ein frühes Warnsignal.

Erektionsstörungen und Herz-Kreislauf-Probleme hängen oft zusammen

Häufig gehen Erektionsstörungen und Herz-Kreislauf-Probleme Hand in Hand. „Erektionsstörungen sind mitunter der Schuss vor den Bug“, bestätigt Dr. Heronimus. Oft stecken Durchblutungsstörungen dahinter, die als Anzeichen einer Arterienverkalkung das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erhöhen.

Ob Penis oder Herz, das Risiko zu erkranken steigt, wenn ein ungesunder Lebensstil vorliegt. Wie eine Studie anlässlich der Internationalen Woche der Männergesundheit ergab, gehören Herzerkrankungen, Bluthochdruck, Übergewicht und Diabetes zu den am stärksten verbreitetsten Gesundheitsproblemen unter Männern.

In Bremen, Hamburg und Bayern leben die gesündesten Männer. Den schlechtesten Gesundheitszustand weisen die Herren aus Sachsen-Anhalt auf. Sachsen rangiert im Mittelfeld.

Bei Erektionsstörungen sitzt die Blockade meist im Kopf

Doch nicht immer ist der Grund für die Erektionsstörungen organischer Natur. Vor Männerarzt Dr. Heronimus saßen auch schon 20-Jährige, bei denen gar nichts mehr ging. Wie Beispiele aus der Praxis zeigen, sitzt die Blockade meist im Kopf. „Die Vorstellung, Männer funktionieren wie Automaten, in die man oben was rein steckt, damit unten was heraus kommt, ist ein Trugschluss.“

An einen Fall kann sich Dr. Heronimus noch gut erinnern: Er, das Abitur frisch in der Tasche, organisch kerngesund, aber sexuell unerfahren, bekommt keinen hoch. Bei näherem Hinsehen wird die Ursache schnell klar. Denn seine Freundin, eine 40-jährige Rechtsanwältin mit Top-Verdienst, zahlreichen Liebschaften und nun gespannt auf ihren neuen Toyboy, brachte ihren Adonis ungewollt ins Schwitzen.

„Für den jungen Mann war der Druck enorm“, sagt Dr. Heronimus. Der Arzt gab ihm einmal eine blaue Tablette, die den Schalter umlegte - und dann klappte es auf einmal wieder.

Auch Männer kommen in die Wechseljahre

Doch so einfach ist es nicht immer. Denn auch Männer werden älter und kommen in die Wechseljahre. Dass mit dem Klimakterium ab 40 auch die Libido sinkt, stört die Männer selbst meistens weniger.

„Oft ist die Gattin die treibende Kraft, wenn der Mann in der Sprechstunde erscheint“, berichtet Dr. Heronimus. Viele Jahre leitete er die andrologische Sprechstunde im Vivantes Klinikum in Berlin-Friedrichshain, bevor er 2017 als Chefarzt der Dermatologie am Klinikum in Hoyerswerda begann.

Damit die Lust im Schlafzimmer wieder steigt, empfiehlt Dr. Heronimus seinen männlichen Patienten eine mediterrane Ernährung. Neben Gemüse, Pasta, Kräutern, Tomaten und Olivenöl sollte vor allem Fisch wegen seiner Omega-Fettsäuren auf dem Speisezettel stehen.

Auch ausreichend Bewegung sei wichtig, damit das Blut in Wallung kommt. Heißt, mindestens tausend Schritte pro Tag laufen oder eine Stunde die Hüften beim schnellen Tanzen schwingen. „Am besten zum Boogie-Woogie“, so der Arzt.

Beckenbodengymnastik steigert die Erektionshäufigkeit

Man(n) kann aber noch mehr tun. Damit die Lust wieder zunimmt, empfiehlt Dr. Heronimus Beckenbodengymnastik. „Zumindest in Berlin kamen die Kurse sehr gut an.“ Das Training der unteren Beckenbodenmuskulatur fördert die Durchblutung und steigert die Erektionshäufigkeit.

Die gute Nachricht: Auch Hoyerswerda hat bereits Beckenboden-Kurse im Programm, zum Beispiel in der Hoy-Reha, der Tagesklinik für Rehabilitation und Prävention direkt neben dem Klinikum. Gesundheitsberaterin Daniela Kölling (33): „Einmal pro Quartal bieten wir einen Beckenboden-Kurs speziell für Männer an“, bestätigt sie.

Urologen, Endokrinologen und Dermatologen mit Schwerpunkt Andrologie verschreiben den Beckenboden-Sport auf Rezept. Teils übernehmen die Krankenkassen die Kosten. Ab 16. Juli kann man sich für Oktober anmelden. Die Kurse starten ab fünf Personen. Zu den Indikationen zählen neben Potenzproblemen auch Harninkontinenz. Die Teilnehmer profitieren von einer besseren Körperwahrnehmung, aber auch der Erkenntnis, dass sie nicht allein mit ihrem Problem sind.

 Er kennt die Sorgen der Männer: Dr. Kim Christian Heronimus (41), Chefarzt der Klinik für Dermatologie am Klinikum in Hoyerswerda.
Er kennt die Sorgen der Männer: Dr. Kim Christian Heronimus (41), Chefarzt der Klinik für Dermatologie am Klinikum in Hoyerswerda. FOTO: LR / Rita Seyfert