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Erdrutsch: Lkw-Fahrer aus der Luft gerettet

Die versunkenen Lkw im ehemaligen Tagebau Spreetal bei Hoyerswerda
Die versunkenen Lkw im ehemaligen Tagebau Spreetal bei Hoyerswerda FOTO: ADAC-Luftrettungs GmbH
Bergen/Senftenberg. Der großflächige Erdrutsch im ehemaligen Tagebau Spreetal bei Hoyerswerda (Kreis Bautzen) am Dienstag war dramatischer als zunächst angenommen: Ein Lkw-Fahrer war mit seinem Fahrzeug in die Erdmassen geraten und zeitweise vollständig versunken. Er konnte nur noch von einem ADAC-Hubschrauber gerettet werden. Bei der riesigen Rutschung auf 1,8 Kilometer Länge starben 84 Schafe. pm/boc

Die Leitstelle Lausitz alarmierte am Dienstagnachmittag nach Angaben des Klinikums Niederlausitz den Rettungshubschraubers Christoph 33 am Standort der ADAC-Luftrettung in Senftenberg für einen Einsatz. Fünf Lkw, die Erdmassen transportierten, wurden von dem sogenannten Grundbruch überrascht. Das Gelände der Deponie war komplett in sich zusammengerutscht und hatte mehrere LKWs unter sich begraben. Es entstand ein großer See aus Wasser, Schlamm und Erdmassen. Ein LKW war nach Angaben des Hubschrauber-Piloten zeitweise vollständig versunken, kam aber wieder an die Oberfläche zurück und lag mit Erdmassen begraben auf der Seite. "Der Fahrer des LKW rettete sich auf das Dach seines Fahrzeuges.“ schildert Reiner Langer, Pilot des ADAC-Rettungshubschraubers, seinen Eindruck aus der Luft.

Die Rettungskräfte am Boden kamen nicht an den Fahrer heran, da die Erdmassen immer wieder in Bewegung gerieten. „Alle anderen waren machtlos. So entschieden wir zunächst mit dem Hubschrauber am Ufer zu landen und alles für die Rettung aus der Luft vorzubereiten. Dazu musste ein Sitz ausgebaut werden und ein Besatzungsmitglied wurde mit einer speziellen Ausrüstung für die Bergung aus der Luft ausgestattet“, erzählt Claudia Wagner, Ärztin der Klinik für Anästhesie, Intensiv- und Schmerztherapie im Klinikum Niederlausitz.

Der Rettungsassistent René Märten stieg laut dem Klinikum auf die rechte Kufe des Hubschraubers und der Pilot steuerte dann das Fluggerät seitlich an den halbversunkenen LKW heran. Der Assistent zog den LKW-Fahrer in den Rettungshubschrauber hinein. „So schnell habe ich noch nie einen Patienten in einen Hubschrauber einsteigen sehen.“ sagt Pilot Langer, der sich sicher ist, das der LKW-Fahrer Angst um sein Leben hatte. Bei dem Rettungsassistent waren er aber in guten Händen, da René Märten solche Einsätze bereits regelmäßig trainiert hat.

Der 50-jährige LKW-Fahrer aus Bautzen wurde nach der Rettungsaktion mit einem Rettungswagen ins Lausitzer Seenland Klinikum nach Hoyerswerda gebracht. Der Patient stand unter Schock, aber außer Schnittverletzungen an zwei Fingern durch die Befreiungsaktion aus dem LKW sowie einer leichten Unterkühlung hatte er keine weiteren Verletzungen erlitten, teilte das Klinikum mit. Bereits am Mittwoch konnte er das Krankenhaus wieder verlassen.

Die ausgelöste Flutwelle riss allerdings mindestens 84 Schafe mit sich. Wie das Sächsische Wirtschaftsministerium mitteilt, senkte sich gegen 14 Uhr das Erdreich auf einer Fläche von rund 1,8 Kilometern Länge und 600 Metern Breite in den Spreetaler Feldern ab.