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| 01:31 Uhr

Erdapfel-Strip zum Hoffest in Schwarzkollm

Wer schafft es, das längste Stück Schale von der Kartoffel zu schälen? Foto: Anja Wallner
Wer schafft es, das längste Stück Schale von der Kartoffel zu schälen? Foto: Anja Wallner FOTO: Anja Wallner
Schwarzkollm. Ein gemütliches Weinlokal, ein Trapper-Quartier, eine Flaniermeile, einen Streichelzoo und jede Menge urige Biergärten, all das findet der Besucher in Schwarzkollm – zum Hoffest, das nach zwei Jahren am Samstag wieder in diesem Hoyerswerdaer Ortsteil veranstaltet wurde. Von Anja Wallner

Sieben Höfe und zahlreiche Vereine luden in ihre liebevoll zu bestimmten Themen hergerichteten Domizile ein.

Und wie es duftete! Auf dem Hof Wroblewski brutzelten Wurst und Fleisch aus eigener Schlachtung auf dem Grill. Benjamin Hilser aus Groitzsch bei Leipzig ließ die Gäste selbstgerührte Marmeladen und Chutneys kosten.

Im Hof Groba war zur Mittagszeit kein Sitzplatz mehr frei, standen die Gäste in langer Schlange am Rindfleisch-mit-Merrettich-Topf. In den Hof Domann war für einen Tag die Krabatmühle eingezogen. Dort zischte Kelle um Kelle Plinsenteig in die Pfannen. Töpfer Andreas Hegewald hatte zum ersten Mal seinen Garten nahe dem Dorfplatz zum Hoffest geöffnet und die K.R.A.H.Bar (Krabat, Rabe, Andreas, Hegewald) eingerichtet. Dort flossen munter Weine, Federweißer und - Premiere - Hoyerswerdaer Schlossbräu. Im Räucherofen hingen Forellen. Das Musiktrio "Peter, Steffen und Inge" aus Großräschen unterhielten die Gäste mit mittelalterlichen Weisen. Und überall kauten die Besucher voller Behagen. Rinder standen im Gehege auf der Dorfstraße, ebenso dicht umlagert von Kindern war der Streichelzoo mit Schafen und Ziegen vor dem Hof Fiß. Daneben saß ein Mann in bäuerlicher Kleidung, den Zigarillostumpen im Mundwinkel am Spinnrad. Ein Ponywagen drehte seine Runden - Dorfidylle pur.

Auf der Dorfstraße spazierten hunderte Besucher mit lächelnden Gesichtern entlang, dazwischen Ortsvorsteher Mirko Pink. "Es läuft gut an", meinte er zwei Stunden nach der Eröffnung. "Alle sind zufrieden."

Wer nach all den kulinarischen Genüssen, die jeder Hof bereithielt, etwas Bewegung brauchte, konnte bei Graupners "historisch" seine Kräfte messen, sprich Kiefernholz sägen. Sieger war, wer die dünnste Holzscheibe zustande brachte. Toni und Carolin Weist aus Schwarzkollm probierten das aus, begleitet von mehr oder weniger fachmännischen Kommentaren umherstehender Schaulustiger. Die beiden übten jedoch nicht für ihre Hochzeit, sie sind nämlich Geschwister. Was es zu gewinnen gab, wollte der Hausherr nicht verraten. Mit Holz dürfte es aber etwas zu tun gehabt haben. Schmeckerchen der ganz besonderen Art präsentierte der Jugendclub. Zum einen zog ihre Ausstellung alter Mopeds und Motorräder - MZ, Simson und Jawa - jede Menge fachsimpelnde (zumeist männliche) Besucher an.

"Die Maschinen fahren noch alle", informierte Christian Selge und machte auf ein paar besonders schöne aufmerksam: eine restaurierte MZ BK 350 von 1957, eine Jawa 350, eine AWO Sport mit Seitenwagen. Zum anderen veranstalteten die Jugendlichen die 1. Schwarzkollmer Bauernwettkämpfe, eine Riesengaudi für die zahlreichen Zuschauer, die die Dorfstraße säumten. Misthaufen wurden dabei zwar nicht umgesetzt, wie ursprünglich im Programm angekündigt, Mistkarren kamen aber dennoch zum Einsatz - bei Disziplinen, die da hießen "Mucki-Schau" (Maßkrugstemmen), "Mistabfuhr" (Schubkarrenrennen), "Erdapfel-Strip" (Kartoffeln schälen) "Stiefelschieben" (Gummistiefelweitwurf) und "Eierjagd" (Eierlaufen).

Vier Teams hatten sich dafür gemeldet, immer zwei traten gegeneinander an. Die Mannschaften trugen so klangvolle Namen wie "Die Zuchtbullen", "Die Bröthener geilen Hengste" oder "Die Hühner von der Stange". Da blieben die schlüpfrigen Sprüche nicht aus: "Die Hühner von der Stange zeigen den geilen Hengsten jetzt mal, was geht!", feuerte der Moderator die Teams an. Die Teilnehmer mussten die (rohen) Eier auf einem Löffel und später sich selbst gegenseitig in einer Mistkarre über einen kniffligen Parcours balancieren. Der war gespickt mit Schikanen wie Warnhütchen, Wippen und einer Bierzeltgarnitur. Unter dem Johlen der Zuschauer gingen einige Eier zu Bruch.

Lustig anzuschauen war auch, wie sich einige der hochgewachsenen jungen Männer unter dem niedrigen Biertisch durchhangelten. Etwas enttäuscht zeigten sich die Teilnehmer beim Maßkrugstemmen, denn die Gläser waren mit Wasser gefüllt. "Ich will mich doch nicht waschen!", murrte jemand. Die Premieren-Spiele entschieden schließlich die Gäste aus Bröthen für sich.