ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:40 Uhr

Erbgut-Entdecker und die weiße Wolke DNA

Im mobilen Forschungslabor im Bauch eines riesigen Trucks haben Schüler aus Hoyerswerda – wie hier Marie-Christin Aust - praktische Einblicke in die Biotechnologie bekommen.
Im mobilen Forschungslabor im Bauch eines riesigen Trucks haben Schüler aus Hoyerswerda – wie hier Marie-Christin Aust - praktische Einblicke in die Biotechnologie bekommen. FOTO: cw
Hoyerswerda. Das Abenteuer Forschung rollt für Schüler aus Hoyerswerda gestern in Form eines "ausklappbaren" doppelstöckigen Ausstellungs- und Experimentierbusses vor. Zwei Tage lang macht die mobile Erlebniswelt "BIOTechnikum" in Hoyerswerda Station. Sie gibt den jungen Besuchern Einblick in eine der wichtigsten Schlüsseltechnologien unserer Zeit. Catrin Würz

Biotechnologie? Was ist das eigentlich? Recht zögerlich sind die Antworten der Zehntklässler aus dem Lessing-Gymnasium auf diese Frage. So schnell will ihnen gar kein passendes Beispiel für die hochmoderne Hightech-Wissenschaft einfallen. Dabei ist die Biotechnologie heute längst vielfältig im Alltag eines jeden Menschen verankert. "Bei der Herstellung von Medikamenten, aber auch von Kunststoffen aus Bio-Rohstoffen, von Waschmitteln oder seit tausenden Jahren bei der Produktion von Käse aus Milch kommen die Prinzipien der Biotechnologie zur Anwendung", sagt Dr. Anne Wiekenberg. Die junge Biologin wird die 15- und 16-Jährigen aus Hoyerswerda im Anschluss ziemlich schnell für die Biotechnologie begeistern - und zwar mit einem Experiment: Dabei geht es darum, die DNA - den "Faden des Lebens", der die Erbinformation trägt - sichtbar zu machen. Über die DNA haben Jakob, Florian und Julius im Biologieunterricht schon viel gelernt. "Aber dass man das sehen kann, haben wir nicht gedacht", sind die drei Gymnasiasten begeistert.

Mit ihren weißen Labor-Kitteln, Präzisionspipetten zum Abmessen in Millilitern und mit den Anweisungen der Projektwissenschaftler Anne Wiekenberg und Tim Fechtner machen sie sich ans Werk: Von den in einer Flüssigkeit gezüchteten "Forschungsbakterien" werden mit Hilfe eines Enzyms die Zellwände aufgelöst. Wenn dann über chemische Reaktionen und mit Alkohol das Wasser aus diesen Zellen gebunden wird, bleibt die reine DNA des Bakteriums übrig. "Das fällt als weiße Wolke aus", erklärt die Wissenschaflterin. Bei Juliane Krautz und Marie-Christin Aust aus der 10b ist das Experiment super geglückt. Mit Ehrfurcht bestaunen sie das Bakterien-Erbmaterial. Über dieses praktische Experiment haben sie nun so einprägsam, wie es kaum eine Schulstunde schafft, einen Einblick, was Biotechnologie ist.

Seit neun Jahren schickt das Bundesministerium für Bildung und Forschung den "BIOTechnikum"-Truck quer durch die Lande, um für den Wissenschaftszweig Biotechnologie zu werben. Er ist Grundlage für mehrere innovative Wirtschaftsbranchen mit einem großen Bedarf an qualifizierten Fachkräften. Das Lausitzer Technologiezentrum (Lautech) hat den Forschungstruck im Rahmen seines 10. Zuse-Seminars auch genau deshalb nach Hoyerswerda eingeladen: "Wir wollen den Schülern aus Hoyerswerda Berufs- und Karrieremöglichkeiten aufzeigen, die sie vielleicht bis jetzt noch gar nicht auf dem Schirm haben", sagt Geschäftsführerin Kathrin Schlesinger. Das vom Lautech initiierte Zuse-Seminar für Schüler hat deshalb seit zwei Jahren ebenfalls die Biotechnologie im Plan.