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Entdeckungsreise in Hoyerswerda

Nicht nur die Skulptur "Abgrund" hat Dr. Cornelia Winkler, Referentin im Sächsischen Bildungsinstitut, in und um Hoyerswerda tief bewegt.
Nicht nur die Skulptur "Abgrund" hat Dr. Cornelia Winkler, Referentin im Sächsischen Bildungsinstitut, in und um Hoyerswerda tief bewegt. FOTO: Mandy Fürst/mft1
Hoyerswerda. Teambuilding im Lausitzer Seenland. Der alljährliche Gemeinschaftstag des Sächsischen Bildungsinstituts (SBI) führte Lehrerinnen und Lehrer aus ganz Sachsen nach Hoyerswerda. Mandy Fürst / mft1

Die Angebote der Stadt trafen voll den Nerv der Gäste.

In sich zusammen gesunken sitzt der Mann in seinem Rollstuhl. Er stützt sich auf den linken Arm. Nur dieser ist ihm geblieben. Der rechte Arm und beide Beine sind verloren. Der sowjetische Künstler Marat Ainekow schuf die Sandsteinplastik "Abgrund" im Jahr 1989 im Rahmen des 9. Bildhauersymposiums in Hoyerswerda. Nur zwei Jahre nach dem Entstehen der Skulptur zogen Menschen mit wenig Sinn für das Anderssein durch die Stadt. Von diesen Leuten und ihrem Lärm hatte Dr. Cornelia Winkler Kenntnis, bevor sie am Dienstag zum zweiten Mal nach Hoyerswerda kam. Die Einschulung ihres Patenkindes in eine integrative Einrichtung habe sie Anfang der 90er-Jahre einmal in die Stadt geführt, sagt die Sonderpädagogin und Fortbildungsreferentin des SBI. Von dem Mann im Rollstuhl wusste sie bis dato nichts.

Eigentlich erwarte sie eine Neustadtwüste aus Beton, gesteht Cornelia Winkler wenige Stunden zuvor mit Blick auf den Tag. Zu diesem Zeitpunkt sitzt sie mit ihren Kollegen auf der Terrasse des Leuchtturm am Geierswalder See. Die meisten sind mit dem Gemeinschaftsbus aus Dresden gekommen, manche im eigenen Pkw. In ihrem beruflichen Alltag beschäftigen sich die Lehrerinnen und Lehrer mit den Curricula der sächsischen Bildungsstätten, der Lehrerausbildung und überhaupt der Qualität von Schule im Freistaat. Das fröhliche Stelldichein am Leuchtturm aber ist der Auftakt zum jährlichen Gemeinschaftstag des Institutes. Ein dreiköpfiges Team hat die Exkursion organisiert. Angela Potowski gehört zu dem kleinen Kreis. Die Lehrerin vom Lessing-Gymnasium Hoyerswerda und Referentin für Medienbildung im SBI hatte die Idee für den Ausflug nach Hoyerswerda und fand in Stephan Fiedler einen engagierten Partner, der jedoch auch kein Risiko eingeht. "Ich war mit meiner Familie im Vorfeld hier. Wir haben uns alles angesehen und kamen zu dem Schluss, dass es sich lohnt, Hoyerswerda zu besuchen", sagt der Fortbildungsreferent. Im Gegensatz zum Mitbewerber - die Reise hätte auch ins Erzgebirge führen können - lägen die Hotspots hier dicht beieinander.

Natürlich ist eine Exkursion des SBI auch Bildungsreise. Nach dem morgendlichen Prolog am See begrüßt der Hoyerswerdaer Oberbürgermeister Stefan Skora die Gruppe im Sitzungssaal des Neuen Rathauses. Hoyerswerda bemühe sich stetig um die Belebung des Stadtgebietes und um die Verknüpfung von Alt- und Neustadt, berichtet Skora. Aus dieser Motivation heraus sei beispielsweise das im Januar eröffnete Zuse-Computer-Museum (ZCOM) an jenem Ort in der Neustadt platziert worden, an dem die Technik- und Computerfans aus dem SBI es später an diesem Tag besuchen. Auch die Krabatmühle in Schwarzkollm und ein Brigitte-Reimann-Spaziergang stehen steht auf dem Programm.

Und so steht Cornelia Winkler vor dem Mann im Rollstuhl und fühlt sich an ihre Doktorarbeit zum Thema Inklusion erinnert. Sie habe sich eine Betonwüste vorgestellt und einen gediegenen Spaziergang durch eine grüne Stadt mit unglaublich vielen Parks erlebt, sagt sie. Der Rundgang mit Uwe Proksch, dem Geschäftsführer der KuFa, habe Bau- und Kunstgeschichte historisch eingeordnet. Der begrünte Lausitz-Tower sei in ihren Augen äußeres Symbol der Bemühungen um das Stadtleben.