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Entdeckungsreise in der digitalen Welt

Programmierung leicht gemacht. Michael Frech und Wolfgang Kunde vom Konrad-Zuse-Forum Hoyerswerda erklären Sebastian Faust aus Bernsdorf, wie man den Stiftplotter mithilfe der Bausteine dazu bringt, das zu zeichnen, was man gerade möchte. Der Elfjährige findet im neuen ZCOM alles spannend.
Programmierung leicht gemacht. Michael Frech und Wolfgang Kunde vom Konrad-Zuse-Forum Hoyerswerda erklären Sebastian Faust aus Bernsdorf, wie man den Stiftplotter mithilfe der Bausteine dazu bringt, das zu zeichnen, was man gerade möchte. Der Elfjährige findet im neuen ZCOM alles spannend. FOTO: Mandy Fürst/mft1
Hoyerswerda. Seit Samstag ist das Zuse-Computer-Museum ZCOM in Hoyerswerda Teil der Lausitzer Museumslandschaft. Zum großen Museumsfest kamen unzählige Gäste jeden Alters mit gleichermaßen Neugier im Gepäck. Mandy Fürst / mft1

"Es ist so cool, in ein Museum eingeladen zu sein, in dem Informatik stattfindet", sagt Hannes Hinerasky. Der Informatik-Student von der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig und sein Fußball-Roboter "Helo" gehören zum Rahmenprogramm der Eröffnung des nagelneuen Zuse-Computer-Museums (ZCOM) in der Zuse-Stadt Hoyerswerda. Das Mensch-Maschine-Duo Helo-Hannes symbolisiert die Zukunft. Denn diese liege in der künstlichen Intelligenz, sagt Hannes Hinerasky. Genau dort, wo Maschinen Ideen haben werden.

Roboter begeistert Jung und Alt

Den Leitspruch "Wir lieben Ideen" hat sich Hoyerswerda längst zum Motto gemacht. Museumsleiterin Andrea Prittmann, ihre Mitarbeiter, der Verein "Konrad-Zuse-Forum Hoyerswerda" und viele weitere Unterstützer haben getreu dieses Mottos für die ersten Besucher ein ganzes Museumsfest organisiert. Dass die Augen der Grundschülerin Katharina Steuer beim Anblick des kleinen Roboterjungen Helo nicht weniger Begeisterung verraten als die der 67-jährigen Marita Oehme, lässt auf einen gelungenen, Generationen übergreifenden Auftakt schließen.

Eine für Alt und Jung greifbare Verknüpfung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sollte ein solches Technikmuseum leisten, meint Roland Huth. Es sollte nicht nur für Erwachsene erkennbar sein, was man mit der Ausstellung sagen möchte und was man mit dem Wissen machen kann, findet der Stadtangestellte im Bereich Jugendarbeit und Kultur. Genau da müsse die Museumspädagogik ansetzen. Die parallel laufende Umgestaltung des Stadtmuseums hin zu mehr Interaktivität sei ein zweites Beispiel für ein modernes Museumskonzept in Hoyerswerda. Aus der anfänglichen Begeisterung eine langfristige Belebung zu entwickeln, brauche hier wie da Zeit und Personal, betont Huth. Die Sache sei den Aufwand wert, da sich im ZCOM das Stadtentwicklungskonzept spiegele. Außerdem habe er sich gerade schelmisch gefreut, als ein Vater zu seinem Sohn sagte: "Guck mal, so sah mein erstes Handy aus", und jener große Augen machte.

"Es ist schon interessant zu sehen, dass damals so groß war, was heute so winzig klein ist", stellt auch der 15-jährige Paul Börner aus Spohla amüsiert fest. Ein alter Großrechner hat es dem Schüler von der Oberschule Wittichenau angetan. Ein Besuch des Museums könne den Informatik-Unterricht auf jeden Fall bereichern, stellt er fest. Das ganze Haus sei für einen Besuch mit Kindern prädestiniert, findet auch Lehrerin Elke Hünich.

Noch mehr Mitmach-Angebote und Aktionen zum Ausprobieren wünscht sich Tobias Leier aus Cottbus. Der 31-jährige IT-Systemkaufmann findet die ganze Ausstellung "im Gegensatz zum alten Standort im Industriegelände schön aufgeräumt und die Wege gut gestaltet". Er schlägt einen regelmäßigen Wechsel der Exponate vor, "damit es sich lohnt, jedes Jahr mal herzukommen". Seinem Vorhaben, im IT-Bereich noch einmal die Schulbank zu drücken, habe der Besuch im ZCOM Aufwind gegeben.

Ein Schlüsselerlebnis glaubt auch Nourdin Kamlah bei seinem Sohn Christian miterlebt zu haben, als dieser die Baustein-Programmierung des Stiftplotters verstanden hatte. Nur die Abbildung vom Stammbaum der Computerentwicklung hätte noch mehr Luft nach oben haben dürfen, findet der Hoyerswerdaer.

Dass man trotz technischen Studiums wie Konrad Zuse auch künstlerisch tätig werden kann, kann die Malerin Gudrun Otto gut nachvollziehen. "Ich bin selbst Chemieingenieurin. Das macht mutiger", so die 73-Jährige. Zuses Bildern sei anzusehen, dass ein Techniker sie gemalt hat. Es mache viel für das Verständnis aus, die ganze Persönlichkeit Konrad Zuse zu betrachten, lobt sie das ganzheitliche Konzept des Hauses: "Das ist ein Museum, das in die Zeit passt!"

Regelmäßig Sonderausstellungen

Vor allem für Kinder und Jugendliche habe die digitale Welt einen ganz anderen Stellenwert, ergänzt Margitta Faßl. Die Chefin der Wohnungsgesellschaft ist mit den Enkeln Conrad und Hannes zur Eröffnung gekommen und besonders von der Medienstation überwältigt. Die regelmäßigen Sonderausstellungen würden den inhaltlichen Gegenwarts- und Zukunftsbezug und auch die gesellschaftlichen Herausforderungen des digitalen Zeitalters stetig im Blick halten, sagt sie und erinnert an Zuses Warnung, im Notfall den Stecker zu ziehen. Zuse habe nicht umsonst Bill Gates porträtiert, fügt Gudrun Otto hinzu. Er habe schon geahnt, wohin die Reise gehen würde.

Die beiden Frauen freuen sich sehr, dass die Eröffnung des ZCOM auf so großes Interesse stößt. Die Besucher gehen mit den Kuratorinnen auf Erkundungstour. Sie erfahren von Forschung und Lehre, die das Zuse-Forum Hoyerswerda im BIT-Labor betreiben wird. Und sie hören Hannelore Zuse zu, die ihnen von ihrem Vater und seiner Kunst erzählt, wie er sich als Student in Schauspiel, Dichtung, Bühnengestaltung und als Schnellzeichner versucht hat und dass er nicht immer beim ersten Pinselstrich wusste, was aus seinem Vorhaben werden würde. Zuses künstlerische Explosionen seien aus seiner "Einfach-Drauf-Los"-Methode heraus entstanden. Umso visionärer seien die Inhalte des "Zuseismus". "Lieber Papa, du hast uns so viel dagelassen!", sagt Hannelore Zuse voller Emotionen und macht dem neuen Zuse-Computer-Museum mit dem Satz "Deine Welt läuft weiter, hier in einem ganz großen Stil" das größte Kompliment des Tages.

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Zum Thema:
Geöffnet hat das Zuse-Computer-Museum dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr. Geschlossen bleibt es am 24. und 31. Dezember sowie am 1. Januar.Regulärer Eintritt: 6 EuroErmäßigter Eintritt: 4 Euro (bis 16 Jahre, Schüler, Azubis, Studenten, Schwerbehinderte, freiwillige Wehr- und Bundesfreiwilligendienstleistende)Familienkarte: 15 Euro (zwei Erwachsene und zwei Kinder bis 16 Jahre)Freier Eintritt bis sechs JahreGruppen ohne Führung ab 15 Personen 5 EuroFührungen 30 Euro zuzüglich Eintritt

Zuse-Tochter Hannelore Zuse, Horst-Dieter Brähmig, Margitta Faßl (Chefin der Wohnungsgesellschaft) und Museumsleiterin Andrea Prittmann (v.l.) vor dem Original des Zuse-Computers Z 22.
Zuse-Tochter Hannelore Zuse, Horst-Dieter Brähmig, Margitta Faßl (Chefin der Wohnungsgesellschaft) und Museumsleiterin Andrea Prittmann (v.l.) vor dem Original des Zuse-Computers Z 22. FOTO: cw