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| 12:32 Uhr

Bautzen
Bautzens höchster Turm fällt

Ein sauberer Knick – und schon ist der 110 Meter hohe Riese am Stadteingang von Bautzen gefällt.
Ein sauberer Knick – und schon ist der 110 Meter hohe Riese am Stadteingang von Bautzen gefällt. FOTO: Uwe Menschner
Bautzen. Die seit Langem angekündigte Sprengung des Enso-Schornsteins in Bautzen-Teichnitz ist am Donnerstagvormittag erfolgt. 2000 Tonnen Material müssen jetzt entsorgt werden. Von Uwe Menschner

Der Riese steht nicht mehr: Am Donnerstagmorgen ist der 110 Meter hohe Schornstein des Bautzener Enso-Heizkraftwerkes gesprengt worden. Das auch gern als höchster Turm von Bautzen bezeichnete Bauwerk wurde gleichzeitig am Boden und in 48 Metern Höhe gesprengt, sodass es mit einer sauberen Knickfalte zu Boden fiel.

Nunmehr müssen 2000 Tonnen Beton und Bewehrungsstahl entsorgt werden. Das Abbruchmaterial wird dabei getrennt und auf Wiederverwendbarkeit untersucht. Das Fundament des Schornsteins mit einer Höhe von 3,60 Meter und einem Durchmesser von 15 Metern verbleibt im Boden. Laut Claudia Kuba, Pressesprecherin der Energie Sachsen Ost AG (Enso) waren 340 Sprenglöcher erforderlich, um den Riesen so frei von Nebenwirkungen zu Boden zu bringen. Bis zum Jahresende sollen die Restarbeiten abgeschlossen sein.

Die Enso zieht sich jedoch nicht aus Bautzen-Teichnitz zurück: „Wir erhalten das Gelände des ehemaligen Heizkraftwerks als Energiestandort“, betont Claudia Kuba. Werkstätten, Hallen und Bürogebäude sollen selbst nachgenutzt oder vermietet werden. Von Teichnitz aus will die Enso ihre anderen ostsächsischen Standorte, beispielsweise das Heizkraftwerk in Königswartha, betreuen. Bereits 2014 hatte sie auf dem ehemaligen Kohlelagerplatz eine Fotovoltaikanlage in Betrieb genommen.

Andere frühere Betriebsanlagen fielen bereits vor dem Schornstein dem Abriss zum Opfer. Dazu zählen der eigentliche Kraftwerksbau, das Kesselhaus, der Bunkerschwerbau, Wärmetauscher, Speisewasserbehälter, Heizöltank und Braunkohlestaubsilo. Die Gesamtkosten für den Anlagenrückbau beziffert Claudia Kuba mit zwei Millionen Euro. Noch bis März 2018 wurden Pumpen und andere Aggregate ausgebaut und verkauft.

Das Heizkraftwerk Bautzen-Teichnitz wird nicht mehr benötigt, da die Bautzener Stadtwerke (Energie- und Wasserwerke Bautzen, EWB) eine eigene Wärmeversorgung auf der Basis von Erdgas aufgebaut haben. Deren Herzstück bildet die Energiezentrale an der Thomas-Müntzer-Straße.

Die Anlage in Teichnitz war 1980 zunächst als reines Heizwerk auf der Basis von Rohbraunkohle in Betrieb genommen und in den 90er-Jahren zum Kohlestaub-Heizkraftwerk umgebaut worden. 2017 nahm die Enso die Anlage außer Betrieb. Zunächst sollte der Schornstein von oben her zurückgebaut werden; letztlich entschied man sich jedoch aus Zeitgründen doch für die Sprengung.