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| 18:23 Uhr

24 Stunden ohne Strom
Energielos durch den Tag

Als es Nacht wird, bleibt für LR-Mitarbeiter Rainer Könen nur das Kerzenlicht, um die letzten Stunden dieses stromlosen Tages zu überstehen.
Als es Nacht wird, bleibt für LR-Mitarbeiter Rainer Könen nur das Kerzenlicht, um die letzten Stunden dieses stromlosen Tages zu überstehen. FOTO: Wolfgang Köhler
Hoyerswerda. Wie ist das eigentlich, wenn der Strom plötzlich ausfällt? Ein 24-Stunden-Selbsttest.

Ein Leben ohne Strom, ist das heutzutage vorstellbar? Sind doch alle wichtigen Lebensbereiche von elektrischer Energie abhängig. Was tun, wenn es zu einem Stromausfall kommt, durch Blitzeinschlag, das Stromnetz überlastet ist oder Hacker in die Rechner der Stromversorger eindringen und die Energie ausknipsen? Wie ist es, wenn man plötzlich ohne Strom ist?

Der Journalist Rainer Könen hat sich dieser Aufgabe gestellt, hat einen Tag ohne Strom verbracht. Das Experiment beginnt an einem Mittwochmorgen. Ich wache auf und frage mich, wie spät es wohl sein mag. Das Brummen eines Baggers aus der knapp hundert Meter entfernten Eigenheimsiedlung lässt mich annehmen, dass es nach sieben, spätestens acht Uhr ist. Der Radiowecker bleibt stumm. Wasser für den Tee kochen? Es gibt keinen Strom, geht also nicht. Wie wach werden? Erst mal frühstücken. Ein Glas Apfelsaft und zwei Müsliriegel haben einen Hauch von Notration. Meine Laune ist bereits jetzt im Keller. Duschen, waschen, Zähneputzen, entfällt alles. Ohne Strom kein Wasser aus der Leitung, keine Dusche, keine Toilettenspülung, weil die Pumpen nicht funktionieren. So in den Tag zu gehen, fühlt sich mächtig ungeordnet an. Wie spät ist es? Der Baulärm übertönt die Kirchturmuhr. Arbeiten am PC geht ebenfalls nicht. Wie gut, dass ich noch eine Reiseschreibmaschine habe. Einen Artikel auf diese Weise zu schreiben, das zieht sich hin.

Die Zeit schreitet voran, in den Mittagsstunden knurrt mein Magen. Ich setze mich aufs Rad, fahre zu einem Altstadt-Café. Ein Blick auf die Rathaus-Uhr. Es ist kurz nach eins. Einkaufen im Supermarkt verkneife ich mir, auch den Gang zum Bankautomaten. Würde den experimentellen Charakter dieses Tages hinfällig machen. Denn: Ohne Strom funktionieren auch keine Supermarktkassen, keine Geldautomaten. Möchte gerne wissen, was sich aktuell in der Welt tut, aber Internet geht ja nicht, der Fernseher bleibt dunkel, auf die abendliche Live-Übertragung des Fußballspiels muss ich verzichten. Dieses nur auf einen Tag beschränkte, energielose Dasein nervt, meine gewohnte Lebensqualität leidet. Auf der anderen Seite hat so ein stromloses Dasein ein paar erhellende Momente. Es gibt keine Ablenkung, man kann entschleunigen, sich Dingen zuwenden, die sonst zu kurz kommen. Zum Lesen eines Buches etwa. Die untergehende Sonne wirft wärmende Strahlen durchs Fenster der Wohnstube. Abendbrotzeit. Für Brot und Wein braucht es keinen Strom. Draußen wird es dunkel, ich suche Streichhölzer und Kerzen. Im flackernden Licht lese ich. Man könnte Freunde treffen, sich verabreden. Aber wie? Kein Festnetz, der Akku des Handys leer. Irgendwie fühle ich mich ausgegrenzt, da ich an diesem Tag für niemanden zu erreichen war.

Eine wichtige Erkenntnis: Ohne Strom ist man für die Außenwelt nicht existent. Im Bewusstsein, dass der nächste Tag jedoch wieder energievoller sein wird, gehe ich zu Bett. Beruhigend auch zu wissen, das mich der Radiowecker aus dem Schlaf reißen wird. Zur gewohnten Zeit.