Von Rita Seyfert

Kluger, menschlicher Blick durch eine rahmenlose Brille, die quergestreifte Krawatte unterm gebügelten Hemd ordentlich zum Knoten gebunden und erst knapp hundert Tage im Amt, das ist Hoyerswerdas neuer Finanzamt-Vorsteher Alexander Schulze (43).

Verstaubt oder gar langweilig, wie man sich einen klassischen „Zahlenverdreher“ so vorstellt, ist er aber nicht, sondern ganz im Gegenteil: Dass der Vater von zwei Jungs (2 und 5) sich früher, als er noch mehr Zeit hatte, auch mal mit dem Gleitschirmflieger in die Lüfte empor schwang, macht ihn sogar sympathisch.

Bei seiner festlichen Amtseinführung am Donnerstagvormittag im historischen Schlosssaal spricht er fast schüchtern ins Mikrofon, als er von Dingen wie „Arbeitserfüllung“ und „Serviceorientierung“ redet. Hin und wieder flüstert er sogar. Ein Typ, der sich hinter Aktenbergen versteckt, ist er aber nicht. „38 Stunden pro Woche ansprechbar“, das schreibt er sich für sein neunköpfiges Team auf die Fahnen. Dann ertönt seine dynamische Stimme laut entschlossen im Saal. „Steuern sind Straßen, Krankenhäuser, Flughäfen“, sagt er. Dieser Finanzamtsleiter weiß, worum es geht.

Alexander Schulze kennt aber auch die Herausforderung der kontinuierlich voranschreitenden Digitalisierung, die längst im Finanzamt angekommen ist. „Wir haben ein ­dickes Brett zu bohren“, sagt er. Nach den ersten drei Monaten im Amt liegt schon ein ordentlicher Berg Arbeit hinter ihm. Hoyerswerdas Steueraufkommen von 436 Millionen Euro spricht Bände.

Für Schulze ist das alles kein Neuland. Bereits in den vergangenen sechs Jahren kämpfte er als Leiter vom Oschatzer Finanzamt mit den immer komplexer werdenden Steuersystemen. „Ein vereinfachtes Verfahren muss her“, lautet seine Forderung. Eine verzwickte Angelegenheit, für die der ehemalige Personalreferent vom Dresdner Finanzministerium das nötige Fingerspitzengefühl mitbringt.

Seine feierliche Amtseinfühung warf aber noch eine ganz andere Frage auf: Wie geht es überhaupt mit dem Finanzamt Hoyerswerda weiter? Karl Köll, Präsident vom Landesamt für Steuern und Finanzen, brachte endlich die lang ersehnte Planungssicherheit. „In den kommenden fünf Jahren wird es zu keiner Verlegung des Finanzamtes Hoyerswerda kommen“, sagte er.

Mehr noch: Derzeit werde geprüft, ob das Finanzamt aus strukturpolitischen Gründen dauerhaft zu erhalten ist. Präsi Köll jedenfalls könne sich letzteres gut vorstellen - und erntet für dieses Signal tosenden Applaus. Damit wendete sich das Blatt auch für Alexander Schulze. Bei seinem Amtsantritt musste er noch davon ausgehen, dass er möglichweise in zwei oder drei Jahren wieder seine Sachen packen darf.

So viel steht fest, der neue Finanzamt-Vorsteher glaubt an Zahlen, nicht an Magie. Sein Schutzengel, ein schwarzer Krabat-Rabe, den ihm Hoywoys Oberbürgermeister Stefan Skora (58, CDU) überreichte, dürfte ihn aber eines Besseren belehrt haben. Denn die verbindliche Zusage für die nächsten fünf Jahre kam nicht nur unerwartet, sondern auch einem kleinen Wunder gleich.