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| 18:30 Uhr

Boulevard Altstadt
Wieder mehr Leben in der Kirchstraße

 Für Sylvia Hübner (57), Chefin vom Café Rosali, würden sechs Wochen reichen. Ein Monat ist für den Boulevard Altstadt zu kurz, drei Monate sind zu lang, findet sie.
Für Sylvia Hübner (57), Chefin vom Café Rosali, würden sechs Wochen reichen. Ein Monat ist für den Boulevard Altstadt zu kurz, drei Monate sind zu lang, findet sie. FOTO: LR / Rita Seyfert
Hoyerswerda. In drei Wochen endet der Boulevard Altstadt. Zeit für eine Bilanz. Die RUNDSCHAU hat die Gewerbetreibenden befragt. Von Rita Seyfert

Drei Monate Boulevard Altstadt sind „viel zu lang“, „zu kurz“, „genau richtig“. Die einen wünschen sich „mehr Parkplätze“, die anderen wollen „mehr Fußgängerzonen“. Bevor das diesjährige Spektakel am 25. August endet, hat die RUNDSCHAU sich mal unter den Gewerbetreibenden der Kirchstraße umgehört. Dabei kam heraus, dass die Leute unterschiedliche Meinungen haben.

Die Verkäuferinnen vom HoyDog-Imbiss finden drei Monate viel zu lang: „Das verläuft sich alles und schläft ein“, finden sie. Mal seien ein paar Leute unterwegs, dann ist wieder „tote Hose“. Die meisten Geschäfte schließen sowieso um 18 Uhr. Nur der Tango-Abend scheint stets gut besucht, stellten die Damen während ihrer Spätschichten fest. Gegenüber in der Strand-Bar sei dafür nur was los, wenn eine Buchlesung läuft oder die Musik laut aufgedreht wird, sagen die Imbiss-Verkäuferinnen. Allerdings würden sich dann wieder die Anwohner wegen Ruhestörung beschweren.

Kritisiert werde auch, dass der Bus nicht mehr fährt. Ob stattdessen mehr Leute mit dem Taxi zum Boulevard Altstadt fahren, bezweifelt Taxifahrer Reiner Berg (62) indes. Allerdings könne er das auch nicht beurteilen, da er selten an den Wochenenden arbeitet. Von seinen Kollegen der Firma Taxi-Röthig weiß er jedoch, dass derzeit sonnabends und sonntags in der Altstadt etwas mehr los sein soll.

 Taxifahrer Reiner Berg (62) wünscht sich während der Veranstaltungen vom Boulevard Altstadt mehr Parkmöglichkeiten für Taxis in der "City".
Taxifahrer Reiner Berg (62) wünscht sich während der Veranstaltungen vom Boulevard Altstadt mehr Parkmöglichkeiten für Taxis in der "City". FOTO: LR / Rita Seyfert

Viele seiner Fahrgäste hätten die vielseitige Beteiligung beim Boulevard Altstadt durchaus gelobt, erzählt er. Einige favorisieren sogar die Fußgängerzonen und wollen mehr davon. Taxifahrer Berg möchte lieber mehr Präsenz für seine Fahrgäste zeigen und wünscht sich daher in der Altstadt noch mehr Stellplatzmöglichkeiten für sein Taxi.

Auch die beiden Stadtcafé-Betreiber, das Geschwister-Duo Nicole (23) und John Arko (24), hätten lieber mehr Parkmöglichkeiten für ihre Kunden. „Grundsätzlich ist es gut, dass hier was passiert“, sagen sie. Allerdings reduzieren die roten Pflanzkübel die Parkplätze von vier auf zwei. „Einige unserer Gäste halten eben gern mit dem Auto direkt bei unserer Tür“, sagen sie.

 Das Geschwister-Chef-Duo Nicole (23) und John Arko (24) vom Stadtcafé lobt die Initiative vom Boulevard Altstadt, kritisiert aber auch die fehlenden Parkplätze für die Kunden.
Das Geschwister-Chef-Duo Nicole (23) und John Arko (24) vom Stadtcafé lobt die Initiative vom Boulevard Altstadt, kritisiert aber auch die fehlenden Parkplätze für die Kunden. FOTO: LR / Rita Seyfert

„Schade“ finden sie, dass sie bei der Blauen Terrasse außen vor blieben. „Da hätten wir uns gerne als regionale Gastronomen mit unseren hausgemachten Speisen beteiligt“, sagen sie. Allerdings habe sie niemand gefragt.

 Henry Weiher (32), Marketing-Leiter vom Salon Haarscheider, freut sich über das allmählich einziehende "Großstadt-Flair" in der Kirchstraße.
Henry Weiher (32), Marketing-Leiter vom Salon Haarscheider, freut sich über das allmählich einziehende "Großstadt-Flair" in der Kirchstraße. FOTO: LR / Rita Seyfert

Nebenan der Salon Haarschneider wartete gar nicht erst ab. Marketing-Leiter Henry Weiher (32): „Wir haben schon im vergangenen Jahr die Strandbar extra für den Boulevard Altstadt gebaut“, erzählt er. Und damit bewies der Friseur wohl den richtigen Riecher. „Bei schönem Wetter ist es hier voll.“

Was den Umsatz im Salon betrifft, sei keine Veränderung messbar. „Wir sind sowieso gut gebucht“, sagt er. Allerdings nahm die Laufkundschaft zu. Vor allem diejenigen, die sonst nur mit Scheuklappen vorbeigehen, schnuppern inzwischen auch mal in den Salon und fragen.

Die gesellige Atmosphäre vor der Salontür scheint das Eis zu brechen. So bietet die Strandbar neben sommerlichen Cocktails beispielsweise auch jeden Freitag einem regionalen DJ eine Plattform. Auch der Wittichenauer Hot Rod-Anbieter rührte hier jüngst die Werbetrommel für seine Mini-Einsitzer-Benziner. „Das wurde gut angenommen“, so Marketing-Leiter Weiher.

Überhaupt findet der ehemalige Dresdner etwas mehr Action für die Kirchstraße wichtig. „Ein gewisses Großstadt-Flair fehlt“, sagt er. Man merke, dass die Leute auf Angebote warten. Gerade junge Leute zieht es donnerstags zur „After-Work-Party“ eher nach Dresden. Einige davon bleiben aber inzwischen in Hoyerswerda. Denn an manchen Abenden gebe es endlich wieder mehr Leben in der Kirchstraße, wie er findet.

Was die Zeitdauer angeht, würden die drei Monate über den Sommer zeitlich genau passen. „Das ist weder zu lang noch zu kurz“, sagt er. Die Chefin vom Café Rosali schräg gegenüber sieht das anders. Sylvia Hübner (57): „Sechs Wochen würden reichen“, sagt sie. Wichtiger aus ihrer Sicht ist die Mundpropaganda. „Der Boulevard Altstadt muss sich herumsprechen.“ Gesprächsthema in ihrem Laden ist die Aktion dabei allemal. Offenbar erregt die Dekoration mit den Bauhaus-Fahnen und Stadtmöbeln bei den Touristen viel Aufmerksamkeit.