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Bernsdorf
Eltern-Wunschzettel an die Stadt

Mama Mandy Andreke (29) und Papa Stefan Zeiler (34) mit ihren Töchtern Hanna Lotta (3) und der kleinen Florentine (zwei Monate).
Mama Mandy Andreke (29) und Papa Stefan Zeiler (34) mit ihren Töchtern Hanna Lotta (3) und der kleinen Florentine (zwei Monate). FOTO: Anja Hummel / LR
Bernsdorf. Kinderarzt, Spielplatz, Sachenladen: Der „Weihnachts-Wunschzettel“ der Bernsdorfer Eltern an die Stadt ist überschaubar. Trotzdem sind ihre Bitten schwierig zu erfüllen. Von Anja Hummel

Bald schon ist wieder Weihnachten und der ein oder andere Wunschzettel liegt bereit. Normalerweise ist das Kindersache. Doch was wünschen sich eigentlich die Eltern? Bernsdorfer Mamas und Papas diskutierten auf einem Treffen im örtlichen Mehrgenerationenhaus darüber.

Der kleine Lukas (7 Monate) mit seinen Eltern Nico und Romy Kuschela aus Bernsdorf. Die Eltern würden sich über mehr Spielplätze freuen.
Der kleine Lukas (7 Monate) mit seinen Eltern Nico und Romy Kuschela aus Bernsdorf. Die Eltern würden sich über mehr Spielplätze freuen. FOTO: Anja Hummel / LR

„Wenn der Kleine irgendwas hat, dann überlegt man schon, ob man zum Arzt fährt oder nur in die Apotheke nebenan geht“, klagt Romy Kuschela über die Ärzteversorgung. Die Mama vom kleinen Lukas muss bis nach Hoyerswerda fahren. „Und dann sitzt man dort drei Stunden.“ Längst sei man dort überlastet. Ein Kinderarzt im Ort zu haben, das wäre eine sehr große Hilfe für sie. Dem stimmt auch Sandra Clauß zu. „Manchmal nimmt man das Kind dann einfach mit zum eigenen Hausarzt“, ergänzt die Zweifach-Mama. Auch für die 38-jährige Mandy Noack wäre ein Kinderarzt in Bernsdorf eine Erleichterung. „Aber das ist Wunschdenken“, sagt sie, während ihre kleine Friederike, gerade mal sieben Monate alt, bei ihr auf dem Schoß sitzt.

Bernsdorfs Bürgermeister Harry Habel (CDU) muss dem beipflichten. „Wir haben eine Anfrage an die kassenärztliche Vereinigung gestellt, aber es ist relativ illusorisch.“ Es werde eher darauf hinauslaufen, dass „ein Allgemeinmediziner mal mit hinschaut“, so Habel. Dass sich der elterliche Wunsch nach einem ortsansässigen Arzt für die Jüngsten erfüllt, ist also eher unwahrscheinlich.

Mama Mandy Noack (38) mit Töchterchen Friederike (8 Monate).
Mama Mandy Noack (38) mit Töchterchen Friederike (8 Monate). FOTO: Anja Hummel / LR

Die zweifache Mama Mandy kann sich insgesamt „eigentlich nicht beschweren“ über die Kinderfreundlichkeit der Kommune. Ihr erstes Töchterchen Hanna Lotte geht mit ihren fast vier Lenzen in die Bernsdorfer Kita „Pfiffikus“. Ein Manko merkt sie dann aber doch an: „Es wäre schön, wenn sich die Höhe des Kitageldes nach dem Gehalt der Eltern richten würde.“ Schließlich werde das in Brandenburg schon so gehandhabt. Partner Stefan Zeiler würde sich für die Kids noch mehr städtische Veranstaltungen wünschen. „In den Kitas wird sehr viel gemacht, aber von der Stadt kommt sehr wenig“, bemängelt er. Ein kleines Kindersommerfest auf dem neuen Spielplatz zum Beispiel, das wäre super. Harry Habel zählt im Gegenzug auf: „Die Wohnungsbaugesellschaft organisiert beispielsweise den Kindertag, die Kitas machen Grill- und Sommerfest, das Mehrgenerationenhaus bietet Krabbelgruppen an.“ Das sei alles in allem schon recht viel.

Doch zurück zum Stichwort Spielplatz. Das ruft auch andere Eltern auf den Plan. So würden sich die 35-jährige Romy Kuschela und ihr Mann Nico über weitere Spielmöglichkeiten in der Stadt freuen. „Es gibt nur einen richtigen Spielplatz am Tiergehege für alle und der ist immer gerammelt voll“, bemerkt Papa Nico. Es müsse ja kein riesiger Spielplatz sein, sagt Ehefrau Romy, aber zwischen den Wohngebieten entlang der Hauptstraße gebe es nichts weiter.

Auch verbesserungswürdig für die junge Mutter: „Es gibt zu wenig Hortplätze.“ So hat sie für ihren älteren Sohn ganze vier Jahre lang keinen Hortplatz bekommen. Dem Bürgermeister ist das Problem bewusst. „Im kommenden Jahr werden neue Hortplätze in Straßgräbchen geschaffen“, versichert Harry Habel.

Was er ebenfalls ankündigt: ein neuer Drogeriemarkt soll in die Stadt kommen. „Das ist wirklich wichtig“, sagt Mandy Noack und erhält Zustimmung von allen Seiten. Einen Laden für Kindersachen gebe es nur einen, der allerdings nicht das größte Angebot hat. „Dass es in Bernsdorf keine riesige Auswahl gibt, ist aber logisch.“

Dass die jüngste Generation der Stadt am Herzen liegt, betont auch Harry Habel einmal mehr. „Investitionen in Kinder sind Investitionen in die Zukunft.“ Keine Floskel, schiebt er hinterher. So wurden in die neuen Außenanlagen der Grund- und Oberschule 190 000 Euro investiert, auch der Schulsportplatz wurde mithilfe kommunaler Mittel komplett erneuert. Dass Kita- und Schulangebot in der Stadt prima sind, bestätigen auch die Eltern. Ihr Wunschzettel allerdings, der dürfte es in diesem Jahr wohl eher nicht bis zum Weihnachtsmann schaffen.