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| 14:33 Uhr

Boxen in Familie
Eltern boxen mit ihren Kindern

Wenn die Mutter mit dem Filius in den Ring steigt, wie hier Madlen Mikwauschk mit ihrem Sohn Ryan, dann haben beide auch ihre Freude an der gemeinsamen Anstrengung.
Wenn die Mutter mit dem Filius in den Ring steigt, wie hier Madlen Mikwauschk mit ihrem Sohn Ryan, dann haben beide auch ihre Freude an der gemeinsamen Anstrengung. FOTO: Rainer Könen
Lauta . Im Boxclub Niederlausitz trainieren Familien gemeinsam im Ring und am Sandsack. Von Rainer Könen

Ryan holt aus, schlägt zu. Über sein verschwitztes Gesicht huscht ein Grinsen. Ein weiterer Schlag mit seiner rechten Faust hinterlässt auf dem Sandsack eine kleine Delle. Eine, die sich kurz darauf wieder schließt. Die Boxhandschuhe hängen an den dünnen Armen des Jungen wie kleine Kohlensäcke. Er beobachtet den hin- und herpendelnden Sandsack. Auf den nun – seine Mutter eindrischt. Mit pinkfarbenen Boxhandschuhen. Kraftvoll haut sie ihre geschützten Fäuste ebenfalls auf das von Schlägen geknetete dunkle Leder des Sandsacks. Und findet dabei noch Zeit für ein paar aufmunternde Worte für ihren Sohn. Der unvermittelt eine Salve von rechten und linken Haken in den Sack prasseln lässt. Es wird anstrengender, für beide, das zeigen ihre hochroten Gesichter.

Auch die anderen Sandsäcke werden von Kindern wie Erwachsenen gleichermaßen malträtiert.  Es ist offensichtlich: Das hier macht richtig Spaß. An diesem Montag ist wieder Trainingszeit. Im Übungsraum des Boxclubs Niederlausitz Lauta/Laubusch bittet Matthias Palme kurz nach 17 Uhr die Kinder und Erwachsenen in das Ring-Viereck. Hardrock-Musik erfüllt den mit Spiegeln ausgekleideten Raum. Palme gibt die ersten Anweisungen fürs Aufwärmen.

Diese Veranstaltung beim Boxclub heißt Familienboxen. Die gibt es bei ihm seit einigen Jahren und war seinerzeit von Vereinschef und Boxtrainer Willi Baer ins Leben gerufen worden. Statt den Kindern beim Training zuzuschauen, schlug er den anwesenden Eltern vor, mit in den Ring zu steigen. Und fand sofort offene Ohren für seinen Vorschlag.

Es sei so eine Art Fitnessboxen, erzählt Übungsleiter Palme. Natürlich werde auch versucht, einige theoretische Grundlagen des Boxsports zu vermitteln, so Matthias Palme weiter. Aber im Vordergrund der Trainingsstunden stünde vor allem eines, was in der heutigen Gesellschaft mehr denn je gefragt sei: soziale Kompetenz. Und klar, natürlich auch Disziplin und Fairness, so der Coach. Selbstverständlich kann man bei dieser Art des Boxens auch den Alltagsfrust kanalisieren.

Madlen Mikwauschk erzählt davon, dass sie beim Familienboxen eine Menge Selbstvertrauen bekommen habe. Die 40-jährige Bürokauffrau gehört mit ihrem elfjährigen Sohn Ryan zu rund 20 mitboxenden Familienmitgliedern. Madlen Mikwauschk ist vier Jahren dabei, erinnert sich noch an ihre erste Trainingsstunde. „Das Aufwärmtraining musste ich nach einigen Minuten abbrechen“, sagt sie und lacht. Kein Wunder, hatte sie doch zuvor 15 Jahre lang keinen Sport mehr betrieben. Aber sie kämpfte sich ran, ging regelmäßig mit ihrem Sohn zum Training, machte mit, so gut es irgendwie ging, und merkte, dass ihre Körperkraft langsam zunahm. Mittlerweile fühle sie sich total fit, so die Laubuscherin.

Ihr Sohn Ryan freut sich ebenfalls auf die allwöchentliche Trainingsstunde.  „Wenn ich Stress in der Schule habe, kann ich den hier super abbauen“, sagt der Junge.

Doch Familienboxen halte nicht nur fit, sondern stärke vor allem das familiäre Gemeinschaftsgefühl, findet die Bürokauffrau. Etwa, wenn man auf einen Sandsack einschlägt. Gemeinsam mit dem Sohnemann.