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| 15:29 Uhr

Bluno
Elsterheides Kita-Koch macht dicht

Bluno. Gastronom Gerd Freyt aus Bluno hat jetzt zwölf Jahre für die Kleinsten gekocht. Ende des Jahres ist für den 67-Jährigen Schluss. Er findet für den Betrieb keinen Nachfolger.

Welches Kind kennt ihn nicht, den Wettlauf zwischen dem Hasen und dem Igel? Jedes Mal, wenn der Hase meinte, als erster das Ziel erreicht zu haben, stand dort schon der Igel und rief Meister Lampe ein „Ick bün all hier“ zu. Dieses Märchen hat es Gerd Freyt angetan. Mittels Bleiglas verewigte der Blunoer Gastronom Hase und Igel in seiner Gaststätte. Kein Wunder, dass die Lokalität den Namen „Icke bün all hier“ trägt.

Zur Jahreswende 2017/2018 wird das „Icke bün all hier“ allerdings Geschichte sein. Denn nach 17 Jahren schließt das Haus. „Ich werde im Januar 68 Jahre alt, und einen Nachfolger habe ich nicht gefunden“, begründet Gerd Freyt mit trauriger Stimme. Eigentlich, so lautete der Plan, wollte er das Lokal an seine langjährige Köchin übergeben. Doch das habe aus gesundheitlichen Gründen nicht funktioniert. Immerhin: Die tüchtige Hoyerswerdaerin müsse sich um ihre berufliche Zukunft keine Sorgen machen. Mehrere Firmen hätten sich um sie gerissen, ab Januar sei sie in Spremberg tätig.

Das „Icke bün all hier“ ist vor allem als Ort zum Feiern bekannt. Die beiden letzten Partys sind laut Gerd Freyt für Ende Dezember geplant. Das zweite große Standbein des Familienunternehmens bildet die Essensversorgung für die drei Kitas der Elsterheide sowie für zwei Kindereinrichtungen in Welzow. 130 bis 150 Portionen müssen Tag für Tag gekocht werden. Montags sei immer Eintopftag. Zudem gebe es jede Woche Fisch, Nudeln und Fleischgerichte. „Den Kindern schmecken die Nudeln am besten“; weiß Gerd Freyt.

Beschwerden über das Essen habe es in all den Jahren so gut wie keine gegeben. Bereits seit Anfang 2005 ist das „Icke bün all hier“ für die Essensversorgung des Nachwuchses in der Elsterheide zuständig. „Nur am Anfang mussten sich Kinder und Erzieher erst daran gewöhnen, wie wir würzen“, erzählt Freyt. Denn mit Salz gehe seine Köchin sparsam um. Zudem werde ein extra ausgewählter Ketchup verwendet, der mehr Frucht als Zucker enthalte. Oder anders ausgedrückt: gesunde Ernährung von Kindesbeinen an.

Das Essen stamme nicht etwa aus Dosen, die im Großmarkt eingekauft werden. Sondern werde von Montag bis Freitag stets ab 6.30 Uhr selbst gekocht, zweieinhalb Stunden später sei es fertig. „Hier werden die Kartoffeln noch selbst geschält“, weiß der Blunoer. Auch die Desserts und Joghurtspeisen stelle sein Unternehmen selbst her.

Die Gemeinde Elsterheide als Hauptauftraggeber sei stets zufrieden. Ohnehin gebe es mit dem Bergener Rathaus eine fruchtbare Zusammenarbeit. „Ich schätze die unbürokratische Art und Weise“, lobt Gerd Freyt und meint in Persona vor allem Roswitha Roßmann vom Hauptamt. Diese sei fast in Ohnmacht gefallen, als der Blunoer bekannt gab, ab Januar 2018 für die drei Kitas nicht mehr zu kochen.

Was mit der Gaststätte zukünftig wird, sei ungewiss. „Viel verändern möchte ich eigentlich nicht“, so Freyt. Besonders der Gastraum als Wintergarten wirke dank uralter Utensilien überaus urig. Die Gäste bestaunen alte Krüge, landwirtschaftliches Gerät, vergilbte Zeitungen. Und selbst ein Lehrbuch für Staatsbürgerkunde aus DDR-Zeiten fehlt nicht.

Dort, wo seit der Jahrtausendwende die Gaststätte einlädt, befand sich früher ein Vierseitenhof. „Wo die Theke steht, waren die Rinder, daneben die Schweine“, erinnert sich Gerd Freyt. Die Idee mit dem Lokal sei während seines 50. Geburtstages entstanden. „Ich war damals arbeitslos, musste mich neu orientieren“, erzählt der gelernte Elektrofahrzeugschlosser und Fernmeldebaumonteur. Gesagt, getan: Das Anwesen am östlichen Ortsrand von Bluno wurde komplett ungestaltet. Seine Devise: Die Scheune hat früher ihren Besitzer ernährt, also kann sie dies auch heute tun.“

Anno 2003 hatte Gerd Freyt seinen Abschluss als Koch in der Tasche. Wäre er heute noch mal 20, würde er sofort diesen Beruf erlernen. „Das macht mir richtig Spaß“, lautet die Begründung des gebürtigen Berliners, dessen Frau aus Bluno stammt. Vor rund anderthalb Jahrzehnten hatte er sogar den Gastwirte-Stammtisch der Elsterheide begründet. In diesem Rahmen wurde übrigens der „Überleiter-Schnaps“ kreiert. Zudem kochten die Freyts in Bluno, wo auch immer sie gebraucht wurden, etwa bei der Feuerwehr oder den Fußballern.

Obwohl die Redewendung „Icke bün all hier“ aus dem Norddeutschen stammt und nichts mit seiner Berliner Herkunft zu tun habe, wie Gerd Freyt betont, beziehe sich der Ausspruch letztlich doch auf Bluno. „Denn damit möchte ich zeigen, dass ich zwar ein Zugereister bin, aber längst im Dorf angekommen bin.“ Im Elsterheider Ort wolle er mit seiner Frau auch den Lebensabend verbringen. Die künftig freie Zeit nutze die Familie für ausgedehnte Reisen mit dem Wohnmobil. „Im Frühjahr geht’s nach Griechenland, anschließend auf die Südtiroler Alm“, kündigt Freyt an. „Doch Bluno werden wir weiter die Treue halten.“ (amz)