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Eisbomben für die Bären

Hoyerswerda.. Mittagsstunde auf dem Lausitzer Platz. Der Springbrunnen plätschert einsam vor sich hin. Die jungen Bäume schlagen keine Schatten. Die Luft flimmert. Von oben brennt der Planet, von unten glühen die Steinplatten. Wer nicht raus muss, bleibt dort, wo Klimaanlagen und Durchzug den aussichtslosen Kampf gegen die Hitze leidlich bestehen. Der Sommer lässt die Stadt erlahmen. Die RUNDSCHAU ging in Hoyerswerda auf die Suche nach Tipps gegen Hitzekoller und Schweiß-Bäche. Von Christiane Klein

Es gibt Schöneres, als bei glühender Hitze die Reise in den Urlaub anzutreten. „Wer eine Klimaanlage hat, dem geht es da natürlich noch am besten“ , weiß Petra Kirsch von der Pressestelle der Polizeidirektion Bautzen. Sie rät vor jeder Fahrt, das Auto unbedingt gut durchzulüften. „Außerdem sollten genügend Pausen eingelegt werden, denn die Hitze belastet den Kreislauf enorm“ , sagt die Sprecherin. Grundsätzlich sollte sich nur ans Steuer setzen, wer sich körperlich fit fühlt.
Wer lange Fahrtstrecken vor sich habe, sollte die kühlen Morgenstunden nutzen und genügend Getränke einpacken. „Diese sollten aber ebenso wie das restliche Gepäck sicher verstaut werden. Denn bei einem Auffahrunfall wird eine lose Flasche zum Geschoss“ , appelliert Petra Kirsch an alle Autofahrer und warnt: „Drängeln und riskantes Überholen bringen nichts. Mit Gelassenheit hinterm Steuer kommt man am Ende genauso schnell und glücklicher an sein Ziel.“

Doppelt so viel Flüssigkeit
Viel trinken rät auch Dr. Fritz Taube vom Gesundheitsamt in Hoyerswerda. „Als Faustregel gilt: Mindestens das Doppelte der Flüssigkeitsmenge, die der Körper normalerweise braucht“ , so der Amtsarzt. Taube warnt allerdings vor zu kalten Getränken. Alles was kälter als 15 Grad ist, belaste den Körper zusätzlich und könnte unter Umständen sogar Durchfall hervorrufen. Aus diesem Grund bringe auch Eisessen nicht viel innere Abkühlung. Der Genuss des Gefrorenen liegt also eher auf der Zunge, als dass er ernsthaft gegen die Hitze hilft. „Chronisch Kranke und ältere Menschen sollten sich außerdem mehrmals täglich eine lauwarme bis kalte Dusche gönnen“ , empfiehlt Dr. Taube. Außerdem heißt die Devise: Raus aus der Sonne „mindestens von 11 bis 17 Uhr, wenn die Sonneneinstrahlung am größten ist“ , so der Amtsarzt.
In der Rettungsleitstelle in Hoyerswerda halten sich die Notrufe, die wegen Kreislaufschwächen eingehen, derzeit noch in Grenzen. „Was viel schlimmer ist, sind die vielen Brände, die bei uns derzeit wegen der Trockenheit einlaufen“ , erklärt Manfred Seifert, Chef der Leitstelle. Besonders wegen vieler Kornfeld-Brände müssten derzeit die Kameraden der Feuerwehr in der Region alarmiert werden. „Erst am Montag hatten wir wieder einen Entstehungsbrand auf einem Feld bei Riegel. Zum Glück fielen dem nur rund 200 Quadratmeter zum Opfer“ , sagt Manfred Seifert.
Auch in der Notaufnahme des Klinikums in Hoyerswerda häufen sich die Patienten mit Kreislaufproblemen im Moment trotz enormer Ozon-Belastung und Hitze noch nicht. „Es gibt immer mal ein bis zwei Leute - vor allem jüngere - die plötzlich im Supermarkt zusammenbrechen“ , erklärt Rainer Glathe, Oberarzt der Notaufnahmen, doch eine regelrechte Welle von Hitzeopfern sei nicht zu verzeichnen.
Damit die Tiere im Hoyerswerdaer Zoo die heißen Temperaturen gut überstehen, lassen sich die Tierpfleger zurzeit einiges einfallen. „Wir legen bei der Fütterung das Augenmerk auf Frische“ , sagt Thomas Arndt, amtierender Zoo-Direktor. So stünde viel Gemüse und Obst auf dem Speiseplan der Tiere. Ganz oben im Kurs stehen bei vielen Tierarten im Moment zum Beispiel Melonen.
Zugleich wachen die Tierpfleger darüber, dass alle Zoo-Bewohner ausreichend Frischwasser zur Verfügung haben.

Glück für die Pinguine
„Einige Tiere, wie zum Beispiel die Alpakas, bekommen sogar regelmäßig eine Dusche mit dem Wasserschlauch“ , schildert Thomas Arndt. Dagegen hätten es die Pinguine „relativ günstig“ . Sie können, wann immer sie Lust haben, einfach in ihrem „Pool“ im Gehege abtauchen.
Damit den Bären die Hitze nicht zu Kopf steigt, hat sich das Zoo-Team etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Für die pelzigen Vierbeiner werden Eisbomben im Gehege versteckt. Die Leckereien aus frischem Obst und Gemüse in gefrorenem Wasser sucht Meister Petz dann mit Begeisterung und lässt sie sich schmecken. Für die Affen kommt solch kühler Genuss nicht infrage. „Die Gefahr, dass ihre Mägen das nicht vertragen, ist einfach zu groß“ , weiß Thomas Arndt.
Dem tierischen Nachwuchs, der sich bei den Kapuziner- und Weißbüschel-Äffchen sowie bei den Lamas und Steinböcken eingefunden hat, würden die hohen Temperaturen übrigens nur wenig ausmachen. „Die Jungtiere kommen damit ganz gut klar“ , sagt der amtierende Zoo-Chef.