Das ehemalige Albert-Einstein-Gymnasium hat seine besten Zeiten längst hinter sich. Der äußerlich noch intakt wirkende Baukörper versteckt sich hinter wild wucherndem Grün. Die fensterlose Giebelseite ist fast vollständig von Pflanzenranken bedeckt.

Im Jahr 1978 als "13. POS Albert Einstein" in Betrieb genommen, war es die Erste von letztendlich vier polytechnischen Oberschulen in Gesundbrunnen, Bautzens größtem Wohngebiet. Heute hingegen genügen eine Grund- und eine Oberschule, um die Kinder der immer noch ansehnlichen Plattenbausiedlung zu unterrichten. Auch das sorbische Schulzentrum befindet sich in fußläufiger Entfernung.

Dennoch hat die Stadt Bautzen lange mit dem Abriss des Schulkomplexes gezögert. Bereits seit 2002 hatte das "Einstein" lediglich noch als Außenstelle des Schillergymnasiums fungiert. Seit dem Jahr 2005 nutzte es die Stadt als Ausweichquartier für zu sanierende Schulen. Es selbst bekam außer ein paar Farbklecksen nichts davon ab und stand seit dem Jahr 2008 leer.

Umso größer war dann das Aufsehen, das 2012 die Meldung erregte, die Polizei wolle das frühere Schulgebäude als Übungsgelände für Anti-Amok-Einsätze nutzen. Doch auch damit ist jetzt Schluss. "Wir wussten, dass das Gebäude früher oder später abgerissen wird, deswegen stellt uns das vor keine Probleme", so der Sprecher der Polizeidirektion Görlitz, Tobias Sprunk.

Der Nutzungsvertrag sei gekündigt worden, die letzte Übung habe im Dezember vorigen Jahres stattgefunden. "Derzeit wird das Training für besondere Einsatzlagen, wozu auch Amokläufe und terroristische Bedrohungen zählen, sachsenweit neu organisiert. Künftig läuft das nicht mehr über die Polizeidirektionen, sondern zentral. In diesem Zuge werden auch im gesamten Freistaat geeignete Objekte dafür gesucht", so Tobias Sprunk.

Die Stadt Bautzen jedenfalls will jetzt klar Schiff machen: "Es sind sämtliche auf dem Gelände befindlichen Gebäude und Außenbefestigungen abzubrechen", erklärt Baubürgermeisterin Juliane Naumann (parteilos).

Zuvor müssen die Gebäude von den noch vollständig vorhandenen Medienanschlüssen getrennt werden. "Auch Stützmauern und Treppen werden abgebrochen", so die Bürgermeisterin. Nach Abschluss der Arbeiten wird das Gelände begrünt und eingefriedet.

Die Kosten belaufen sich auf 360 000 Euro und werden aus dem Förderprogramm "Stadtumbau Ost" zu 90 Prozent bezuschusst. Der Baubeginn soll in der Woche ab dem 26. September erfolgen.

Eine weitere schulische Nutzung, so stellt Juliane Naumann klar, sei "aufgrund der örtlichen und räumlichen Gegebenheiten nicht sinnvoll." Durch die derzeitige bauliche Erweiterung der Curiegrundschule auf vier Züge sei der Bedarf des Wohngebietes auf absehbare Zeit gedeckt.

Wie in den meisten ostdeutschen Städten, so spiegelt auch in Bautzen die Schullandschaft die demografischen Veränderungen seit 1990 wider. Gab es 1990 16 polytechnische Oberschulen (1. bis 10. Klasse), so sind es heute noch sechs Grundschulen (davon eine private) sowie vier Oberschulen (jeweils einschließlich sorbisches Schulzentrum).