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| 15:20 Uhr

Lauta
Einmal von Kuwait in die Lausitz

Marlén und Christian Krauß haben es sich nach ihrer Rückkehr aus Kuwait in ihrem Lautaer Wohnzimmer gemütlich eingerichtet. Die Stadt soll zu ihrer neuen Heimat werden. Darauf freut sich das Ehepaar schon: Lauta ist wegen der guten Lage und der schönen Natur perfekt für sie.
Marlén und Christian Krauß haben es sich nach ihrer Rückkehr aus Kuwait in ihrem Lautaer Wohnzimmer gemütlich eingerichtet. Die Stadt soll zu ihrer neuen Heimat werden. Darauf freut sich das Ehepaar schon: Lauta ist wegen der guten Lage und der schönen Natur perfekt für sie. FOTO: Anja Guhlan
Lauta. Das Ehepaar Krauß kehrt nach mehreren Jahren von Asien nach Deutschland zurück. Ihre neue Wahlheimat ist Lauta. Von Anja Guhlan

Dreieinhalb Jahre waren sie meilenweit von der Heimat entfernt: Die beiden Sachsen Marlén und Christian Krauß sind frisch zurück aus Kuwait. Aus beruflichen Gründen hat es Christian auf die arabische Halbinsel in Vorderasien hingezogen. Seine Frau Marlén überlegte nicht lange. „Wir zogen schließlich beide mit unserem gesamten Hausrat nach Kuwait“, erinnert sich die heute 39-Jährige.

Das Leben in Kuwait war anders: Im Durchschnitt herrschen dort Temperaturen von 30 Grad Celcius. Aber auch 50 Grad sind keine Seltenheit. Demnach gibt es auch nicht viel Natur, stattdessen viel Wüstensand. „Ab und an haben wir auch Sandstürme erlebt“, erinnert sich Marlén.

Vor drei Monaten hat es sie schließlich wieder nach Deutschland verschlagen. Das berufliche Projekt von Christian Krauß war beendet. Da Marléns Eltern in Lauta einen freien Anbau besitzen, entschlossen sich beide, dort ihr neues Heim zu errichten. So wirklich kennen sie die Stadt aber nicht – nur von den kurzen Besuchen bei Marléns Eltern. Dennoch schwärmen beide von der Stadt. Christian freut sich besonders über die günstige Lage zwischen Berlin und Dresden. „Die grüne Natur und die Nähe zur Seenlandschaft sind einfach herrlich hier in Lauta“, so Marlén. „Wir genießen momentan jede freie Minuten in der Natur, denn genau das hat uns in Kuwait gefehlt. Wir haben uns als Naturersatz Palmen auf unsere Terrasse  gestellt und einen Graupapageien angeschafft, der uns jeden Morgen mit seiner Vogelstimme weckte“, erzählt Marlén Krauß, die sich auch in Lauta wieder einen solchen Vogel anschaffen möchte. „Jetzt können wir das Fenster aufmachen und zahlreiches Vogelgezwitscher hören“, schildert ihr Mann. Auch Radtouren sind wieder möglich. Das blieb den beiden wegen der tropischen Temperaturen in Kuwait  verwehrt. Auch freut sich das Ehepaar wieder über die kalte Jahreszeit. „Den Schnee vermisst man man irgendwann auch“, schmunzelt der 34-Jährige.

An das deutsche Leben müssen sich beide jedoch erst langsam wieder gewöhnen. „In Kuwait läuft vieles gelassener ab“, bemerkt Christian Krauß. Dort sind vereinbarte Termine weniger verbindlich als in Deutschland. „Man muss jederzeit damit rechnen, dass ein Termin kurzfristig verschoben wird oder sich der Gesprächspartner verspätet“, erzählt Marlén. Auf ihr Auto, dass sie von Kuwait nach Deutschland verschiffen ließen, warteten sie sechs Wochen. Mittlerweile ist es angekommen. Zum Glück. Denn damit besuchen sie derzeit ihre Familien und viele Freunde. „Klar haben uns Freunde und Familie mal in Kuwait besucht, aber der Kontakt war einfach weniger. Jetzt holen wir vieles nach“, so Marlén Krauß.

Nebenbei suchen die zwei nach einer geeigneten Arbeitsstelle. Marlén Krauß ist studierte Sozialpädagogin. In Kuwait hat sie überwiegend als Managerin gearbeitet, jetzt möchte sie gerne in den sozialpädagogischen Bereich zurück. Bei Christian Krauß, der gelernter Orthopädieschuhtechnikmeister und Betriebswirt ist, gibt es noch keine konkreten Vorstellungen. „Ich will mich zunächst umhören und Möglichkeiten kennenlernen. Vielleicht ergibt sich etwas Spannendes“, hofft er. Gerne würde er in einem Unternehmen arbeiten, dass flache Hierarchien besitzt – so wie in Kuwait. „Da konnte ich persönlich bei meinem Chef, der übrigens Multimilliardär ist, meine Ideen präsentieren. Das gefiel mir“, so Christian Krauß. Generell legen die Einwohner in Kuwait sehr viel Wert auf persönliche Beziehungen. „Ein Vorstellungsgespräch kann man mit einem Café-Besuch vergleichen. Man redet zunächst bei einem Kaffee viel über Persönliches, um sich kennenzulernen. Erst wenn die Chemie stimmt, kommt man zu den Fakten“, schildert Marlén.

Nachdem beide einen geeigneten Arbeitsplatz gefunden haben, wollen sie sich auch aktiv in Lauta einbringen. „Gerne möchten wir uns  in einem Verein engagieren“, meint der 34-Jährige. Ob sie nochmal gemeinsam ins Ausland gehen, wissen sie noch nicht. „Wenn sich noch einmal eine Gelegenheit bietet, dann bestimmt nicht mehr mit dem gesamten Hausrat“, meint Marlén. Christian nickt zustimmend. Zunächst wollen sie jedoch in Lauta die Zeit genießen, alles kennenlernen und sich eine neue Heimat aufbauen.

Marlen Krauß in Kuwait: Im Hintergrund sind die für die Stadt berühmten Wassertürme aus Stahlbeton zu sehen.
Marlen Krauß in Kuwait: Im Hintergrund sind die für die Stadt berühmten Wassertürme aus Stahlbeton zu sehen. FOTO: Privat / Marlen Krauß