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| 02:41 Uhr

Einkaufskomplex am Zoo brummt

Ende Oktober 2014 haben Aldi, Rewe und die dm-Drogerie auf der Zoowiese eröffnet.
Ende Oktober 2014 haben Aldi, Rewe und die dm-Drogerie auf der Zoowiese eröffnet. FOTO: S. Bartholome
Hoyerswerda. Nach langen Diskussionen zwischen Befürwortern und Gegnern haben die Geschäfte des Einkaufskomplexes auf der Zoowiese vor gut einem Jahr eröffnet. Was bleibt, ist ein geteiltes Echo: Während die Märkte brummen, wird der Altstadtkern nur bedingt durch das Quartier belebt. Sophie Bartholome

Für die drei Märkte auf der Zoowiese fällt die erste Bilanz nach über einem Jahr sehr gut aus. "Der Standort entspricht voll und ganz unseren Erwartungen", sagt ein Sprecher der Aldi GmbH & Co. Kommanditgesellschaft. Testweise sind die Öffnungszeiten des Aldi-Marktes vor Kurzem bis auf 21 Uhr erweitert worden. Auch Rewe könne sich hinsichtlich der Kundenfrequenz nicht beklagen. "Von Anfang an war der Zulauf trotz des Bürgerbegehrens ganz gut", erklärt auch Nadine Kummich, Filialleiterin des dm-Drogeriemarktes, rückblickend. Die Frequenz habe sich mittlerweile auch noch erhöht. Viele Kunden kämen aus dem Umland bis aus Senftenberg in die Teschenstraße.

Seit Ende Oktober 2014 hat Hoyerswerda an der Zoowiese die neue und stadtbildprägende Bebauung. Die Argumente der Befürworter des Bauprojektes in der Altstadt fußten damals in erster Linie auf der Steigerung der Attraktivität der historischen Altstadt. "Die versprochene Belebung der Altstadt ist nicht wirklich spürbar eingetreten", findet Thomas Böhm, einer der damaligen Gegner des Bauprojektes und Augenoptikermeister in der Altstadt. Die Leute würden gezielt zum Quartier am Zoo wegen ihres Lebensmitteleinkaufs kommen - den Weg bis in die Senftenberger-, Friedrich- oder Kirchstraße finden sie dabei meist nicht. Der Komplex fungiert als gesonderte Einheit. "Für uns sind es meiner Ansicht nach nicht mehr Kunden geworden", sagt Böhm, der als Mitglied der Bürgerinitiative "Zoowiese" damals federführend das Bürgerbegehren ins Rollen brachte. Ein größerer Zustrom an Leuten sei hingegen aber seit der Eröffnung des neuen Bürgerzentrums Braugasse 1 deutlich zu merken.

Ein Pluspunkt könne sich die Bürgerinitiative "Zoowiese" rückblickend auf die Fahnen schreiben: Zwar blieb die Gestaltung der Bauten auf der Zoowiese modern, dennoch wurde mit verschiedenen Höhen gearbeitet, damit die Supermärkte weniger gewaltig wirken. Altstadt-Händler Wolfgang Jochim vom Geschäft "wojo - Genuss und Freude" in der Schlossstraße war wiederum ein Befürworter des Bauprojekts und schätzt auch nach über einem Jahr die Situation positiv ein. "Der Einkaufskomplex hat zur Belebung der Altstadt beigetragen, sonst wäre sie wohl ausgestorben", findet der Inhaber, obwohl für ihn durch die Eröffnung der dm-Drogerie teilweise sogar ein neuer Konkurrent dazu gekommen ist. "Mein Geschäft läuft gut", sagt er. Dass er durch den Einkaufskomplex aber zahlreiche Neukunden gewonnen habe, könne er nicht bestätigen. Dies liege wohl eher an seiner gezielten Werbung.

Dass mehr Bewegung in die Altstadt durch die Märkte gekommen ist, bestätigt Frank Graumüller von der Klangapotheke am Markt. Obwohl die ehemalige Stadt-Apotheke bereits seit 2009 geschlossen ist, kämen immer noch Kunden mit einem Rezept in der Hand in sein Geschäft, in dem Unterhaltungselektronik angeboten wird. Meist handele es sich dabei um Neustadt-Kunden oder Leute aus dem Umland. Um aber wirklich mehr Kunden in den Altstadtkern zu locken, hätte man zielgerichteter mit einem neuen Verkehrskonzept arbeiten sollen, sagt er.

Zum Thema:
Das "Quartier am Zoo" hat von Beginn an für Diskussionen gesorgt. Kritiker hielten den neuen Supermarkt-Standort entweder für zu groß und zu wenig altstadttypisch, andere sogar für komplett überflüssig. Ein weiterer Kritikpunkt war, dass die Altstadthändler nicht vom Einkaufskomplex profitieren werden. Befürworter sahen den Einzelhandelsstandort Hoyerswerda wiederum dadurch gestärkt und durch das Projekt Arbeitsplätze gesichert. Zudem habe es vor dem Bau keinen Supermarkt in unmittelbarer Umgebung der Altstadt gegeben. 2012 hatte die "Bürgerinitiative Zoowiese" ein Bürgerbegehren ins Rollen gebracht, das jedoch aus formalen Gründen vom Stadtrat abgelehnt worden war.