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| 01:06 Uhr

Eingetauschten Rädersatz als Diebesgut enttarnt

Hoyerswerda/Leippe-Torno.. Ein „Dienstleistungsabkommen“ unter Kumpeln ging in die Hose. Und Daniel M. aus Leippe-Torno brachte es auf die Anklagebank. Der Platz ist ihm nicht fremd. Kathleen Weser

Doch Justitia war diesmal gnädig mit dem jungen Mann, der sich in seiner Bewährungszeit keine strafrechtlich relevanten Ausrutscher mehr leisten kann.
Karin L. - knapp bei Kasse, weil arbeitslos - hatte sich im Frühjahr des vergangenen Jahres in Lauta einen billigen fahrbaren Untersatz gekauft. Nicht straßensicher. Daniel M. bot sich an, den Golf flott zu machen, damit er technisch für den Straßenverkehr zugelassen werden konnte. Da die Reifen des Autos dem prüfenden Blick der Fachleute aber nicht mehr stand gehalten hätten, schlug Daniel M. der jungen Frau einen Tausch vor. Er war spitz auf die 16-Zoll-Alu-Felgen. Seine 15er-Räder hatten dafür ordentliche Reifen. Karin L. stimmte dem Handel zum gegenseitigen Vorteil zu, denn sie wollte und konnte sich eine komplett neue Bereifung nicht unbedingt leisten.
Nach mehreren Monaten, in denen das Fahrzeug der Jugendlichen auf dem elterlichen Grundstück von Daniel M. in Torno stand, ohne dass sich Karin L. nach Angaben des wegen Unterschlagung angeklagten Mannes für ihr Auto interessiert hätte, holte es ein heimisches Autohaus ab. Der Termin für die TÜV-Abnahme war ernsthaft ins Auge gefasst worden. Doch statt der Erfolgsmeldung musste Karin L. in der Werkstatt antanzen, wo die Polizei die von Daniel M. im Tausch erhandelten Felgen unter die Lupe nahm. Ein Kunde hatte sie als seine erkannt und erklärt, sie wären Diebesgut.
Daniel M. erklärte Strafrichter Bosco Näther gestern, er habe sie von einem Kumpel erstanden. In Besitz seines roten Flitzers, der zuletzt mit dem Alu-Felgen-Satz des alten Golf von Karin L. „beschuht“ war, sei er nicht mehr. Er habe Arbeit in Berlin bekommen. Aus Kostengründen habe er sich für ein Dieselfahrzeug entschieden und das Auto verkauft. Karin L., die Daniel M. nach dem Erlebnis mit der Polizei um die Rückgabe ihrer Reifen gebeten hatte, weil die das vermeintliche Diebesgut natürlich sicher stellte, hat Pech. Gesehen will sie haben, wie der junge Mann mit ihren Felgen am Auto durch Hoyerswerda gedüst sei. Allein wer kann beweisen, dass es wirklich ihre waren? Der Verteidiger von Daniel M. bemühte sich redlich, genau das in Erfahrung zu bringen.
In Schriftform hatte die junge Frau nichts in der Hand, was auf die konkreten Vereinbarungen zwischen ihr und dem Angeklagten schließen lässt. Ein Radio, das sie Daniel M. ebenfalls zum Einbau gegeben haben will, hat der nach eigenen Angaben nie erhalten. Die Klimaanlage, ebenfalls Gegenstand des „ominösen Reparaturauftrages“ , läge in der Garage der Eltern zur Abholung bereit. Wie vereinbart, behauptete Daniel M. Karin L. konnte sich an eine solche Absprache nicht erinnern. Sie hätte das Grundstück in Torno selbst gar nicht betreten. Das Fahrzeug wäre allein vom Personal der beauftragten Werkstatt abgeholt worden.
Den Vorwurf der Unterschlagung von fremdem Eigentum hat das Amtsgericht Daniel M. nicht nachweisen können. Das Verfahren wurde eingestellt. Ob Karin L. die eingetauschte Bereifung zurückerhält, hängt davon ab, ob der vermeintlich Bestohlene Zivilklage einreicht.