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| 19:23 Uhr

Schreibwettbewerb
Einfühlsame Worte für ein Tabu-Thema

Freyja Kurzweg von der Christlichen Schule Johanneum Hoyerswerda gehört zu den zehn Preisträgerinnen des Schülerschreibwettbewerbs 2017/18.
Freyja Kurzweg von der Christlichen Schule Johanneum Hoyerswerda gehört zu den zehn Preisträgerinnen des Schülerschreibwettbewerbs 2017/18. FOTO: Reinhard Hoffmann
Kamenz/Hoyerswerda. Freyja Kurzweg vom Johanneum in Hoyerswerda gewinnt den deutschlandweiten Schülerschreibwettbewerb. Von Reinhard Hoffmann

Sie stand im Wettbewerb mit 64 Schülern aus der Region, mit Gymnasiasten aus Dresden, Freiberg, Neubrandenburg und Hamburg. Als einzige Hoyerswerdaer Schülerin hat sie mitgemacht – und prompt gewonnen. Freyja Kurzweg vom Christlichen Gymnasium Johanneum in Hoyerswerda gehört zu den zehn Preisträgern des diesjährigen Schülerschreibwettbewerbs. Der deutschlandweit  ausgelobte Wettbewerb des Lessingmuseum Kamenz fand bereits zum 25. Mal statt.  In jedem Jahr werden Schüler ab der Klasse Neun aufgerufen, sich mit eigenen Texten zu Zitaten von Gotthold Ephraim Lessing einzubringen.

Freyja Kurzweg ist der Spaß am Schreiben anzumerken. Direkt nach der Preisverleihung erzählt sie von ihren vielseitigen Interessen und Hobbys. Die Gymnasiastin wohnt in Senftenberg und spielt im Kammerorchester der Musikschule Cello und manchmal auch Ukulele. Außerdem zeichnet sie gern und beschäftigt sich mit Sprachen. Mit ihren gerade einmal 15 Jahren will sie noch vieles ausprobieren – das liegt ihr am Herzen.

Als Schülerin der zehnten Klasse hat sie sich noch nicht auf einen Berufswunsch festgelegt und möchte ihre Talente und Interessen ausprobieren, weiter testen, sich überraschen lassen. Nach kurzem Nachdenken meint sie: „Irgendwie sollte mein künftiger Beruf mit Sprachen oder Schreiben zu tun haben“.

Die Jury hatte für den Wettbewerb “ Lessing zeilenweise“ drei Themen vorgegeben. Freyja entschied sich dafür, eine Erzählung zum Thema „ Der Blick des Forschers fand nicht selten mehr, als er zu finden wünschte“ zu schreiben. Diesen Satz lässt Lessing den weisen Nathan aussprechen. Wie auch viele der anderen Teilnehmer dachte sie zunächst über einen Beitrag zur Erforschung der Welt –  konkret über Christoph Kolumbus und die Entdeckung neuer Welten – nach. „Dann habe ich mich entschieden, die Gefühls- und Gedankenwelt eines gleichaltrigen Jungen zu beleuchten“. In ihrem Text bringt sie dem interessierten Publikum die Konflikte eines Heranwachsenden nahe, der versucht, sich selbst zu erkennen. Sie schildert in einfühlsamen Sätzen die Selbstzweifel des Jungen und seinen schweren Weg. Der Protagonist ihrer Erzählung ist schwul. Freyja stellt für ihren fiktiven Altersgefährten  fest: „Er sucht nach sich selbst und findet Konflikte in, mit und um sich, denen er sich stellen will.“

Es ist ihr erster veröffentlichter Text. Bei den Besuchern der Auszeichnungsveranstaltung im Theater der Stadt Kamenz kam er außerordentlich gut an. Die Laudatio zu dem Schreibbeitrag hielt Pfarrer Michael Gärtner aus Kamenz. Er bescheinigte ihr einen vom ersten bis zum letzten Satz lesens- und nachdenkenswerten Text. Der langjährige erfahrene Laudator lobte das feinsinnige gute sprachliche Geschick ihrer Sätze. Dem oft tabuisierten Konflikt von Homosexuellen mit sich und ihrer Umwelt  widmeten sich auch noch zwei weitere Schreiberinnen. Die Texte der Preisträger wurden im Theater von Kamenz eindrucksvoll von Studenten der Dresdener Musikhochschule vorgetragen. Die Stadtverwaltung druckt die Siegertexte in einer Broschüre ab.