Viele Faktoren können dazu führen, dass jemand als benachteiligt gilt: Krankheit, eingeschränkte körperliche Leistungsfähigkeit oder eine lückenhafte Ausbildung zählen dazu. Dass ein Bewerber die deutsche Sprache ordentlich beherrscht, setzen Arbeitgeber berechtigterweise zumeist als selbstverständlich voraus.
Doch gerade hier gibt es in vielen Fällen gravierende Mängel. Um ein wenig Abhilfe zu schaffen, hat das Arbeits- und Sozialzentrum des Landkreises Kamenz ein spezielles Programm aufgelegt, um den entsprechend Benachteiligten zu helfen. „Kommunikation und Kreativität“ lautet der Titel der Maßnahme, die auf der Basis von 1-Euro-Jobs seit August in Zusammenarbeit mit der Berufsakademie Ostsachsen GmbH (BAO) in Kamenz verwirklicht wird.
„Gegenwärtig wird diese Maßnahme zum ersten Mal durchgeführt“ , berichtet die Leiterin der BAO-Schulungszentren Kamenz und Hoyerswerda, Sieglinde Kernchen. „Sie läuft parallel in zwei Gruppen - zum einen mit Jugendlichen, zum anderen mit Frauen. In beiden Gruppen nehmen jeweils 15 Arbeitslosengeld II-Empfänger an der Maßnahme teil.“
Die Teilnehmer, so Petra Zill, Sachgebietsleiterin im Arbeits- und Sozialzentrum, seien mit „niedrigsten Voraussetzungen“ in das Projekt eingestiegen. Sie hätten gravierende Probleme, sich schriftlich in der deutschen Sprache auszudrücken. Das Programm „Kommunikation und Kreativität“ verfolge zwei Ziele: „Zum einen sollen die Beteiligten - unter anderem am PC - im Umgang mit der Sprache fit gemacht werden, zum anderen aber auch einer kreativen und nützlichen Tätigkeit nachgehen können.“ Dazu zählen unter anderem Holzschnitz-, Bastel- und Malarbeiten. Die gefertigten Fensterbilder und Gestecke werden kostenlos an gemeinnützige Einrichtungen, beispielsweise Kindergärten, abgegeben.
Für die Teilnehmerinnen selbst scheint vor allem der zuletzt genannte Aspekt im Vordergrund zu stehen. „Für mich ist es das Wichtigste, wieder unter Leuten zu sein und etwas machen zu können, was mir Spaß bereitet“ , erklärt beispielsweise Helga Knauer, während sie liebevoll ihre selbst ausgesägten Holzpuzzleteile bemalt. Und Kerstin Lieback meint: „Die Holzsägerei hat es mir richtig angetan. Das könnte ich mir schon dauerhaft vorstellen.“ Sie ist aber auch mit Eifer dabei, ihre Deutschkenntnisse aufzubessern - in erster Linie, um ihrem siebenjährigen Sohn bei den Schularbeiten helfen zu können: „Da möchte man schon ein bisschen die Rechtsprechung beherrschen.“ Ob die erworbenen Fähigkeiten tatsächlich dabei helfen, eine feste Arbeit zu finden - in dieser Frage zeigen sich die Frauen eher skeptisch. „Viele von ihnen sind schon seit Jahren arbeitslos, wurden von einer Maßnahme in die nächste geschickt“ , erläutert Sieglinde Kernchen. „Auch zu Beginn dieses Lehrgangs herrschte eher die Einstellung: 'Was soll das denn nun schon wieder.'“ Doch dies sei bereits nach den ersten Tagen verflogen, die Teilnehmerinnen hätten schnell Spaß und Freude gefunden, was diese auch selbst einhellig bestätigen. Ob sich daraus allerdings tatsächlich realistische Chancen am Arbeitsmarkt ergeben, darf mit Skepsis beurteilt werden. Schließlich handelt es sich bei den vermittelten Kenntnissen um Grundlagen auf einfachem Niveau, und auch die kreativ-handwerklichen Tätigkeiten tragen eher Hobbycharakter. „Unsere Frauen sind nach dem Lehrgang in der Lage, eine fehlerfreie Bewerbung zu schreiben, und auch das Selbstvertrauen wächst“ , betont Sieglinde Kernchen. Und das ist doch schon einmal immerhin etwas.