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Eine Stimme für das King-Haus

Pfarrer Jörg Michel engagiert sich als Vorsitzender des Glockenvereins für den Bau des Glockenturms am King-Haus.
Pfarrer Jörg Michel engagiert sich als Vorsitzender des Glockenvereins für den Bau des Glockenturms am King-Haus. FOTO: chk1
Hoyerswerda. In wenigen Wochen startet der Bau des Glockenturms am Martin-Luther-King-Haus. Die Gesamtkosten sind mit knapp 180 000 Euro veranschlagt. Einen großen Teil davon trägt die Kirchengemeinde selbst. Rund 37 000 Euro wurden bisher vom Glockenverein als Spenden gesammelt. Christiane Klein / chk1

Die Mitglieder des Vereins "Glocken für das King-Haus" haben einen langen Atem gebraucht: Vor rund 15 Jahren wurde die Idee geboren, die Kirche im Zentrum der Neustadt zum Klingen zu bringen. "Es ist schön, dass die Kirche nach fast 50 Jahren endlich eine Stimme bekommt. Denn bei der Erweiterung der alten Friedhofskapelle zu DDR-Zeiten waren die Glocken bewusst weggelassen worden, damit die Kirche nicht weithin hörbar ist", sagt Pfarrerin Antje Kruse-Michel von der Evangelischen Kirchengemeinde Hoyerswerda-Neustadt.

Jetzt soll sich das ändern: Die Glocken sollen künftig zu den Gottesdiensten, aber auch zu feierlichen Anlässen wie Trauungen läuten. Stundenschläge oder nächtliches Läuten seien mit Rücksicht auf die Anwohner nicht geplant. Im Jahr 2000 bekam der Turm ein erstes "Gesicht" durch die Diplomarbeit eines Gemeindegliedes, Hagen Schmaler. Seit 2006 macht sich der Glockenverein mit Pfarrer Jörg Michel an der Spitze stark für das Projekt. Nun sind die Initiatoren fast am Ziel: In den vergangenen Wochen wurde bereits Baufreiheit auf dem Gelände an der vorderen Außenseite des Kirchensaals geschaffen, wo der Glockenturm entstehen soll.

Voraussichtlich im Mai soll der Bau starten. Die Überarbeitung des ersten Entwurfes hat der Hoyerswerdaer Bauplaner Thomas Gröbe übernommen. Der Glockenstuhl an sich wurde von Olaf Kempe von der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden entworfen, der die Neustadt-Gemeinde wie auch der Glockensachverständige der Evagelisch-Lutherischen Landeskirche Dr. Rainer Thümmel aus Radebeul seit vielen Jahren bei dem Vorhaben begleitet. Den Plänen zufolge entsteht ein schlichter, trapezförmiger Turm aus Mauerwerk mit Schallluken, die durch Holzjalousien verkleidet werden.

"Das Geläut soll von außen durch ein Fenster, das über Eck geht, sichtbar sein", erklärt Jörg Michel. Er freut sich darauf, die drei Glocken, die die Kirchengemeinde vor vielen Jahren in Osnabrück erworben hat, endlich läuten hören zu können.

Noch stehen die drei Zinn-Bronze-Glocken, die das Gloria-Motiv "Ehre sei Gott in der Höhe" bilden und die Aufschrift "Land, Land, Land, höre des Herren Wort" tragen, im Inneren des King-Hauses. "Uns wurde vom Glockensachverständigen die exklusive Qualität der Glocken bestätigt", sagt Pfarrer Jörg Michel.

Derzeit laufen nach Angaben der Neustadt-Kirchengemeinde, die Bauherrin des Projekts ist, die Ausschreibungen der einzelnen Bauleistungen. Die Baukosten belaufen sich auf rund 178 500 Euro. Die Summe wird zu je einem Viertel vom Bund, dem Freistaat Sachsen, der Kirchengemeinde und der Stadt Hoyerswerda getragen. Laut Finanzierungsplan übernimmt die Stadt vom kommunalen Anteil zehn Prozent. Den Rest trägt die Kirchengemeinde und hat dafür in den vergangenen Jahren bereits fleißig Spenden gesammelt. "Die Suche nach Sponsoren läuft weiter. Wir freuen uns sehr über jede Spende", betont Antje Kruse-Michel. Wenn der Bau nach Plan läuft, dann soll der Glockenturm im Herbst dieses Jahres eingeweiht werden.