ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 09:26 Uhr

Eine Stadt in Aufbruchstimmung

Bürgermeister Hellfried Ruhland.
Bürgermeister Hellfried Ruhland. FOTO: rs
Lauta.. Das Jahr 2004 in der Stadt Lauta – das war wesentlich mehr als nur die offizielle Inbetriebnahme der Müllverbrennungsanlage, eines der umstrittensten Großprojekte der letzten Zeit. Trotz aller Probleme sei es dabei gelungen, so das Fazit von Bürgermeister Hellfried Ruhland, die eigenen Vorstellungen von der künftigen Stadt wieder ein Stück weiterzuentwickeln.

Was bleibt beim Verwaltungschef an positiven Erinnerungen an das Jahr 2004 haften? Ich denke, wir sind auf verschiedenen Gebieten gut vorangekommen. Es gab einige Investitionen in die Infrastruktur der Stadt, ich denke dabei nur an die Weiterführung des Schmutzwasserkanalbaus, an die Vorhaben im Förderdorf Lauta-Dorf oder auch an Projekte im Ortsteil Laubusch. Für die dortige Feuerwehr haben wir ein neues Fahrzeug bestellt, das wir im ersten Quartal 2005 übergeben wollen. In Lauta wurden – in Bauherrschaft des Landkreises – die ersten Schritte zur Sanierung der Mittelschule vollzogen, in unseren beiden Grundschulen in Lauta und Laubusch konnten wir jeweils ein Computerkabinett installieren. Und auch von der verwaltungstechnischen Seite ist einiges geschehen. Das betrifft zum Beispiel die Umsetzung des integrierten Stadtentwicklungskonzeptes.

Hier liegt der Schwerpunkt auf Laubusch? Das ist richtig, doch dabei möchte ich ausdrücklich sagen, dass sich die Rückbaumaßnahmen der Wohnungsgenossenschaft bis auf ein Projekt, was wir per Stadtratsbeschluss noch nachträglich aufgenommen haben, an das vom Stadtrat beschlossene Konzept halten. Ein Beweis dafür, dass es hier – entgegen so manch anderer Meinungsäußerung – durchaus planmäßig vonstatten geht.

In Lauta bildeten die Initiativen zur Entwicklung des Stadtzentrums einen Schwerpunkt? Nach dem Bekenntnis des Stadtrates, hier das neue Lautaer Zentrum zu etablieren, haben wir uns dem Programm City-Offensive angeschlossen, haben Konzepte entwickelt, was zum Beispiel mit der ehemaligen ZRA einmal geschehen kann. Zuvor mussten wir das Gebäude natürlich erst einmal vom Insolvenzverwalter erwerben, als Sicherungskauf sozusagen, mit dem Hintergrund, es später einmal selbst vermarkten zu können.

Dafür gab es auch Kritik? Die Befürworter sind allerdings in der deutlichen Überzahl, schließlich gibt es ja auch ein Stadtratsvotum. Und auch die Resonanz auf unsere Vorstellungen bei Vereinen und Organisationen beweist uns, dass wir uns hier auf dem richtigen Weg befinden. Auch wenn natürlich noch nicht alle Ideen in die Tat umgesetzt werden konnten.

Die Gewerbemesse, zum Beispiel, sollte eigentlich ihre Premiere in den ZRA-Hallen erleben, musste dann aber doch kurzfristig in die Mittelstraße ausweichen? Es gab einige Startprobleme, die dieses Vorhaben in der eigentlich angedachten Form nicht ermöglichten. Dennoch wollten wir mit dem Wechsel vom Lautech in die Mittelstraße dokumentieren, dass wir an der Entwicklung der Stadtmitte in Lauta interessiert sind. Das spiegelt sich nicht nur in dieser Veranstaltung wider, wir haben auch eine Umfrage gestartet, bei der es sicherlich verschiedene Meinungen gab, insgesamt aber eine positive Meinungsäußerung festzustellen war. Dagegen konnten wir den Graffiti-Wettbewerb wie vorgesehen durchführen – mit einem sehr guten Echo. Wir sind bestärkt, an dieser Stelle weiterzumachen.

Erste Ergebnisse gibt es bereits am Zilleplatz zu sehen? Hier wurden drei Wohnblöcke in die Sanierung genommen. Die Arbeiten sollen in diesen Tagen abgeschlossen werden. Wir haben als Unterstützung für dieses Areal eigens den Bebauungsplan geändert und werden auch an dieser Stelle weiter dranbleiben.

Gute Voraussetzungen also, um zum Beispiel die Landesgartenschau im Jahr 2009 auszurichten? Die Bewertungskommission hat beim Besuch in unserer Stadt festgestellt, dass wir die Kriterien, die an einen Ausrichter der Gartenschau gestellt werden, erfüllen. Ich möchte dabei auch positiv herausstellen, dass wir von der Kommunalaufsicht die Bestätigung bekommen haben, dass wir die angedachten finanziellen Belastungen schultern könnten. Für die Bewertungskommission könnte das neben dem einstimmigen Stadtratsbeschluss ein wichtiges Kriterium bei der Entscheidungsfindung sein. Ich denke also, unsere Chancen stehen gar nicht so schlecht.

Von derartigen Großveranstaltungen versprechen sich die Ausrichter immer auch eine Belebung für die gesamte Region. Für das eigene Industriegebiet wären neue Impulse bitter nötig? Die Situation ist hier nicht befriedigend. Abgesehen von der offiziellen Inbetriebnahme der TA Lauta konnten wir hier im vergangenen Jahr keine nennenswerte weitere Besiedlung erreichen, was aber nicht heißt, dass es hier einen Stillstand gibt. Ein Beispiel: Die angedachte Gummi-Pyrolyse-Anlage der ungarischen Investoren befindet sich jetzt in der Phase der konstruktiven Gespräche. Ich gehe davon aus, dass das eine belastbare Investition ist in der Hinsicht, dass sie sich am Standort Lauta etablieren könnte. Eine zweite Investition ist der Gewächshaus-Bereich. Dort werden die Gespräche demnächst anlaufen. Eine andere Geschichte ist der derzeitigen Energiepolitik geschuldet. Auf der Fläche des ehemaligen Kraftwerkes soll eine Photovoltaik-Anlage errichtet werden. Leider ist dieses Vorhaben nicht besonders Arbeitskräfte-intensiv.

In Laubusch wollte sich das Unternehmen Apikal erweitern. Doch hierbei gab es Probleme? Hier sind wir in eine Wartestellung gekommen, weil durch ein gerichtliches Beweissicherungsverfahren zu ermitteln ist, wie die Bauschäden am bestehenden Gebäude zu erklären sind. Die Absicht des Unternehmens Apikal besteht allerdings weiterhin, die Erweiterung einer Produktionshalle anzugehen.

Nicht ganz nach Plan verlief auch das Straßenbauvorhaben in der Oststraße? Hier sollte sich der Bau der Kreisstraße an den Schmutzwasserkanalbau des Abwasserzweckverbandes anschließen. Das ist leider nicht gelungen, aus verschiedensten Gründen. Mittlerweile gibt es wohl das grüne Licht hinsichtlich der Fördermittel durch das Regierungspräsidium, sodass sich der reine Straßenbau sehr wahrscheinlich nach dem Winter anschließen wird.

Dann hätten Sie auch gerne in der Karl-Liebknecht-Straße Aktivitäten beim Ausbau des Bahnübergangs gesehen. Die Entscheidung der Bahn AG, den Ausbau der Niederschlesischen Magistrale nicht fortzuführen, bleibt allerdings wohl auch für Lauta nicht ohne Auswirkungen? Das betrifft in Lauta nicht den Gleiskörper, sondern es gibt die Folge, dass die Bahnübergänge nicht ausgebaut werden, was besonders für die Karl-Liebknecht-Straße wünschenswert gewesen wäre, weil hier auch ein Hauptschülerweg langführt und die Zustände auf die Dauer nicht hinnehmbar sind. Hier werden wir versuchen, mit der Bahn einen Kompromiss zu finden, wie wir diesen Übergang verbessern können, damit der Schulweg sicherer wird.

Und die geplante Lärmschutzwand entlang der Bahnstrecke? Hier ist mir bekannt, weil es ein anderer Bereich innerhalb der Bahn AG ist, dass an diesem Vorhaben festgehalten werden soll. Im Frühjahr sollen die Baugrunduntersuchungen vorgenommen werden, mit einem Baubeginn wird Ende 2005 gerechnet.

Gerade dieses Vorhaben kann auf eine breite Unterstützung der Einwohnerschaft bauen, wie bewerten Sie allgemein die Stimmungslage in der Stadt? Ich glaube, dass wir hier von einer durchaus optimistischen Einstellung sprechen können. Dazu müssen allerdings auch Ziele benannt werden, für die es sich im Interesse der Stadt lohnt zu arbeiten. Man muss ganz einfach den Mut haben, solch Dinge wie die Landesgartenschau anzugehen, und die richtigen Partner ins Boot holen, damit wir zu einer positiven Grundstimmung kommen. Es geht vorwärts. Ähnliches gilt für den Hoyerswerdaer Autobahnzubringer zur A 13. Da haben wir aus berufenem Munde seitens des Straßenbauamtes Meißen eine halbwegs realistische Zielstellung genannt bekommen. Wenn man dann davon ausgehen kann, dass 2008 oder 2009 der Baubeginn erfolgt , dann bieten sich ganz andere Möglichkeiten für die Gewerbeansiedlung, denn in Lauta soll die Trasse durch das Werksgelände führen. Ein sehr anspruchsvolles Vorhaben, das natürlich auch seine Vorbereitung braucht.

Nicht so lange gedulden können und wollen sich die Laubuscher, die derzeit mit großen Verkehrsproblemen zu kämpfen haben? Hier ist nicht nur die Frage der Sicherheit des Schülerverkehrs, sondern auch die Belästigung der Anwohner zu klären. Da gibt es sicherlich noch Gespächsbedarf, nur wir kennen die Aussage des Landratsamtes, man weiß in Kamenz um die Problematik, dass die Straße ausgebaut werden muss oder dass man eine Alternative findet, vielleicht auch nur als eine Teilumfahrung, diese Zielstellung besteht nach wie vor.

Wenn Sie in einem Jahr nach einer Schlagzeile gefragt werden, die Sie gerne über Ihren Ort gelesen haben, welche wäre Ihnen dann am liebsten? Eine Schlagzeile wäre: Eine Industrieansiedlung wird nach Lauta kommen. Doch auch eine zweite könnte ich mir durchaus vorstellen: Lauta erhält den Zuschlag für die Ausrichtung der Landesgartenschau 2009.

Mit HELLFRIED RUHLAND sprach Sven Hering
........................................................................................................................................................................................................................................
Hintergrund: Lauta

Einwohner: 8498

Zuzüge: 318

Wegzüge: 422

Geburten: 46

Todesfälle: 84

Hochzeiten: 41

Arbeitslose: 1262

Sozialhilfeempfänger: 130
........................................................................................................................................................................................................................................