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Eine Meisterleistung von Generationen

Donnerstag wurde fleißig fürs Fest Hand angelegt, so auch auf der Bühne.
Donnerstag wurde fleißig fürs Fest Hand angelegt, so auch auf der Bühne. FOTO: Regina Weiß
Kreba-Neudorf. Nicht mal mehr die Mücken trauen sich am Donnerstagabend raus, als plötzlich jemand über dem Schöps in Kreba-Neudorf die Schleusen öffnet. Es regnet nicht, es schüttet regelrecht. Regina Weiß

Bei Heidrun Mende, ehemalige Bürgermeisterin des Ortes, kommen da sofort Erinnerungen an 1981 auf. Hochwasser gab es da just an dem Wochenende, als das Dorf sein Sommer-, Sport- und Parkfest feiern wollte. Die Nerven lagen blank, doch das Fest fiel nicht ins Wasser.

In diesem Jahr natürlich auch nicht, schließlich haben die Organisatoren auch daran gedacht, schönes Wetter zu bestellen. Steht doch ein Jubiläum ins Haus. Das 900-Seelen-Dorf kann stolz sein, sein 70. Fest feiern zu können. Es sei quasi eine Meisterleistung, an der ganze Generationen mitgewirkt haben. Jahrzehnte auch Heidrun Mende und ihr inzwischen verstorbener Mann Eckhard.

Jetzt hält ein vierköpfiges Organisationskomitee die Fäden in der Hand. Das sind Andrea Waurig, Manuel Zablata, Christian Mirle und Reiner Preuß. Er hat am Donnerstagabend auch seinen Ordner am Mann. Nichts geht ohne Verträge und "Muttizettel". 27 Punkte sind es, die als Merkliste jedem Fest voranstehen. Da geht es um neue Ideen und die Absicherung des Ausschanks, den Rummel oder die Kassierung. Zig Dinge, die organisiert werden müssen. Und die zupackende und engagierte Menschen brauchen. "Rund 350 Helfer sind im Einsatz", rechnet Andrea Waurig mal fix zusammen. Viele davon sind vor und beim Fest in Mehrfachfunktion - mal am Ausschank, dann wieder bei der Festübung. "Es ist ein Dauerlauf", umschreibt es Reiner Preuß mit einem Lachen. Der Vergleich passt, denn der Sport kam all die Jahre beim Fest nicht zu kurz und hatte am Anfang auch eine tragende Rolle.

Das ist in der Broschüre zum Fest nachzulesen, die in Wort und vor allem mit vielen Bildern die zurückliegenden Jahrzehnte Revue passieren lässt. Aus dem Maibaumwerfen entstand kurz nach dem Krieg das Sommer-, Sport- und Parkfest. Parallel zum Fest wuchs die Sportanlage gleich neben dem Schloss. Dort wurden Tausende Arbeitsstunden geleistet und Kraft reingesteckt, verrät die kleine Chronik.

"Auch heute noch planen Familien mit Blick aufs Fest ihren Urlaub", sagt Andrea Waurig. Veränderungen war und ist das Fest in Kreba unterworfen. Doch was sich all die Jahre nicht geändert hat, dass sich immer genügend Mitmacher gefunden haben. Dabei wird die Sportgemeinschaft des Ortes von anderen Vereinen unterstützt. "Nur so funktioniert es", findet Reiner Preuß.

Mit seinem Programm brauche sich das Fest in der Region nicht zu verstecken. Im Gegenteil, die Sportfestübung - jetzt auch Tanzshow genannt - könne sich sachsenweit sehen lassen. "Ich glaube, so etwas gibt es weit und breit nicht noch mal", so Preuß. In diesem Jahr stehen 170 Mädchen und Frauen auf dem Sportplatzrasen, um Gäste aus nah und fern zu unterhalten und ihre sportlich-tänzerische Seite zu zeigen. "The best of Kreba - 70 Jahre Sportfestübung" ist dann auch der Slogan für den Auftritt am Sonntag ab 14.20 Uhr.

In diesem Jahr haben es sich auch die etwas reiferen Damen nicht nehmen lassen und sich noch einmal an die erlernten Tanzschritte erinnert. "Im weißen Hemd und im Faltenrock sind wir damals einmarschiert", erzählt Heidrun Mende. Damit jede Falte saß, wurde Kartoffelstärke verwendet. Noch früher wurden die Kostüme aus Gardinen genäht, weil nichts anderes da war. Heute gibt es einen Fundus, auf den die Frauen zurückgreifen können, und ein nach wie vor ein flottes Nähteam.

Teamarbeit ist nicht nur bei der Sportfestübung erforderlich, auch die Showtanzgrupppe des Ortes übte fleißig für ihre Auftritte. "Die tanzen richtig professionell. Die 15- bis 18-Jährigen können sich echt sehen lassen", lobt Reiner Preuß.

Und dann sprudelt wasserfallartig aus ihm heraus, was das Programm im Jubiläumsjahr alles zu bieten hat. So wird beim Kinderfest das "Supertalent" gesucht, bei Boule, Volleyball und Fußball kommt der sportliche Gedanke nicht zu kurz. Zum zweiten Mal gibt es ein Zweirad-Oldtimertreffen, der "Kessel Buntes" erwartet heute Abend die Gäste. Und die Jugend-Dance-Party mit DJ Romano sorgt bis drei Uhr am Sonntag für Stimmung.

Die Fallschirmspringer halten Kreba schon lange die Treue. "In diesem Jahr werden sie wieder aus einer AN 2 abspringen. Das heißt, zwölf Fallschirmspringer sind dabei. Und wenn alles klappt, fliegt die AN 2 in 150 Metern Höhe über den Platz und wackelt mit den Flügeln. Da kriege ich jetzt schon Gänsehaut", so Reiner Preuß. Eher die Lachmuskeln dürfte das ansprechen, was die Showturner "Crash Dummy" zeigen. "Fantasy" ist seit vielen Jahren bei Schlagerfans ein Begriff. Sie werden Sonntagnachmittag auf der Bühne stehen. Schon Anfang des Jahres wurde dafür der Vertrag unter Dach und Fach gebracht.

Apropos Künstler. Auch da hat Kreba-Neudorf über all die Jahre von sich Reden gemacht. Andrea Jürgens, Roland Kaiser, die Randfichten, Christina Bach, Hansi Hinterseer und Wolfgang Petry standen auf der Bühne in Kreba genauso wie viele Stars aus DDR-Zeiten. Da schaffte es der Ort, bis zu 15 000 Besucher anzuziehen. Nur einmal wurde den Festmachern so richtig bange. Das war 1990. Die Währungsunion war erst wenige Tage alt, da feierte Kreba sein Fest. "Doch die Leute hielten ihr Geld fest", so Heidrun Mende.

Zum Thema:
Die Eintrittspreise: Wochenendticket 13 Euro, Samstag fünf Euro, Sonntag bis 18 Uhr acht Euro, Sonntag ab 18 Uhr fünf Euro. Kinder bis 14 Jahre haben Eintritt frei. Die Idee des Zweirad-Oldtimertreffens wurde beim Kromlauer Blütenfest abgeschaut. Zum zweiten Treffen gehört heute ab 17.15 Uhr einen Oldtimerkorso.Mit einem optischen Paukenschlag wird das Fest am Sonntagabend beendet. Dann gibt es musiksynchrones Feuerwerk. Ab 21.45 Uhr sollten dann die Gäste auf dem Festgelände sein. Park und Schloss werden an allen drei Abenden mit Licht besonders in Szene gesetzt.16 Vereine aus der Region können sich über jeweils drei freie Eintrittskarten zum Fest freuen, darunter die Karnevalsvereine Daubitz und Uhyst sowie der Waldeisenbahnverein. "Wir halten das für eine gute Idee", so Reiner Preuß. www.gemeinde-kreba-neudorf.de

Zur Festübung werden in diesem Jahr 170 Mitwirkende erwartet.
Zur Festübung werden in diesem Jahr 170 Mitwirkende erwartet. FOTO: Verein