ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 13:36 Uhr

Jugendhaus
Eine lässige Clubleiterin, die aber auf Regeln Wert legt

Etwas flippig, aber konsequent: Lisa Rosolski (27) ist die neue Leiterin des Jugendhauses. Mit Jugendlichen hat sie gemeinsam Regeln für das Haus aufgestellt.
Etwas flippig, aber konsequent: Lisa Rosolski (27) ist die neue Leiterin des Jugendhauses. Mit Jugendlichen hat sie gemeinsam Regeln für das Haus aufgestellt. FOTO: Anja Guhlan
Lauta. Das Jugendhaus in Lauta wird jetzt von Lisa Rosolski geleitet. Sie setzt auf Mitbestimmung der Besucher. Von Anja Guhlan

Die Pfeile fliegen gezielt auf die ein paar Meter entfernte Dartscheibe. Treffer. Jubel bei den Jugendlichen und auch bei Lisa Rosolski. Die 27-jährige frischgebackene Sozialpädagogin leitet seit November 2017 das Jugendhaus des Internationalen Bundes in Lauta am Lessingplatz. Vom Spätsommer bis zum Herbst des vergangenen  Jahres hinein war dieser Anlaufpunkt für junge Leute mangels fehlender Leitung geschlossen. Lisa Rosolski, die aus Hosena  stammt,  hatte gerade erst ihre Ausbildung zur Sozialpädagogin beendet, als sie von der freien Stelle erfuhr. Sie bewarb sich und wurde genommen.

Seit November versucht sie sich nun auf die rund 30 Jugendlichen, die das Haus regelmäßig nutzen, einzustellen. „Das ist manchmal nicht ganz einfach“, sagt sie. Lisa, so wie sie von den Jugendlichen genannt werden darf, spielt mit ihnen Dart oder Billard, macht viele Späße einfach mit, hört ihnen aber auch bei Problemen zu. „Ich bin noch dabei von einigen Jugendlichen das Vertrauen zu gewinnen“, so die Hosenaerin. Das braucht Zeit und gute Ideen, wie die eigene  WhatsApp-Gruppe des Hauses oder die Neuauflage der Jugendhausseite bei Facebook.

Mit ihren Tattoos und ihrem Nasenring wirkt sie auf die Jugendlichen lässig und cool. Ihr Stil scheint anzukommen. Auch ist Lisa Rosolski mit ihrem Alter den Besuchern des Hauses in deren Gedankenwelt recht nah. Doch das Alter spielt laut Rosolskis Ansicht keine Rolle. „Das hat eher etwas mit Persönlichkeiten zu tun“, sagt sie.

Für die Winterferien hatte sich die neue Leiterin gemeinsam mit den Jugendlichen auch ein paar Thementage überlegt. So wurde gekocht und gebastelt, Stockbrot wurde über dem Lagerfeuer gebacken, Mandalas wurden gezeichnet. Es gab auch Tage, die einfach mit „Offener Treff“ überschrieben waren. „Die Jugendlichen sollen selbst bestimmen, was sie machen wollen“, sagt Lisa Rosolski. Sie legt viel Wert auf Mitbestimmung.

Ebenso auf Regeln. So hat sie mit den Jugendlichen gemeinsam ein Regelwerk auf das Papier gebracht. So gibt es auf dem Din-A4-Blatt Punkte wie An- und Abmelden mittels Begrüßung, Musiklautstärke in Maßen, keine Drogen und kein Alkohol, geraucht werden darf nur außerhalb des Geländes. Es wird aufgeräumt, was benutzt wurde, heißt es weiter. Der eingerichtete „Kummerkasten“ soll ernsthaft benutzt werden. Und stets sind zwei Jugendliche für das Säubern der Küche verantwortlich.

Bei zwei Regelverstößen gibt es eine Verwarnung. Bei drei eine Woche Jugendhaus-Verbot. „Das Verbot musste ich erst einmal aussprechen, aber seitdem nie wieder“, erklärt Lisa Rosolski, bei der ein gutes und respektvolles Miteinander auch nur funktioniert, wenn einige Regeln gemeinsam aufgestellt wurden und sich diszipliniert daran gehalten wird.  Doch das geht die neue Leiterin recht entspannt an.

Eine größere Herausforderung ist die ganze Büroarbeit. Vieles muss organisiert, beantragt und dokumentiert werden. „Aber da finde ich mich auch noch richtig hinein“, ist Lisa Rosolski optimistisch. Die 27-Jährige hat vor länger zu bleiben, denkt auch über einen Umzug nach Lauta nach.

Das Jugendhaus steht für Kinder ab neun  Jahren offen. „Die meisten sind bereits 12, 14, 17 oder manchmal über 20 Jahre alt. Es wäre schön, wenn wir hier auch Neun- oder Zehnjährige begrüßen könnten“, so Lisa Rosolski. Auch sie könnten die Aktivitäten des Hauses mitbestimmen.  Hausaufgabenbetreuung wäre ebenso möglich, sagt Lisa Rosolski, bevor sie wieder die Dartpfeile in die Hand nimmt.