Dass Menschen gemeinsam um ihre Toten trauern, ist äußerst hilfreich. Eine Gemeinde trauert mit denen, die einen Angehörigen verloren haben. Ein Dorf gedenkt ehemaliger Nachbarn und Mitbewohner. Diese gemeinsame Trauer ist wesentlich ermutigender als eine nur individuelle Trauer. Der nur einsam trauernde Witwer oder die allein trauernde Mutter sind wesentlich mehr gefährdet, ihre Trauer mit Tabletten und Alkohol zu "bewältigen" oder in Depression und Selbstmordgedanken zu versinken. Auch deshalb ist die Idee, dass Angehörige in Zukunft die Urnen mit nach Hause nehmen können, noch einmal zu überdenken. So unterschiedlich Trauer auch sein kann, Trauernde sollten mit ihrer Trauer nicht allein bleiben. Vom gemeinsamen Gedenken, Singen und Beten geht schon viel Kraft aus. Diese Kraft kann da, wo ich mich darauf einlasse, meine Trauer nicht nur mildern, sondern in Freude verwandeln. Da gehen plötzlich die Worte der christlichen Hoffnung direkt ins Herz. Christus spricht: "Ich lebe und ihr sollt auch leben." - Wer nur einmal und sei es nur für einen Augenblick diese Worte an sich herangelassen hat, der ahnt etwas von der Liebe Christi, von der Liebe Gottes, die auch vor dem Tode nicht halt macht. Christlicher Glaube ist nicht das sture Festhalten an einem obsoleten Gottesbegriff und auch nicht das zwanghafte Einhalten von Geboten, sondern die Gewissheit, dass die Liebe Gottes stärker ist als der Tod, dass Gott uns nicht vergisst. Solche Hoffnung befähigt Menschen angesichts des Todes, nicht in Depressionen, in Sinnkrisen zu verfallen, sondern trotzdem fröhlich ihre Tage zu leben. Ich lade besonders alle Trauernden ein, kommen sie am Sonntag in die Gottesdienste, lassen sie uns gemeinsam Lieder der Hoffnung anstimmen.Heinrich Koch ist der Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Hoyerswerda