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| 10:46 Uhr

„Eine Insel zum Auftanken“

Immer am Ball: Objektmanager Dietmar Simmank und Mitarbeiterin Dana Rahn bei den Vorbereitungen für die nächste Veranstaltung.
Immer am Ball: Objektmanager Dietmar Simmank und Mitarbeiterin Dana Rahn bei den Vorbereitungen für die nächste Veranstaltung. FOTO: Jana Wieduwilt
Lauchhammer. Aus dem etwas versteckt liegenden Gotteshaus klingen mit schöner Regelmäßigkeit Gesprächsfetzen, Lachsalven, klassische und gelegentlich schräge Töne. Seit 1999 ist die Kirche im Osten der Stadt von der Wequa GmbH angemietet worden, mit dem Ziel, im durch die Kirchengemeinde nicht mehr genutzten Gebäude, eine multikulturelle Begegnungsstätte mit vielfältiger Nutzung zu schaffen. Von Jana Wieduwilt

Inzwischen sind sechs Jahre vergangen und die Objektbetreuer können auf eine beachtliche Zahl von Veranstaltungen und ziemlich viel Arbeit zurückblicken. Ideen- und Impulsgeber für die Initiative sind Professor Dr. Horst Seidel und Dr. Norbert Pietsch, deren Saat mittlerweile aufgegangen ist, wie die Besucherzahlen von etwa 5000 bis 6000 Gästen im vergangenen Jahr zeigen. Im Zentrum für Kunst, Kultur und Politik, so der offizielle Name, gehen seit 1999 nicht nur Künstler und Gäste, sondern auch Handwerker ein und aus. „Mit großer Unterstützung der Agentur für Arbeit, Spenden und aus eigenen Mitteln der Wequa konnte die bauliche Ausstattung der Kirche der neuen Nutzung angepasst werden“, berichtet Dietmar Simmank, Objektmanager für das Kulturzentrum. Simmank betont, dass Konzept und Intention der Kulturkirche vor allem auf das regionale Publikum zugeschnitten sind. „Wir haben den Ehrgeiz, der Kultur des Werteverfalls, dem Politikverdruss entgegen zu wirken“, umreißt der Kulturmanager das Konzept des Hauses. Nicht nur, aber auch an die Leute, die sonst kaum den Weg in die Kunst- und Kulturzentren finden, richte sich das Angebot, so Simmank. Der hohe Anspruch geht mit wirtschaftlichen Zwängen einher, das Haus auszulasten und zumindest die Ausgaben für Künstler und Betrieb zu decken. Ein allgegenwärtiges Ziel ist das Schaffen von „ein bis zwei festen Arbeitsplätzen“. Simmank und das Team des Hauses setzen auf Vielfalt. Sie wenden sich gegen das unter der Last des Alltags zunehmende Desinteresse an Kunst und Kultur. Vom Gospelkonzert über die Familienfeier bis zum Polittalk ist beinahe alles möglich, gerät Simmank ins Schwärmen. Jeden einzelnen der vergangenen Höhepunkte beschreibt Simmank für die Nicht-Dabei-Gewesenen in leuchtendsten Farben. Und gibt einen Ausblick, was in den nächsten Wochen zu erwarten ist. Am 27. Oktober gastiert das Kabarett „Die Raspel“ aus Dresden mit dem Programm „All inclusive“, das den deutschen Durchschnittsurlauber auf die Schippe nimmt. Am 10. November gastiert der Alt-Star der ostdeutschen Oper, Kammersänger Reiner Süß in der Kunstguss-Stadt. Die Konzertreihe Real Music machte die 1917 erbaute Kirche überregional bekannt. Kooperationen mit dem Theater „Neue Bühne“ Senftenberg, dessen Ensemble regelmäßig in Lauchhammer gastiert, mit dem Museum des Landkreises, der Internationalen Bauausstellung und vielen anderen Kulturträgern und Vereinen der Region helfen, das abwechslungsreiche Programm in hoher Qualität weiter zu führen. Auch individuell betreute Familienfeiern mit oder ohne Orgelspiel, Kongresse und Tagungen sind für 50 bis 120 Personen möglich, so Simmank. Die Kirche wurde durch das Eisenwerk Lauchhammer nicht nur als Reaktion auf die steigende Einwohnerzahl Naundorfs, sondern als Denkmal für die im ersten Weltkrieg Gefallenen errichtet. Den Namen „Friedensgedächtniskirche“ erhielt das Gotteshaus, in der Hoffnung auf das nahe friedliche Ende des ersten Weltkrieges. Es blieb bei der Hoffnung, wie die Geschichte lehrte. Doch wie ein spätes Geschenk finden heute im traditionsreichen Gemäuer Unterhaltung und Nachdenkliches friedlich zusammen.Hintergrund Kontakt und Programm Friedensgedächtniskirche – Zentrum für Kunst, Kultur und Politik Kirchstraße 2 01979 Lauchhammer-Ost Tel. 03574 892012 oder 03574 892217 E-Mail: kultur@wequa.de