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| 17:02 Uhr

Bernsdorf
Eine außergewöhnliche Stadt feiert

Im Mittelpunkt des Rummels im Bebel-Park der Stadt stand das 33 Meter hohe Riesenrad.
Im Mittelpunkt des Rummels im Bebel-Park der Stadt stand das 33 Meter hohe Riesenrad. FOTO: Rainer Könen
Bernsdorf. Lebendiger Charakter und wirtschaftlicher Aufschwung verhelfen Bernsdorf vor 50 Jahren zum Stadtrecht. Von Rainer Könen

Es war das Jahr, in dem der FC Carl Zeiss Jena zum zweiten Mal Meister der DDR-Fußball-Oberliga wurde. Im selben Jahr fanden in Mexiko die Olympischen Sommerspiele statt. Und es war das Jahr, in dem ein in der Oberlausitz gelegener Ort das so sehnlichst gewünschte Stadtrecht erhielt.
1968 war das. Für die Stadt Bernsdorf ein guter Grund, am Wochenende dieses 50-jährige Stadtrechtsjubiläum ausgiebigst zu begehen. Zwar ist die Original-Urkunde futsch, aber in Bernsdorf weiß man doch – nicht zuletzt dank der rührigen Arbeitsgemeinschaft (AG) Stadtgeschichte – was sich in den vergangenen fünf Jahrzehnten alles getan hat. Die rund 20 AG-Mitglieder hatten so einiges zusammengetragen, um in einer Ausstellung zu zeigen, wie sich die Stadt im zurückliegenden halben Jahrhundert entwickelt hat.
Eröffnet wurde diese dreitägige Fete am Freitag mit einem Festakt im Rathaus.

Dort konnte Bürgermeister Harry Habel eine Menge Ehrengäste begrüßen: Neben Landrat Michael Harig waren natürlich Vertreter der Partnergemeinden  aus dem baden-württembergischen Steinenbronn, dem italienischen Polla und Quinsac (Frankreich) gekommen. Als Hauptamtsleiterin Gabriele Witschaß ihren Chef ans Podium bat, um die Festrede zu halten, atmete mancher im vollbesetzen Saal hörbar durch. Hatte man wohl noch seine Rede zum 40-jährigen Stadtrecht gut in Erinnerung. „Mein Redemanuskript hatte damals mehr als 40 Seiten“, erzählte er. Die Zuhörer mussten Standvermögen haben, schließlich habe die Rede mehr als 45 Minuten gedauert, erinnert sich Habel und konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.  Aber dieses Mal hielt er sich an den Schriftsteller Kurt Tucholsky, der einmal sagte, dass man über alles reden könne, bloß nicht länger als zehn Minuten. Habel fasste sich kurz, übergab dann an die Chefin der AG Stadtgeschichte. Dr. Konstanze Höhne. wartete mit interessanten Details zur städtischen Entwicklung auf. „Das Stadtrecht wird eigentlich nur an Kommunen mit mindestens 12 000 Einwohner verliehen, so viele hatte Bernsdorf nie“, resümiert sie. Aber zu DDR-Zeit wurden die „lebendige Stadt und der wirtschaftliche Aufschwung hier honoriert“, so Höhne weiter. Erstmals hatten einige Kommunalpolitiker des Ortes, 1950 war das, das Stadtrecht für Bernsdorf gefordert.

Kein Wunder: Der Ort prosperierte in der Nachkriegszeit mächtig. Dank der Glasindustrie. Mit netten Anekdoten unterhielt Constanze Höhne die Besucher, die sich anschließend die Ausstellung anschauten und sich am nächsten Tag im Bebel-Park wiedertrafen. Dort, wo ein Veranstaltungsprogramm durchgeführt wurde, das um elf Uhr vormittags begann und am frühen Sonntagmorgen endete. Die örtlichen Schützen eröffneten das Stadtfest, das es in dieser Größe in Bernsdorf bisher noch nicht gegeben hat, mit sechsmaligem Salutschießen. Bürgermeister Habel zeigte sich in Hochform, als er zum Fassbieranstich schritt. Bereits nach zwei Schlägen floss der Gerstensaft.
Dann ging es Schlag auf Schlag: Auf der Bühne trat der Spielmannszug Oberlichtenau auf, die im vergangenen Jahr im niederländischen Kerkrade beim World Music Contest in der Kategorie „Drill und Marsch“ mit der Goldmedaille ausgezeichnet wurden. Wenig später trat eine Folkloretruppe aus dem polnischen Boleslawiec auf. Es folgten die Wiednitzer Chorgemeinschaft und viele andere. Man musste aufpassen, nicht den Überblick zu verlieren.
Am Sonntag ging es weiter mit der üppigen Feierei. Roland Kaiser-Double, Spielmannszug, Zaubereien, Hoyerswerdaer Trommelgruppe. Aber irgendwann geht auch das prächtigste und umfangreichste Stadtfest zu Ende. Den Fest-Feierabend läuteten Sänger Frank Proft und Peter Meyer von den Puhdys ein. Von den exzessiven Feierlichkeiten werden sich die Bernsdorfer nun in dieser Woche erholen können. Aber dann wird wieder gearbeitet. Womöglich schon jetzt mit großer Vorfreude auf das nächste runde Jubiläum.

Bernsdorfs Bürgermeister Harry Habel beim Fassbieranstich im Festzelt. Diese Aufgabe erledigte er sehr souverän.
Bernsdorfs Bürgermeister Harry Habel beim Fassbieranstich im Festzelt. Diese Aufgabe erledigte er sehr souverän. FOTO: Rainer Könen