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Ein Zeichen für den Weltfrieden

Unter der riesig anmutenden Leinwand, auf die verschiedene Gesichter der Stadt projiziert wurden, musizieren die Künstler des Abends.
Unter der riesig anmutenden Leinwand, auf die verschiedene Gesichter der Stadt projiziert wurden, musizieren die Künstler des Abends. FOTO: Mandy Fürst/mft1
Hoyerswerda. Langsam tritt ein Mann mittleren Alters aus der Unschärfe des Raumes. Aus vorsichtiger Distanz mustert er sein Gegenüber, neigt den Kopf fragend zur Seite und tritt zurück in die sichere Unklarheit. Mandy Fürst / mft1

Später taucht ein jüngerer Mann auf. Sein Blick ist forsch, scheint weniger auf Antwort warten als darauf drängen zu wollen. Dann die ältere Frau mit dem türkisfarbenen Tuch, deren sanftmütige Augen dem Angeschauten Erleichterung verschaffen könnten, würde sich ihr Antlitz nicht durch krachenden Gefechtslärm und das Böllern und Donnern von Bombensalven schieben. Nichts ist, wie es den Anschein gibt. Nicht der Frieden. Und nicht der Krieg.

Mancher wünschte sich eine Pause vom Gefechtslärm und dem ewigen Angeguckt werden. Doch der Krieg macht keine Pausen, nicht wegen Hungers und nicht aus Durst. Und so darf auch der Kampf um den Frieden nicht pausieren. Und, ob man es glaubt oder nicht, ein solcher findet hier gerade statt.

Denn all das geschieht auf der Bühne der Lausitzhalle. Nach fast drei Jahren Vorbereitung präsentierte der Große Chor Hoyerswerda am Samstag sein jüngstes Projekt. Mit der Aufführung von Karl Jenkins "The Armed Man: A Mass for Peace" setzte der Chor gemeinsam mit seinen künstlerischen Partnern ein ergreifendes Zeichen für den Frieden in der Welt.

Unter der riesig anmutenden Leinwand, auf die die Medienwerkstatt der Kulturfabrik die verschiedenen Gesichter ihrer Stadt projiziert, stehen an die 80 Sänger des Großen Chores Hoyerswerda. Gemeinsam mit der Elbland Philharmonie Sachsen, dem Muezzin Dr. Muhamed R. Wellenreuther sowie den Solisten Marlen Herzog (Alt), Johannes Schmidt (Bass), Jens-Uwe Mürner (Tenor) und Simone Foltran (Sopran) bringen sie die Friedensmesse zur Aufführung. Aus Texten, Kompositionen und Gebeten der Menschheitsgeschichte hat der walisische Komponist eine Collage in dreizehn Bildern zum ewigen und universalen Kampf zwischen Krieg und Frieden geschaffen. Von der Eröffnung mit dem altfranzösischen Kriegslied "The Armed Man", das die verlockende Melodik des Rufes zu den Waffen zelebriert, über muslimische und christliche Fürbitten, Schreckensbilder von Blut und Leid, bis hin zu den wüsten und einsamen Landschaften der Stille nach dem Gefecht, trägt die künstlerische Gemeinschaft ihr Publikum. "Beängstigend in seiner Aktualität" nennt Moderatorin Angela Potowski das Werk in ihrer Einführung. Doch sei ihm die Hoffnung eingeschrieben, dass das alles eines Tages ein Ende habe.

Es ist eine einsame Trompete, die nach dem unheilvollen "Charge!", dem "Angriff", durch das flammende Inferno der "Angry Flames" nach dem Morgen ruft. "Better is Peace" - "Besser ist Frieden" überschreibt Jenkins den 13. Satz und die zentrale Botschaft des Epos.

Einfühlsam und bravourös zusammengeführt hat diesen emotionalen Licht- und Schattenritt Generalmusikdirektor Christian Voß nach nur wenigen gemeinsamen Probestunden. Das gelang nicht zuletzt, weil Kerstin Lieder, die künstlerische Leiterin des Großen Chores, ihre Sänger versiert an das monumentale Werk herangeführt, ihre Stimmen technisch meisterhaft entfaltet und die Gemeinschaft zielgenau auf diesen einen Tag eingeschworen hat. Durch ihre Kompetenz, die Leidenschaft der Chormitglieder und die finanzielle und inhaltliche Zuarbeit eines ganzen Helfernetzwerkes konnte der Große Chor Hoyerswerda im zehnten Jahr seines Bestehens diesen dritten großen Traum wahr werden lassen. Offen geblieben ist am Samstag unter dem Eindruck des stehend applaudierenden Publikums nur der Wunsch nach weiteren Aufführungen. Vielleicht wird ja auch dieser Traum eines Tages wahr.