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| 02:46 Uhr

Ein Webstuhl wird neu aufgebäumt

Insgesamt 480 Fäden werden in mühsamer Handarbeit neu aufgespannt, damit der Webstuhl wieder genutzt werden kann.
Insgesamt 480 Fäden werden in mühsamer Handarbeit neu aufgespannt, damit der Webstuhl wieder genutzt werden kann. FOTO: Johann Tesche/jth1
Zeißig. Wenn die Längsfäden reißen, ist mit einem Webstuhl nicht viel anzufangen. In aufwendiger Kleinarbeit wird der Webstuhl auf dem Zeißighof neu aufgebäumt, damit zum Frühlingsmarkt am 3. Mai wieder gewebt werden kann. Johann Tesche / jth1

Schon seit einigen Monaten funktioniert der historische Handwebstuhl im Zeißighof nicht mehr so, wie er es sollte. Ständig kommt es zu Brüchen der Kettfäden, also der Fäden, die in Längsrichtung des Webstuhls aufgespannt sind. Vermutlich hält das verwendete Garn den mechanischen Belastungen nicht stand. Deshalb entschied der Vorstand des Kulturvereins, die Kettfäden durch stärkeres Garn erneuern zu lassen. Aufbäumen nennt der Fachmann dieses Neubespannen, denn dazu werden die insgesamt 480 jeweils 30 Meter langen Fäden in 40er-Bündeln auf den Kettbaum aufgewickelt. Diese langwierige und aufwendige Prozedur wird nur noch von wenigen beherrscht. Helmut Kurjo aus Bluno gehört dazu. Er setzte schon so manchen über 100-jährigen Webstuhl wieder in Funktion, so im Njepila-Hof in Rohne, in Drachhausen, Bergen, Tätzschwitz, Zeißig und in Bluno in seinem eigenen kleinen Museum.

Nach Auswahl und Lieferung des nun stabileren Garns organisierte Martin Herrmann den ersten Termin im Zeißighof. Neben Helmut Kurjo und Interessenten des Zeißiger Kulturvereins halfen Gudrun Stankalla, Marlies Nagorka und Manfred Richter vom Njepila-Hof tatkräftig mit.

Seit fast zehn Jahren besteht die freundschaftliche Bindung zwischen den beiden Erlebnishöfen in Rohne und Zeißig. "Wir treffen uns regelmäßig im Njepila-Hof, um die alten bäuerlichen Tätigkeiten zu pflegen und so das Wissen über diese Arbeiten zu erhalten", erzählt Manfred Richter über die Motivation seines Engagements.

Zunächst mussten die späteren Kettfäden in mehreren Bündeln auf den Scherbaum, ein mannshohes Gestell, gewickelt werden, bevor diese Bündel, die Kette, in einem zweiten Arbeitsgang auf den Kettbaum aufgebäumt werden konnten. Es folgte das mühsame Einfädeln der 480 Kettfäden in die einzelnen Litzenaugen der zwei Schäfte, die durch wechselseitiges Anheben und Absenken das Webfach bilden. Noch sind einige Arbeitsgänge zu erledigen.

Ob sich der ganze Aufwand am Ende gelohnt hat, können die Besucher des Frühlingsmarktes am 3. Mai im Zeißighof begutachten.