An Adventsnachmittagen wie diesem lässt die Vereinsvorsitzende Geschichten aus der Region wieder aufleben. Wie die folgende: Ende der 1950er Jahre hatten sich einige Dorfjungen einen üblen Scherz ausgedacht und damit den Glockenstuhl in der Tätzschwitzer Kirche fast zum Einsturz gebracht. Sie manipulierten die Glockenstränge mit dem Ergebnis, dass alles starke Ziehen der Seile nichts nützte, um den Ostersonnabend im Ort einläuten zu können. Erst nach geraumer Zeit wurde der Dumme-Jungen-Streich entdeckt. Die Übeltäter konnten jedoch nicht ermittelt werden. Erzählt wurde diese Episode von Heinz, dem verstorbenen Bruder von Heidi Kratzert, der sich nun, Jahrzehnte später, selbst als damaliger Übeltäter stellte. Dank einer historischen Tonbandaufnahme, die Martina Petschick zu Gehör brachte, wurde von ihm das Geheimnis am Sonnabend gelüftet. "Aha, mein Bruder war das also damals gewesen. Er war ein Urgestein von Tätzschwitz, dem der Schalk im Nacken saß", meinte Heidi Kratzert schmunzelnd. Die Besucher des Adventsnachmittages lauschten auch verschiedenen Choraufnahmen aus vergangener Zeit. Und hörten eine weitere Geschichte, in der es um Weihnachten in früherer Zeit ging. Es war ein Fest ohne große Geschenke. Vielen, so hieß es, reichte ein relativ gutes Essen. Dem kleinen Sohn wurde der größte Wunsch erfüllt. Er fand auf dem Gabentisch einen simplen Tuschkasten. Es sei schon erstaunlich, früher habe man sich, im Gegensatz zu heute, über Kleinigkeiten gefreut, meint Heidi Kratzert. Die heute 66-Jährige erinnerte sich noch an eine Begebenheit, die sie in Tätzschwitz als Kind erlebt hat: Ihre Familie saß mit Pellkartoffeln bei Tisch, als es plötzlich an der Haustür klopfte. Zwei Frauen fragten nach etwas Essen. Sie bekamen daraufhin eine Schüssel mit Kartoffelschalen. "Bis heute werde ich nicht vergessen, wie sich die Frauen darüber gefreut haben. Das war unbeschreiblich."