“Wir stehen sonst nicht so sehr im Rampenlicht, aber diesmal muss es sein„, sagte Dr. Uwe Beckel, der Vorsitzende des 1998 gegründeten Nachfolgevereins “Turn- und Sportverein Gelb-Blau Wittichenau O.L. e.V.„.

Dass es zur Gründung des TSV Wittichenau kam, hängt mit dem Wiederauffinden der alten Vereinsfahne zusammen. “Und wenn man schon mal so eine historische Fahne hat, braucht es auch einen Verein, der sie weiter trägt. Und schwupps wird man statt zwölf eben 100 Jahre alt. Und wer aus dieser Zeit noch Dokumente findet: Immer her damit„, so der Vorsitzende.

Bürgermeister Udo Popella dankte für die Initiative, den Verein fortzuführen, mit einem Ehrenpokal.

Mit dem Festgesang “Turner auf zum Streite„ wurde die Veranstaltung einerseits offiziell und würdevoll eröffnet, andererseits damit der historische Abriss der Turn- und Sportbewegung eingeleitet.

“Und dieses begann noch einmal 100 Jahre früher„, informierte Roland Stiebitz die Gäste. 1810 nämlich gründete Turnvater Friedrich Ludwig Jahn den geheimen “Deutschen Bund„ zur Befreiung und Einigung des von Napoleon besetzten Deutschlands. Aus den Wanderungen, die Hilfslehrer Jahn mit seinen Schülern unternahm, erwuchs die Turnbewegung mit dem Ziel, die Jugend für den Kampf gegen die Besatzer zu erstarken.

Diese Bewegung war derart erfolgreich, dass nicht nur Napoleon besiegt wurde, sondern dass sie seit 1820 unter allen Diktaturen und Regierungen immer wieder verboten wurde oder sich Repressalien ausgesetzt sah. Aus letzterem Grund stellte auch der Wittichenauer Turnverein in den 1950er Jahren seine Tätigkeit ein. Doch die Organisatoren des Geburtstagsfestes hatten bei ihren Recherchen noch viel mehr herausgefunden: Beim ersten Sportfest, das 1910 vom eben erst gegründeten Turnverein ausgerichtet wurde, entrichtete auch eine 80-köpfige Riege aus Hoyerswerdaer Turnern ihren Gruß. Die Sportakrobaten des Sportclubs Hoyerswerda setzten die Erinnerung daran sportlich um und erschienen zufällig in den Vereinsfarben des Gastgebers Gelb-Blau.

Es sind die Farben der Oberlausitz. In den Farben Blau-Weiß dagegen gratulierte der DJK Wittichenau, noch dazu in Gedichtform: “Sport ist wichtig für den Zusammenhalt, besonders zwischen Jung und Alt.„

Die Darstellung eines Fußballspiels setzte allerdings auf ungewöhnliche Art und Weise der Kirchenchor um. Mit einem dreistimmigen gesprochenen Kanon sorgte er für Spaß in den eigenen Reihen und für Begeisterung beim Publikum. Zugabenrufe bekam auch die Seniorentanzgruppe zu hören, die in einer Art Linedance zum Alte-Kameraden-Marsch tanzte. Der Ökumenische Posaunenchor der Stadt durfte bei dieser Veranstaltung natürlich nicht fehlen.

Weiterhin sorgten junge Showtänzerinnen und der Jung-Stargeiger Martin Zschornack auf ihre Art für ordentlich Stimmung. Mit Spaß und unter Einbeziehung der Gäste präsentierte sich der Hoyerswerdaer Karnevalsclub HKC Gelb-Blau, bis dann zur Musik vom “Oldie-Team„ das Tanzbein geschwungen werden konnte.