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Ein "Sorbenkind" erobert die Welt

Auf eine ganz lockere, fröhliche Weise präsentierte Franz Zschornack dem Publikum seine Abenteuer auf der Walz. Er könne jedem jungen Handwerker-Gesellen die Wanderjahre nur empfehlen. Seine Erlebnisse hat der Crostwitzer im Buch "Franz im Glück" festgehalten.
Auf eine ganz lockere, fröhliche Weise präsentierte Franz Zschornack dem Publikum seine Abenteuer auf der Walz. Er könne jedem jungen Handwerker-Gesellen die Wanderjahre nur empfehlen. Seine Erlebnisse hat der Crostwitzer im Buch "Franz im Glück" festgehalten. FOTO: amz1
Lohsa. Südamerika. Die Schweizer Alpen. amz1

Crostwitz. Orte, die auf den ersten Blick scheinbar nichts miteinander zu tun haben. Doch für Franz Zschornack handelt es sich um die wichtigsten Stationen seines bisherigen Lebens. Der heute 31-jährige Schlossermeister ist für drei Jahre und zwei Wochen auf die Walz gegangen und hat dabei die halbe Welt bereist. In Crostwitz ist der inzwischen verheiratete Mann von klein auf zu Hause und fest verwurzelt. Und dort will er auch sein weiteres Leben verbringen.

Ob er aus Frankreich komme, sei Franz Zschornack während seiner Wanderjahre auf der Walz nicht selten gefragt worden. Und zwar wegen der Farben Blau, Rot und Weiß an seinem Ränzlein, dem sogenannten "Charlie". Tatsächlich präsentiert sich die französische Fahne in den gleichen Farben, allerdings sind diese senkrecht und in einer anderen Reihenfolge angeordnet. Da jeder Handwerker, der sich auf die Walz begibt, einen Spitznamen erhält, stand die Bezeichnung für Zschornack zeitig fest. "Ich wurde das ,Sorbenkind‘ gerufen", erklärt der Handwerker.

Und er ist tatsächlich ein waschechtes "Sorbenkind". Geboren im Jahr 1985 in Räckelwitz, das ebenso wie sein Heimatdorf Crostwitz im Kernland der katholischen Sorben liegt. Aufgewachsen in der Crostwitzer Ortsmitte, handwerklich angelernt in Großvaters Schmiede. In dieser wird nicht nur gearbeitet, sondern auch gefeiert. Nämlich beim alle zwei Jahre stattfindenden Folklorefestival "Luzyca". Dann treffen sich dort die Künstler aus Nah und Fern. "Bei uns war schon die halbe Welt zu Gast", erinnert sich Franz Zschornack. Warum also nicht mal die halbe Welt bereisen?

Dass der Crostwitzer mal auf die Walz, also auf die gut dreijährige Handwerker-Wanderschaft, gehen würde, habe demnach schon zeitig festgestanden. "Schließlich war mein Großvater ebenfalls auf der Walz", so Zschornack. Schon im Alter von neun Jahren arbeitete er in der Familien-Schmiede mit. Jahre später kam es zu einer Begegnung mit einem Schlossergesellen, der sich auf Wanderschaft befand. "Bis dato hatte ich nicht gewusst, dass es diesen Brauch auch für unsere Metallbranche gibt", erinnert sich Franz Zschornack. So sei die endgültige Entscheidung für die "Tippelei", wie die Walz auch bezeichnet wird, gefallen. Dafür trennte sich der Crostwitzer sogar von seiner damaligen Freundin. Doch durch verschiedene Gründe sollten noch anderthalb Jahre ins Land gehen, bis der inzwischen ausgelernte Schlossergeselle im Spätherbst 2009 diesen Schritt wagte.

Ohne Koffer, ohne Auto und vor allem ohne Handy, dafür aber mit dem originalen Zylinder vom Osterreiten und in der typischen Handwerker-Kluft inklusive der "Ehrbarkeit", einer dunklen Krawatte, ging es von Crostwitz zunächst nach Erfurt. "Besonders ungewohnt war, dass mich die Leute wegen der ungewöhnlichen Kleidung oft anstarrten. Viele Kinder meinten sogar, da käme ein Zauberer des Wegs", plaudert Franz Zschornack aus dem Nähkästchen. Über Stationen in Norddeutschland und Dänemark tippelte er in die Schweiz. Dort galt es, Seilbahnen und Sessellifte zu reparieren. In einer eidgenössischen Schmiede habe man den Oberlausitzer besonders herzlich empfangen. "Die Frau meines Chefs stammte nämlich aus Bautzen", sagt Zschornack. Und der habe die sächsischen Frauen über den grünen Klee gelobt. Sie seien wie ein "Lotto-Jackpot".

Über weitere Stationen in Leipzig, Polen und Österreich fasste der Crostwitzer mit zwei weiteren Gesellen den Entschluss, mal nach Südamerika zu reisen. So ging es über Brasilien nach Paraguay und nach Argentinien. In Paraguay baute das deutsche Trio unter anderem einen Brunnen und setzte darüber hinaus zur Freude der Einheimischen eine Rutsche instand.

Über weitere Arbeitsaufenthalte in Ost- und Südosteuropa kehrte Franz Zschornack Ende 2012 in die Oberlausitz zurück. "Die Eindrücke, die ich während dieser drei Jahre und zwei Wochen gewonnen habe, möchte ich nie mehr missen", resümiert der Sorbe, der inzwischen auch seine Meisterprüfung bestanden hat. Man reise, um zu arbeiten; und man arbeite, um zu reisen. Eine schönere Zeit gebe es kaum. Jetzt wolle Zschornack die Crostwitzer Familien-Schmiede in nunmehr dritter Generation fortführen.

Die Lohsaer, die dem Vortrag lauschen, zeigen sich restlos begeistert. Im Zejler-Smoler-Haus sind zuvor die Stühle knapp geworden, so viele Leute wollen dem Handwerker lauschen. Manch einer seufzt gute zwei Stunden später: "Wenn ich doch bloß 40 Jahre jünger wäre. Dann würde ich auch auf die Walz gehen."