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Ein Schulteich für Angel-Schüler

Bürgermeister Thomas Leberecht (vorn r.) und Anglerverbands-Präsident Udo Witschas präsentierten im Beisein von Ministerpräsident Stanislaw Tillich den ersten Karpfen, der in den Lohsaer Schulteich eingesetzt wurde. Wer diesen fange, so Witschas, erhalte eine Extra-Prämie.
Bürgermeister Thomas Leberecht (vorn r.) und Anglerverbands-Präsident Udo Witschas präsentierten im Beisein von Ministerpräsident Stanislaw Tillich den ersten Karpfen, der in den Lohsaer Schulteich eingesetzt wurde. Wer diesen fange, so Witschas, erhalte eine Extra-Prämie. FOTO: amz1
Lohsa. Was wären die Lausitzer Dörfer ohne ihre Teiche? Im Herzen von Lohsa erstrahlt nun der Schulteich in neuem Glanz. Seit Herbst 2014 ist das rund 2300 Quadratmeter große Gewässer unmittelbar neben dem namensgebenden Gebäude – der heutigen Oberschule - saniert worden. amz1

Am Wochenende ist es im Rahmen des diesjähriges Herbstmarktes wieder freigegeben worden.

Der Schulteich, so ist vom Anglerverband "Elbflorenz" (AVE) als Eigentümer zu erfahren, solle künftig für die Nachwuchsarbeit genutzt werden. "Wir wollen uns für sinnvolle Freizeitbeschäftigungen für die Kinder und Jugendliche engagieren", erklärt AVE-Jugendreferent Jörg Szewczyk. Mehr noch: Der Nachwuchs solle ebenso für die Achtung vor dem Leben sensibilisiert werden. Denn Angeln heißt längst nicht nur, dicke Karpfen oder Hechte aus dem Wasser zu ziehen, sondern ebenso die Pflege der entsprechenden Fischbestände und Gewässer.

Ab sofort könnten sich Jugendgruppen aus Sachsen für einen Besuch am Lohsaer Schulteich anmelden. Der heimische Anglerverein (AV) "Silbersee Lohsa" baut indes eine eigene Jugendgruppe auf. Nach Angaben von AV-Jugendwart Falko Zischewski seien bereits acht Heranwachsende dabei. Wer ebenfalls mitmachen will, kann sich auf der Internetseite des Vereins ( www.av-silbersee-lohsa.de ) informieren.

Rückblende: Der heutige Lohsaer Schulteich gehörte einst zu den miteinander verbundenen Matusch-Teichen. Er wurde von der nicht weit entfernten Kleinen Spree mit Wasser versorgt. Im Zuge der bergbaubedingten Umverlegung des Fließgewässers erfolgte ein Ausbau des Teiches. Die Ufer erhielten leicht zu pflegende Betonplattenwände. Allerdings glich das Ensemble fortan eher einem Feuerlöschbecken als einem naturnahen Dorfteich.

Deshalb begannen im Herbst 2014 die Arbeiten, um dem Schulteich wieder ein natürlicheres Aussehen zu verpassen. Nach Angaben von Planer Uwe Röllich wurde das Gewässer damals zunächst abgelassen. Anschließend erfolgten die Beseitigung und der Abtransport des Schlamms. Dabei seien gut 560 Tonnen zusammengekommen. Darüber hinaus galt es, die alten Betonplatten am Ufer, insgesamt eine Fläche von 300 Quadratmetern mit einem Gewicht von 55 Tonnen, auszubauen und ebenfalls zu entsorgen. An dieser Stelle nahmen die Fachleute den Einbau spezieller Steinwalzen und Steinmatratzen vor. Nicht zuletzt wurden erste Röhricht-Pflanzen eingebracht, quasi als Initial für die Wiederbesiedlung des Teiches.

Den Schulteich verbinden zudem zwei jeweils 125 Meter lange Leitungen mit der Kleinen Spree. Im Hochwasserfall könne so überschüssiges Wasser schnell abgeführt und bei Dürre eingeleitet werden. Ein ausgeklügeltes Pumpensystem übernehme diese Aufgabe. Außerdem wurden ein Angelsteg, ein Lehrpfad sowie eine Schutzhütte installiert. Insgesamt schlage die Umgestaltung des Gewässers mit rund 115 000 Euro zu Buche, erklärt Planer Uwe Röllich. Der Teich ist heute zwischen 0,70 und 1,30 Meter tief. Er bietet mehreren Fried- und Raubfischarten eine Heimat.

Ministerpräsident Stanislaw Tillich, der beim Herbstfest in Lohsa am Samstag Gast war, ist von Gewässer und Nachwuchsprojekt begeistert. Während der Einweihung spricht der Politiker von den Lausitzer Dörfern, in deren Mitte sich traditionell ein Teich befinde. "Und es wäre töricht, würden wir diese Chancen nicht nutzen", so der Ministerpräsident. In einer Zeit, in der viele Kinder sich viel zu viel mit Smartphone und Spielekonsole beschäftigen, sei es sehr lobenswert, wenn dem Nachwuchs wieder "richtige" Arbeit wie eben das Angeln spielerisch beigebracht werde.

Lohsas Bürgermeister Thomas Leberecht zeigt sich mit dem sanierten Schulteich vollauf zufrieden: "Er fügt sich wieder wunderbar in unser Ortsbild ein." Mächtig stolz ist auch der ehemalige Bürgermeister von Lohsa, jetzige Bautzener Vize-Landrat und Präsident des Anglerverbandes "Elbflorenz", Udo Witschas. Er selbst hatte bereits als Sieben- oder Achtjähriger mit dem Angeln begonnen. Das Hobby habe ihn seitdem nicht mehr losgelassen. "Und es ist hervorragend, wenn das Anglerwissen Generation für Generation weitergegeben wird", so Witschas.

Indes ist für den Nachwuchs der Teich ganzjährig als Schulgewässer nutzbar. Denn im Gegensatz zu seinen Pendants im Oberlausitzer Heide- und Teichland sollen, so die Angler, die im Schulteich lebenden Fische darin ganzjährig schwimmen.