| 02:39 Uhr

Ein roter Teppich für die Musik

Die 19-jährige Samira Dietze spielte mit dem Sinfonischen Orchester Hoyerswerda Mozarts Konzert in G-Dur, das er im Alter von 19 Jahren komponiert hatte.
Die 19-jährige Samira Dietze spielte mit dem Sinfonischen Orchester Hoyerswerda Mozarts Konzert in G-Dur, das er im Alter von 19 Jahren komponiert hatte. FOTO: M. Fürst/mft1
Hoyerswerda. Mit "Naturgewalten" sind die 52. Musikfesttage Hoyerswerda am Sonntagabend imposant beendet worden. Umso mehr, als dass das große Finale quasi hausgemacht war. Mandy Fürst / mft1

Schade, dass es schon vorbei ist. Zum letzten Mal in diesem Jahr hat die Lausitzhalle als Veranstalter der Musikfesttage Hoyerswerda ihren Gästen, den Künstlern und der Musik überhaupt den roten Teppich ausgerollt. Das zwölfte Konzert der 52. Festivalauflage gestaltete, wie es Tradition ist, das Sinfonische Orchester Hoyerswerda - im 55. Jahr seines Bestehens.

Zwar kommt das kleine Jubiläum des Hoyerswerdaer Klangkörpers etwas stiller daher, als sein Geburtstag vor fünf Jahren. Der diesjährige Beitrag der Musiker zur wichtigsten Konzertreihe ihrer Heimatstadt aber hatte es in sich. Felix Mendelssohn-Batholdys "Hebriden-Ouvertüre" verbietet jedem Klangkörper von Beginn an jedwede Vorsicht. Ad hoc, ganz ohne überflüssiges Vorspiel möchte der Schöpfer der "Hebriden" die Landschaft, die ihn bei seinem Besuch im Westen Schottlands vor fast 190 Jahren wie ein plötzlicher Blick aus den lange verhangenen Fenstern einer Reisekutsche überrascht zu haben scheint, vor dem Betrachter ausgebreitet wissen.

Ein solcher Prolog birgt durchaus Risiken in sich und verlangt Musikern, die ihrer Leidenschaft weniger das Berufsleben, als jede freie Minute widmen, manch zusätzliche Übungsstunde ab. Umso erstaunlicher sind die technische Konzentration und musikalische Raffinesse, mit der die Hoyerswerdaer sich der schwierigen Musikliteratur annehmen. Man darf wohl unterstellen, dass Mendelssohn-Batholdys ob der Bilder seiner "Hebriden" verzückt gewesen wäre.

Verzückt hätte die Solistin des Abends ganz sicher den jungen Mozart, aus dessen Feder das folgende Konzert in G-Dur stammt, das sie auf ihrer Geige spielt. 19 Jahre ist Samira Dietze jung. 19 Jahre zählte auch Wolfgang Amadeus Mozart, als er die Zeilen schrieb.

Mit sieben Jahren hat Samira Dietze in der Musikschule Hoyerswerda mit dem Geigenspiel begonnen. Hier absolvierte sie die ersten Vorspiele im Wettbewerb "Jugend musiziert", in dessen Bundesfinals sie mehrfach als Preisträgerin gekürt wurde. Heute ist Samira Dietze Stipendiatin der "Talentschmiede Dresden" und musiziert unter anderem als Mitglied des Jungen Sinfonieorchester Dresden.

Die Hoyerswerdaer Sinfoniker wissen um ihre Mitverantwortung für den Auftritt der Meistergeigerin und bereiten ihrem Spiel einen einfühlsamen Teppich. In den Kadenzen - den Soloparts, deren kompositorischer Freizügigkeit Solisten ihre ganze Persönlichkeit mitgeben können - legt Samira Dietze dem Publikum ihre herausragende Virtuosität zu Füßen.

Zu toppen scheint der erste Konzertteil nach der Pause kaum, doch schließt das Orchester mit einer famosen Aufführung von Robert Schumanns "Sinfonie Nr. 1 B-Dur op 38" - der "Frühlingssinfonie" - nahtlos an den Eindruck höchster Kunstfertigkeit an.

Dieses Konzert war wunderbar, auch dank einer Dirigentin Eva Meitner, die ihre Musiker mit dem ganzen Körper durch die musikalischen Landschaften von Mendelssohn-Bartholdy, Mozart und Schumann führt.

Der Beifall des begeisterten Publikums möchte auch nach der Zugabe "In the Hall of the Mountain King", dem beliebtem vierten Stück aus Edward Griegs Peer-Gynt-Suite No. 1, kein Ende nehmen. Kein Zweifel, es ist wirklich schade, dass dieser Abend und mit ihm die 52. Musikfesttage Hoyerswerda schon vorbei sind. Der rote Teppich ist eingerollt und wartet sicher hinter den Kulissen der Lausitzhalle. Dort wird längst für das Jahr 2018 telefoniert.