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| 18:08 Uhr

Ein Projekt für mehr Miteinander

Das Kube 42-Team steckt gerade mitten in den Vorbereitungen für das erste Stadtteilfest. Stephanie Trapp (r.) und Sohn Niklas sind ehrgeizig dabei.
Das Kube 42-Team steckt gerade mitten in den Vorbereitungen für das erste Stadtteilfest. Stephanie Trapp (r.) und Sohn Niklas sind ehrgeizig dabei. FOTO: ahu
Bernsdorf. Seit einem Jahr gibt es in Bernsdorfs größtem Wohnviertel das Sozialprojekt "Kube 42". Für Probleme jeglicher Art gibt es hier Hilfe. Anja Hummel

Vor anderthalb Jahren hat es Stephanie Trapp in den Fritz-Kube-Ring verschlagen. Als alleinerziehende Mutter dreier Kinder sprach so einiges für den Wohnort. Idyllische Waldlage, günstige Miete, Kindergarten und Schule gleich nebenan. "Wir wohnen gerne hier", sagt die 30-Jährige. Sie ist eine von 1300 Menschen, die in Bernsdorfs größtem Wohngebiet leben. Und sie ist auch eine von vielen Anwohnern, die regelmäßig an die Tür von Sozialpädagogin Nicole Schramm klopfen.

Gemeinsam mit einer Kollegin leitet sie das Büro "Kube 42 - lokal aktiv". Beratung, Begleitung, Bildung lauten die Leitworte des Projektes. "Wir sind Ansprechpartner für sozial Schwache", erklärt Nicole Schramm in ihrem Büro, das sich mitten im Wohngebiet, Hauseingang 42, befindet. "Die Hemmschwelle zu den Behörden ist riesig, deshalb sind wir direkt vor Ort." Dort, wo der "geballte Sozialraum", von Kind bis Rentner, von Single bis Großfamilie, von Ur-Bernsdorfer bis Geflüchteter, aufeinander prallt. "Viele fühlen sich isoliert und brauchen Hilfe", sagt Nicole Schramm. Schulden, Sucht, drohende Obdachlosigkeit, psychische Erkrankungen - die Liste der Betreuungsgründe ist lang. "Einige kommen gar nicht mehr aus dem Haus. Dann gehen wir auch aktiv auf die Personen zu", erzählt die Pädagogin. Droht beispielsweise wegen nicht bezahlter Miete die Wohnungskündigung, so "können wir schnell agieren und eine mögliche Obdachlosigkeit verhindern."

Seit Projektstart hat sich ein gut funktionierendes Netzwerk zwischen dem Bernsdorfer Projekt, Sozialämtern und Psychologen entwickelt. "Wir betreuen aber nicht nur schwierige Fälle", betont Nicole Schramm, "sondern geben auch Hilfestellung bei der Jobsuche oder bieten einfach die Computernutzung an". Einer ihrer Schützlinge ist die dreifache Mutter Stephanie Trapp. "Als Alleinerziehende mit drei Kindern ist es nicht immer so einfach. Mir wurde hier schon sehr geholfen", erzählt sie, möchte aber nicht ins Detail gehen.

Gerade steckt sie gemeinsam mit sieben anderen Kube-Ring-Bewohnern mitten in der Planung des ersten Stadtteilfestes. "Sie dürfen ein Fest nach ihren Wünschen gestalten. Dazu gehören natürlich auch Koordination und Budgetverwaltung", erklärt Nicole Schramm. Das Ziel: Im Team organisieren und Spaß dabei haben.

Neben dem Spaß steht für die Bewohner auch der Gemeinschaftsgedanke im Mittelpunkt. "Man grüßt zwar seinen Nachbarn, viel mehr aber auch nicht. Auf so einem Fest kann man mal miteinander ins Gespräch kommen", sagt ein 46-jähriger Teilnehmer.

Dass sich die Arbeit der beiden Sozialpädagoginnen seit Projektstart etabliert hat, bestätigt auch Linda Pawlowski von der Bernsdorfer Stadtverwaltung. "Das Sozialprojekt funktioniert sehr gut als Bindeglied zwischen Vermieter, Stadt und Anwohnern." Finanziert wird "Kube 42" zu 95 Prozent aus dem Europäischen Sozialfonds. Bis 2018 sind die EU-Gelder sicher. "Wir hoffen, dass wir die Förderung verlängern können", so Pawlowski.

Wie viele der 1300 Anwohner durch die Pädagoginnen insgesamt betreut werden, ist schwer zu sagen. "Das schwankt täglich. Mal schauen zehn Leute am Tag vorbei, mal sind es mehr", sagt Nicole Schramm. Manche wiederum haben nur eine kurze Frage, andere brauchen monatelange Begleitung. Im Schnitt sind die Schützlinge zwischen 30 und 50 Jahre alt.

Weitaus unterhalb des Altersdurchschnitts liegt der kleine Niklas. Mit Mutter Stephanie Trapp ist der Dreijährige auch Teil des Stadtteilfest-Organisationsteams. Im Schulungsraum der "Kube 42"-Projektwohnung sind die größten Planungsfragen geklärt.

Da bleibt auch Zeit für Kritik. Nicht am Projekt, sondern am Wohnviertel. "Die Busverbindung in die Stadt ist nicht gut", bemerkt Stephanie Trapp, die ohne Auto gar nicht klarkommen würde. Ein anderer Anwohner stimmt energisch zu. Außerdem gebe es Verständigungsprobleme mit den Geflüchteten, die im Kube-Ring wohnen. "Die Asylbewerber müssten viel besser integriert werden", fordert sie. Das anstehende Stadtteilfest soll auch dazu einen Beitrag leisten. "Wenn man einmal in Kontakt gekommen ist, wird sich das sicher bessern", hofft die junge Mutter.

Das Leben im Kubering "besser machen" ist auch erklärtes Ziel des Sozialprojektes. "Wir finden immer einen Weg", versichert Nicole Schramm. Für jedes Problem - egal ob das Schulden, Sucht oder nur kurze Fragen zu Anträgen sind.

Zum Thema:
Am Samstag, 29. Juli, wird im Fritz-Kube-Ring 36 bis 42 von 14 bis 18 Uhr das erste Stadtteilfest gefeiert. Auf der Parkfläche vor dem Wohnhaus (bei schlechtem Wetter in der Sporthalle) gibt es besonders für die Kleinsten jede Menge Spaß und Spannung mit Hüpfburg, Basteln, Kinderschminken und Stationslauf. Außerdem wird die Polizei vor Ort über ihre Arbeit informieren. Für kleine selbstgemachte Snacks ist auch gesorgt. Zum Stadtteilfest ist jeder herzlich willkommen, der Eintritt ist frei.