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| 19:53 Uhr

Klein Partwitz
Ein neues Wahrzeichen für Partwitz

450 Jahre Klein Partwitz FOTO: LR / Torsten Richter-Zippack
Klein Partwitz. Zur 450-Jahr-Feier schwebt ein Boot am Kranhaken auf dem Dorfplatz ein. Jetzt fehlt nur noch die Chronik. Von Torsten Richter-Zippack

Manch ein Gast muss am Sonnabend in Klein Partwitz genauer hinhören. Denn immer wieder ertönt das Signal eines scheinbar großen Schiffes vor seiner Einfahrt in den Hafen. Und tatsächlich: Im Festumzug ist ein echter ZK-10-Kutter mit von der Partie. Zwar nicht im Wasser, aber auf einem Schiffstrailer, gezogen von Gerd Zippacks historischem Trecker aus Bluno. Auf dem Boot befinden sich mehrere Mann Besatzung, unter anderem Kapitän Peter Lehmann sowie die Matrosen Uwe Blank und Norbert Vogt. „Unser Prachtstück stammt in der Tat vom Meer. Wir hatten es bereits vor längerer Zeit in Stralsund geholt. In meiner Garage wurde der Kutter mit viel Liebe und Geschick wieder aufgearbeitet“, berichtet Norbert Vogt. Seit Herbst 2017 haben die Männer Montag für Montag, immer jeweils für drei Stunden, am ZK 10, so die offizielle Typbezeichnung, gewerkelt. Das rund acht Meter lange und anderthalb Tonnen schwere Unikat wurde instandgesetzt und erhielt neue Farbe.

Im Rahmen des Festumzuges der Klein Partwitzer 450-Jahr-Feier reist das noch namenlose Boot an seinen endgültigen Standort. Der wird nicht auf dem Wasser, sondern in der Ortsmitte sein. Dort wird das Schiff mittels Kran des Lautaer Unternehmens Kotal vom Trecker-Trailer auf eine im Vorfeld präparierte Stelle gehievt. Zahlreiche Partwitzer und Gäste verfolgen gebannt das Spektakel und applaudieren nach getaner Arbeit. „Das Boot symbolisiert die neue Zeit für uns Klein Partwitzer. Schließlich haben wir den See vor der Tür, und einen Segelverein gibt es auch“, erklärt Norbert Vogt. Der Kutter trägt die Inschrift „Partwitzer Förderverein“. Das Gremium ist erst im Mai 2017 im Zuge der Vorbereitung der 450-Jahr-Feier aus der Taufe gehoben worden. Die derzeit 14 Mitglieder wollen zur Belebung der Dorfgemeinschaft beitragen.

Im Festumzug wird in mehreren Bildern die Geschichte des rund 360 Einwohner zählenden Dorfes wieder lebendig. Beispielsweise dank des Wagens von Hans-Jürgen Bether. „Ich zeige uralte Bienenkörbe, einen Jauchenschepper und eine Feldkrucke, in der früher der Kaffee mit aufs Feld genommen wurde“, erzählt der Partwitzer. Die Bienenkörbe fanden einst in der Waldbienenwirtschaft, der Zeidlerei, Verwendung. In den kleinen Heidedörfern der Mittellausitz wurde so der Honig von wilden, meist in alten Kiefern lebenden Bienenvölkern gewonnen. Gezogen wird der historische Wagen nicht von einem Pferd, sondern von einer echten Kuh. „Durch die Verwandtschaft ist der Kontakt nach Klein Partwitz entstanden“, erzählt Kuhtreiber Bernd Große von den Massener Höfen bei Finsterwalde. Sein 15 Jahre altes Tier gehöre zur großen Familie mit insgesamt 500 Milch- und 150 Mutterkühen des Unternehmens.

Rund 20 Stundenkilometer schneller ist dagegen Bernd Domann mit seinem „Spatz“ auf Achse. Das Moped, Baujahr 1964, trägt die Aufschrift „Gaskombinat Schwarze Pumpe“. „Nach der Wende wurden diese Fahrzeuge für 100 Mark in Pumpe abgegeben“, erzählt Domann. Inhaber Heinz Sulk habe ihm die Maschine für den Umzug zur Verfügung gestellt.

Auch die Feuerwehr fehlt im Festumzug nicht. Mehrere Wehren der Elsterheider Dörfer sind vertreten. Die Partwitzer Kameraden haben sogar ihr Schlauchboot mitgebracht, mit dem sie im Notfall auf den Partwitzer See hinausfahren können. „Bislang gab es dort so gut wie keine Einsätze. Aber wir trainieren regelmäßig“, sagt der stellvertretende Ortswehrführer Frank Lehmann. Seine Truppe zähle derzeit 25 aktive Kameraden. Diese mussten im laufenden Jahr bislang zu einem halben Dutzend Einsätzen, meist Verkehrsunfällen, ausrücken.

Einen Wermutstropfen gibt es während des Partwitz-Jubiläums allerdings: „Wir haben als einziges Dorf der Elsterheide noch keine gedruckte Ortschronik“, bringt Ortsvorsteher Thomas Zschorlich das Problem auf den Punkt. Bislang existiere zwar eine Chronikmappe, doch bis auf ein paar einleitende Worte sei diese leer. „Wir suchen jemanden, der unsere Geschichte recherchiert und aufschreibt“, erklärt Zschorlich. Die Einwohner hätten an einem solchen Werk sehr großes Interesse. Aber: Möglicherweise ist eine solche Broschüre schon ein bisschen weiter in greifbare Nähe gerückt. „Denn durch die Vorbereitung unserer 450-Jahr-Feier sind die Klein Partwitzer zu einer echten verschworenen Gemeinschaft geworden“, resümiert der Ortsvorsteher. Da sollte doch auch die Klein Partwitzer Ortschronik kein Ding der Unmöglichkeit mehr sein, hofft Thomas Zschorlich.

Alle heraus zum großen Feiern! Den Festumzug durch das Dorf verfolgten natürlich auch die Bewohner des Partwitzer Senioren-Landhauses.
Alle heraus zum großen Feiern! Den Festumzug durch das Dorf verfolgten natürlich auch die Bewohner des Partwitzer Senioren-Landhauses. FOTO: LR / Torsten Richter-Zippack
450 Jahre Klein Partwitz FOTO: LR / Torsten Richter-Zippack