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| 13:34 Uhr

Sorbische Bücher
Ein Leben für sorbische Bücher

Bereits vor rund 100 Jahren gab es eine Fülle sorbischer Bücher, die in Bautzen publiziert worden waren.
Bereits vor rund 100 Jahren gab es eine Fülle sorbischer Bücher, die in Bautzen publiziert worden waren. FOTO: Torsten Richter-Zippack
Bautzen. Der Bautzener Helmut Haase ist vom ersten Tag an für den Domowina-Verlag tätig gewesen. Seitdem sind genau 60 Jahre vergangen. Gefeiert wird am 9. Juni. Von Torsten Richter-Zippack

Am 1. Juli 1958 ist der Domowina-Verlag als Zusammenschluss mehrerer Redaktionen in Bautzen gegründet worden. Zu jenem Zeitpunkt war Helmut Haase bereits seit zwei Jahren im Geschäft. Genauer gesagt, als Koordinator für sorbische Schulbücher im Dienst des Berliner Verlages Volk und Wissen. Vor nunmehr 60 Jahren übernahm der neu gegründete Domowina-Verlag sowohl die sorbischsprachige Schulbuchproduktion als auch Helmut Haase als Mitarbeiter der ersten Stunde.

Haases Eltern, so sagt der heute 82-Jährige, waren Sorben. „Allerdings bin ich nicht mit der sorbischen Sprache aufgewachsen.“ Denn während der NS-Zeit war sie verboten. „Daher habe ich die Sprache erst in den 1950er-Jahren an der Sorbischen Oberschule Bautzen gelernt“, erinnert sich der gebürtige Pommritzer.

Direkt nach dem Abitur begann Helmut Haase als Volontärsredakteur seine Karriere im sorbischen Schulbuchbereich, anfangs vor allem für niedersorbische/wendische Bücher. Anschließend folgte ein Studium mit dem Abschluss als Ingenieur für Polygrafie. „Ich war quasi der Hersteller der Bücher, angefangen vom Manuskript bis zum fertigen Werk.“ Später kletterte Haase die Karriereleiter als Abteilungs-, dann als Produktionsleiter des Domowina-Verlages nach oben.

Obwohl es in der DDR an vielem mangelte, galten sorbische Bücher in der Regel nicht als Bückware, sagt Helmut Haase. „Allerdings präsentierte sich das Angebot nicht allzu umfangreich“, schränkt der 82-Jährige ein. „Ich selbst habe viele Werke geliebt, insbesondere unsere sorbischen Fibeln.“ Letztendlich hätten gerade die vielen Abbildungen sowohl Hersteller als auch Nutzer begeistert. „Wir pflegten damals enge Kontakte zu Grafikern in Berlin und Leipzig. Im Sorbenland gab es von ihnen nicht sehr viele.“

Eine Ausnahme habe der bekannte Künstler Mercin Nowak-Njechornski (1900 – 1990) gebildet. Der Necherner hatte sich vor allem mit seinen Krabat-Karikaturen einen Namen weit über die Lausitzer Grenzen hinaus erarbeitet. Helmut Haase ist indes noch heute stolz, dass sein Domowina-Verlag beim DDR-weiten Wettbewerb um die schönsten Bücher des Jahres öfter mal einen vorderen Platz einnahm. „Auch unsere Fibeln waren darunter.“

Die Liebe zu den Büchern hat den Pommritzer bereits in früher Kindheit ergriffen. Denn in Bautzen gibt es schon seit dem Jahr 1851 die Sorbische Buchhandlung, die nach ihrer Schließung anno 1937 durch die Nazis nach dem Zweiten Weltkrieg wieder ihre Pforten öffnete. „Damaliger Leiter war Ernst Simon, der in Bautzen einen sehr guten Ruf als Kulturförderer besaß“, erinnert sich Haase. „Deswegen hieß es damals immer, wir gehen in die Simonsche Buchhandlung.“

Nach einer wechselvollen Geschichte mit mehreren Umzügen lädt die Smoler`sche Verlagsbuchhandlung, benannt nach dem ersten sorbischen Verleger Jan Arnost Smoler (1816 – 1884), bis heute in die Bautzener Tuchmacherstraße ein. Zu DDR-Zeiten gab es Kooperationen mit weiteren Buchhandlungen im sorbischen Gebiet, beispielsweise in Hoyerswerda, Spremberg und Cottbus, berichtet die Leiterin der Einrichtung, Annett Scholze.

Helmut Haase, der sein ganzes Leben für den Domowina-Verlag tätig war und vor nunmehr 20 Jahren seine Pensionierung erfuhr, ist bis heute im Bautzener Verlagshaus ein gern gesehener Gast. Waren dort vor der Wende über 100 Mitarbeiter beschäftigt, seien es heute noch rund 40, sagt Haase. Annett Scholze ergänzt, dass pro Jahr um die 35 neue Titel herausgegeben werden, davon drei deutschsprachige. In ihrer Verlagsbuchhandlung im Erdgeschoss könnten die Leser unter rund 7000 Titeln wählen.

Am Sonnabend, 9. Juni, wird der 60. Gründungstag des Domowina-Verlages ab 14 Uhr im Verlagshaus in der Tuchmacherstraße 27 gefeiert. Die Besucher können die verschiedenen Bereiche besichtigen und mit verfolgen, wie beispielsweise sorbische Kinderbücher entstehen. Nicht zuletzt sind unter anderem Blicke in alte Ausgaben der sorbischen Tageszeitung Serbske Nowiny möglich, ebenso auf die historische Fotoausstellung. Zudem, so kündigt Annett Scholze an, werden verschiedene Berufe vorgestellt, die Interessierte in einem Verlagshaus erlernen können.