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| 19:24 Uhr

Virtuelle Liebe
Ein Lächeln für den Liebes-Klick

Martin Herzger (30) und Susann Falk (25) aus Hoyerswerda haben sich über eine Dating-App kennengelernt.
Martin Herzger (30) und Susann Falk (25) aus Hoyerswerda haben sich über eine Dating-App kennengelernt. FOTO: LR / Anja Hummel
Hoyerswerda. Am 24. Juli ist „Tag der virtuellen Liebe“. Für immer mehr Männer und Frauen ist das ein Grund zum Feiern. Dass die Partnersuche im Internet erfolgreich sein kann, erzählt ein Hoyerswerdaer Pärchen, das es wissen muss. Von Anja Hummel

„Ich hatte große Probleme, Frauen kennenzulernen“, gibt Martin Herzger ganz offen zu. Dem heute 30-Jährigen kam die Gelegenheit mit der Online-Partnersuche vor gut vier Jahren gerade recht. „Lovoo“, so der vielversprechende Name der Flirt-App, war schnell auf dem Smartphone installiert. Und dann: viele Fotos von vielen Frauen. Viele Nachrichten, wenige Antworten, einige Dates, aber keine Traumfrau. Zwei Jahre war Martin Herzger als Single bei „Lovoo“ aktiv. Und dann schrieb er diese eine Nachricht, die alles veränderte.

„Sie hat auf dem Foto extrem niedlich gelächelt“, erinnert sich der Elektroniker. Einen längeren Text habe er verfasst. Was er genau schrieb, das weiß er nicht mehr. „Aber nach drei Wochen hatte ich immer noch keine Antwort“, erzählt der Hoyerswerdaer.

„Ich habe halt nur selten ins Postfach geschaut“, wendet Susann Falk ein und grinst. Sie ist die Frau mit dem „extrem niedlichen Lächeln“. Nur aus Jux und Tollerei habe sie sich damals bei „Lovoo“ angemeldet – und weil eine Freundin davon schwärmte. „Ich wollte nicht glauben, dass der Quatsch funktioniert“, sagt die 25-Jährige, die ziemlich schnell von den vielen eindeutig zweideutigen Nachrichten der Männer genervt war.

 Doch Martin hat es besser gemacht. „Von ihm kam kein plumper Anmachspruch, sondern ein längerer Text“, weiß die künftige Steuerfachangestellte noch ganz genau. „Er war eine kleine Quasselstrippe und ich hab mich gleich in die Augen verguckt“, schaut sie ihn verliebt an. Also tippte sie eine Antwort ein. Zur Überraschung von Martin.

Knapp einen Monat haben sie sich geschrieben – um Gemeinsamkeiten zu finden, um sich kennenzulernen. „Anfangs geht es nur um Oberflächlichkeiten, klar“, erzählt Martin. Sein persönlicher Tipp: Man muss schon auf das Geschriebene des anderen eingehen. Und den Gegenüber irgendwie zum Lächeln bringen. Mit seiner Strategie war er offensichtlich erfolgreich. Heute ist er mit seiner Susann seit gut zwei Jahren zusammen.

Und trotzdem, sagen die beiden, sind Flirt-Apps wie Lovoo „Fluch und Segen zugleich“. „Natürlich hat man dadurch viel mehr Möglichkeiten, neue Leute kennenzulernen“, erzählt Martin. Vor allem Leute, denen man sonst niemals über den Weg gelaufen wäre. Das bewirke aber auch, dass es eine „Art Überangebot“ gebe.

 Beide hatten vor ihrem Kennenlernen auch andere Dates. „Die waren eigentlich immer sehr gut“, erzählt Martin. „Aber plötzlich hat man nichts mehr vom anderen gehört.“ Susann nickt. Doch das würde weniger an der App als vielmehr an den Menschen liegen. Insgesamt, findet Susann, hat man bei all dem „beruflichen Zeitdruck gar keinen Nerv mehr, sich umzuschauen“. Auf der Couch vor dem Smartphone sei das Flirten einfach bequemer und unkomplizierter.  

Grundsätzlich also – wie sollte es auch anders sein – kann das junge Paar das Online-Dating empfehlen. „Es ist ja erst einmal nur dafür da, Kontakte zu knüpfen“, resümiert Martin, der seine Susann zum ersten Date in den Dresdner Zoo ausführte. Ohne „extreme Geduld“ könne man bei so einer Kennenlern-Plattform aber nicht erfolgreich sein. „Zunächst kann man sowieso nur nach der Optik bewerten“, so Martin.

Die Wahrscheinlichkeit, dass sich die beiden ohne App kennengelernt hätten: gleich null. Susann wohnte in Dresden, Martin in Hoyerswerda. Wenn sie ihre Kennenlern-Geschichte erzählen, reagieren viele immer noch ungläubig. Dass bei Susann und Martin aus einem virtuellen Flirt tatsächlich reale Liebe wurde, ist mittlerweile nicht mehr zu leugnen: zukunftsträchtig stapeln sich Kartons und Körbe, Beutel und Pakete zwischen Haustür und Wohnzimmercouch. „Wir sind gerade erst eingezogen“, verkündet Martin stolz. „Unsere erste gemeinsame Wohnung“, wirft Susann hinterher und schaut ihren Martin mit womöglich jenem „niedlichen Lächeln“ an, dem sie beide ihr gemeinsames Glück zu verdanken haben.