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Ein Hoyerswerdaer Original und Vorbild

Karl-Heinz Seitz bekommt die Günter-Peters-Ehrennadel 2017 der Stadt Hoyerswerda.
Karl-Heinz Seitz bekommt die Günter-Peters-Ehrennadel 2017 der Stadt Hoyerswerda. FOTO: Heinz Hirschfeld
Hoyerswerda. Mit Stolz trägt Karl-Heinz Seitz (74) aus Hoyerswerda die Uniform der Feuerwehr. Der Oberbrandinspektor ehrenhalber rückt zwar zum Löscheinsatz nicht mehr aus, ist aber noch immer zu jung für die Alters- und Ehrenabteilung. Kathleen Weser

"Da mache ich nicht mit", bestätigt er schmunzelnd. Mit dem Gefühl, dass die aktive Zeit in den Reihen der Kameraden dann vorbei sei, kann er sich einfach nicht anfreunden.

Der gebürtige Hoyerswerdaer ist eine Instanz in den Reihen der Freiwilligen Feuerwehr Hoyerswerda-Altstadt - und ein Original. An die nach dem Modell um 1900 maßgeschneiderte Parade-Uniform der Feuerwehrkameradschaft wird Karl-Heinz Seitz bald eine besondere Auszeichnung geheftet: die Günter-Peters-Ehrennadel 2017. Das hat der Stadtrat beschlossen. Die CDU-Fraktion hat Karl-Heinz Seitz für die Auszeichnung, die alle zwei Jahre von der Stadt Hoyerswerda an besonders rührige Ehrenamtler vergeben wird, vorgeschlagen.

Der gelernte Bergmann, Schlosser und Meister im Unruhestand nimmt die Nachricht fast peinlich berührt auf. "Das überrascht mich wirklich. Und ich habe das gedanklich auch nicht sofort realisiert", bestätigt Karl-Heinz Seitz. "Es gibt viele Hoyerswerdaer, die sich mit Herzblut engagieren. Einige sind nur bekannter und stehen deshalb auch mehr im Vordergrund", stellt er fest. "Ich betrachte das so: Diese Ehre, über die ich mich freue, wird mir nur stellvertretend für unsere Feuerwehrleute zuteil", sagt der angehende Preisträger bescheiden. Seitz brennt für die Feuerwehr. In der Siedlung an der Petershainer Bahn, die die Preußische Staatsbahn 1904 zwischen Hoyerswerda, Welzow und Neupetershain eröffnet hatte, ist er aufgewachsen. "Hier hat es laufend gebrannt", erzählt Karl-Heinz Seitz in Erinnerung an seine Kindheit. Die Feuerwehr rückte über die Straße an, "und die Hühner flogen aufgescheucht davon". Das Bild hat der heute 74-Jährige noch immer gut vor Augen. Und natürlich haben die Jungen der Siedlung den Löscheinsatz verfolgt. Der Weg in die Reihen der Brandbekämpfer war also auch ohne erbliche Vorbelastung vorprogrammiert. An den Sohn hat Karl-Heinz Seitz das Gen aber weitergegeben. Der arbeitet bei der Berufsfeuerwehr in Görlitz.

"Wenn ich etwas tue, dann mache ich das auch richtig", bestätigt Karl-Heinz Seitz seine Einstellung zum Leben. Das hält er bis heute so. Er ist im Altstadt-Gerätehaus weiter präsent. Tipps für den Feuerwehr-Nachwuchs und auch der Anstoß zum Rasenmähen an die Kameraden gehören dazu. "Aber ich mache auch mit. Vorbild zu sein, ist mir schon immer wichtig", sagt Seitz. Das hat er auch als Wehrleiter so gehalten. Von 1974 bis 1991 hat er das Ehrenamt ausgeführt. Bei großen Waldbränden bei Neustadt und Weißwasser ist er mit im Einsatz gewesen. Und auch im Hochwasser-Sommer 2002 in Dresden. "Ich habe viel Leid über den Verlust von Hab und Gut gesehen, aber auch große Hilfsbereitschaft erfahren", sagt Karl-Heinz Seitz.

Mit dem Namensgeber der Hoyerswerdaer Ehrennadel hat er übrigens noch Vieles gemein: auch die Liebe zum Zoo. Im Förderverein ist der angehende Preisträger aktiv. "Die Erdmännchen mag ich besonders gern", erzählt Seitz. Unverzüglich fügt er mit einem jungenhaften Lachen aber diszipliniert an, dass die Fische hoch in seiner Gunst stehen. Die Betreuungsfunktion für Wallgraben und Schlossteich nimmt der Hoyerswerdaer ernst.

Den größten Fisch hatte er allerdings mit einem 29-Pfund-Karpfen am Knappensee an der Angel. Der agile Mann, der sich morgens das gute Frühstück mit der lieben Ehefrau erst nach einer 10-Kilometer-Radrunde gönnt, ist immer in Bewegung - auch für das Ehrenamt. In einer ruhigen Stunde nimmt er sich ein gutes Buch vor. Bis die innere Unruhe ihn neu antreibt, für Hoyerswerda und die tollen Leute hier gute Taten zu vollbringen.