ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 10:26 Uhr

8. März
Ein Hoch auf unsere Frauen

FOTO: LR / Schubert
Heute ist internationaler Frauentag. Gratulation all den starken Frauen, die täglich ihren Mann stehen. Von Rita Seyfert

An diesem Freitag ist der Internationale Frauentag in Berlin erstmals Feiertag. Während die Hauptstadt stillt steht, wird in Hoyerswerda gearbeitet. In Sachsen sind mehr Frauen berufstätig als in jedem anderen Bundesland. Wie aktuelle Zahlen belegen, liegt die Beschäftigungsrate der sächsischen Frauen mit 65 Prozent sogar höher als die der Männer. Hier erzählen vier berufstätige Frauen, ob und wie sie den 8. März feiern.

Kathrin Petsch (44) aus Hoyerswerda, Polizeikommissarin am Polizeistandort in Wittichenau: „Feiern? Den 8. März zelebrieren wir hier auf der Wache nicht speziell, das ist ein Tag wie jeder andere. Zu Ostzeiten wurde der Frauentag mehr gewürdigt. Das weiß ich von meiner Mutter, eine ehemalige Krankenschwester, die stets berufstätig und immer mein Vorbild war. Zum Frauentag gönnen wir uns dieses Jahr einen Besuch im Kabarett. Wir gehen zur Frauentagsveranstaltung in der Kulturfabrik in Hoyerswerda.

 Polizeikommissarin Kathrin Petsch (44) ist am Standort Wittichenau per Funk immer auf dem Laufenden.
Polizeikommissarin Kathrin Petsch (44) ist am Standort Wittichenau per Funk immer auf dem Laufenden. FOTO: LR / Rita Seyfert

Im Gegensatz zu meiner Mutter bin ich 1993 Polizistin geworden. Damals war das kein typischer Frauenberuf. Inzwischen hat sich das Bild gewandelt. Männer und Frauen halten sich heute zahlenmäßig die Waage. Aber auch bei allen anderen Dingen stehen wir den Männern in nichts nach, weder beim Schießtraining noch im Einsatz. Manchmal sind wir ihnen sogar überlegen: Denn männliche Polizisten werden mitunter als Gegner wahrgenommen. Eine Polizistin wirkt eher beschwichtigend und glättet die Wogen.“

Uta Hoffmann (56) aus Lauta, Lehrerin für Geschichte und Gemeinschaftskunde am Léon-Foucault-Gymnasium in Hoyerswerda: „Groß gefeiert habe ich den Frauentag nie. Zu DDR-Zeiten, als der 8. März noch offiziell zelebriert wurde, war ich zu jung. Damals verstand ich unter einer Frau eine Mutter mit Kindern. 1985 begann ich als Lehrerin zu arbeiten. Die Dorfschule in Haidemühl fiel zwar inzwischen dem Kohlebergbau zum Opfer, an die familiäre Atmosphäre dort kann ich mich trotzdem gut erinnern. Zum Frauentag brachten uns die Eltern neben Blumen auch Selbstgemachtes wie Leberwurst, Marmelade oder eine Packung Eier. Vom Schulleiter gab es Nelken.

 Geschichtslehrerin Uta Hoffmann (56) bereitet das Tafelbild für den Unterricht am Léon-Foucault-Gymnasium in Hoyerswerda vor.
Geschichtslehrerin Uta Hoffmann (56) bereitet das Tafelbild für den Unterricht am Léon-Foucault-Gymnasium in Hoyerswerda vor. FOTO: LR / Rita Seyfert

Mit der Wende hat sich die Bedeutung des Frauentags aber verändert. Auch die Rolle der Frau ist eine andere. Frauen übernehmen heute noch mehr Verantwortung. Sie engagieren sich nicht nur in Familie und Beruf, sondern auch in der Politik oder Gesellschaft. Das gebe ich auch meinen Schülerinnen mit den auf den Weg: Nicht nur berieseln lassen, sondern kritisch, aber offen bleiben und sich aktiv seine eigene Meinung bilden.“

 Köchin Karola Metan (58) schwingt den Schneebesen in der Großküche vom Saxonia Catering in der Lausitzhalle.
Köchin Karola Metan (58) schwingt den Schneebesen in der Großküche vom Saxonia Catering in der Lausitzhalle. FOTO: LR / Rita Seyfert

Karola Metan (58) aus Elsterheide, Köchin beim Saxonia Catering in der Lausitzhalle: „Zum Frauentag gibt es vom Chef meistens ein Blümchen. Und mein Mann schenkt mir am 8. März immer einen Frühlingsstrauß. Nach Feierabend wird Kaffee getrunken. Dieses Jahr kommt Cremetorte auf den Tisch. Mein Lieblingskuchen, den habe ich mir gewünscht. Mit den Frauentagsfeierlichkeiten zu DDR-Zeiten lässt sich der 8. März heute aber nicht mehr vergleichen. Damals war das ein Event, das groß zelebriert wurde. Vor der Wende habe ich als Köchin in der Kita Kinderland im WK8 gearbeitet. Da sind wir nach Feierabend alle in die Lausitzhalle und haben es uns gut gehen lassen. Männer habe ich da nur als Kellner gesehen. Ich persönlich fühle mich als Frau gleichberechtigt. Mit meinem Mann hatte ich Glück. Ob in der Küche, Hausarbeit oder Kindererziehung, er hat immer alles mitgemacht und mich unterstützt. Den gebe ich nicht mehr her.“

 Stationsassistentin Silvia Strzodka (62) füllt auf der Intensivstation vom Lausitzer Seenland Klinikum die Handschuhspender nach.
Stationsassistentin Silvia Strzodka (62) füllt auf der Intensivstation vom Lausitzer Seenland Klinikum die Handschuhspender nach. FOTO: LR / Rita Seyfert

Silvia Strzodka (62) aus Hoyerswerda, Stationsassistentin auf der Intensivstation vom Lausitzer Seenland Klinikum: „Mit meinem Mann hole ich den Frauentag am Sonntag nach. Wir gehen essen. Auf Arbeit wird nichts passieren. Da haben wir zu viel Stress. Hier auf der Intensivstation gehöre ich zum festen Inventar. Ich unterstütze die Schwestern bei den organisatorischen Aufgaben, koordiniere Reparaturen, versende Faxe für die Ärzte oder bestelle medizinische Materialien von der Spritze bis zum Katheder. Vor nunmehr 46 Jahren begann ich meine Ausbildung zur Wirtschaftspflegerin. Damals war das noch das Kreiskrankenhaus. Zum Frauentag haben wir uns Blümchen angesteckt. Die mussten wir uns für 50 Pfennig von der Gewerkschaft kaufen. Man hatte die Wahl zwischen einer Nelke oder Glockenblume. Letztere war der Renner. Mit dem alten Kollektiv aus der Anästhesie haben wir viel unternommen, nicht nur zum Frauentag. Inzwischen habe ich vier Kinder und vier Enkel, da bleibt wenig Zeit.“